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Gesundheitspolitik 12. April 2016

Der Staat als Hanf-Bauer

Cannabis-Therapie bei Multipler Sklerose und Krebs: Substanzen gelten als schmerzlindernd und krampflösend.

Cannabis wird in der Medizin bei verschiedenen Krankheiten eingesetzt. Einigen Substanzen wird etwa eine krampflösende und schmerzlindernde Wirkung zugeschrieben. Die Kosten für die Patienten sind aber sehr hoch – und nur wenige haben eine Ausnahmeerlaubnis zum Erwerb von Cannabisprodukten.

Cannabis wird unter anderem zur Behandlung von chronischen Schmerzen, Nervenschmerzen, bei grünem Star (Glaukom) zur Reduzierung des Augeninnendrucks, bei ADHS und dem Tourettesyndrom eingesetzt. Verwendet werden Cannabisextrakte, Cannabisblüten oder einzelne Cannabinoide – das sind Mittel auf Cannabisbasis. Angewandt werden Hanfprodukte auch gegen Übelkeit und zur Appetitsteigerung bei Krebs- und AIDS-Patienten, bei Rheuma sowie bei spastischen Schmerzen bei Multipler Sklerose.

Die beiden wichtigsten Inhaltsstoffe sind Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). Ihnen wird unter anderem eine schmerzlindernde, entzündungshemmende, appetitanregende und krampflösende Wirkung zugeschrieben. Nicht immer aber ist der medizinische Nutzen eindeutig belegt. Es gibt viele positive Beobachtungen, allerdings oft noch zu wenige aussagekräftige Studien.

Seit Mai 2011 dürfen in Deutschland zugelassene Fertigarzneimittel auf Cannabis-Basis auch in Deutschland hergestellt und von Ärzten auf Betäubungsmittelrezept verschrieben werden.

Bisher ist mit Sativex lediglich ein Extrakt aus Cannabis sativa – so der botanisch-lateinische Name für die Hanfpflanze – zugelassen, und zwar für Patienten, die an Multipler Sklerose erkrankt sind und an schweren spastischen Lähmungen und Krämpfen leiden. Mit dem Spray werden die Wirkstoffe direkt in den Mund gesprüht. Zudem können Patienten im Ausland zugelassene Fertigarzneimittel mit den Wirkstoffen Dronabinol und Nabilon verschrieben bekommen. Für die Kosten müssen sie in der Regel dann aber selbst aufkommen. Nach Schätzungen des Alternativen Drogen- und Suchtberichts, der unter anderem von der Deutschen AIDS-Hilfe herausgegeben wird, erhalten in Deutschland etwa 5.000 bis 10.000 Patienten eine Therapie mit Dronabinol oder Sativex.

Unter bestimmten Voraussetzungen können Patienten bei der Bundesopiumstelle am Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) eine Ausnahmeerlaubnis zum Erwerb von Cannabisblüten oder -extrakten „im Rahmen einer medizinisch betreuten und begleiteten Selbsttherapie“ beantragen. Das Cannabiskraut wird dann von einem niederländischen Unternehmen an eine bestimmte Apotheke in Deutschland geliefert.

Derzeit verfügen laut Bundesinstitut 581 Patienten über eine solche Ausnahmeerlaubnis. Bislang wurden demnach insgesamt 635 von rund 1.050 Anträgen bewilligt, die Erlaubnis wurde zum Teil aber wieder zurückgegeben, oder die Patienten sind verstorben. Die Patienten müssen für Cannabisblüten und -extrakt monatlich allerdings meist mehrere hundert Euro berappen. Die Kassen zahlen nur in Einzelfällen. Kritiker monieren, dass sich viele Betroffene Cannabis daher nicht leisten könnten und gezwungen seien, das Marihuana auf dem Schwarzmarkt zu besorgen oder gar selbst anzubauen. Das ist allerdings illegal.

Schwerkranken Patienten soll der Zugang zu Cannabis zu medizinischen Zwecken erleichtert werden. Ein Gesetzentwurf des deutschen Bundesgesundheitsministeriums sieht vor, dass schwer chronisch Kranke sich auf Kassenrezept mit Medizinalhanf und mehr Arzneimitteln auf Cannabisbasis als bisher versorgen dürfen. Geplant ist eine staatliche Cannabis-Agentur, die Anbau und Handel überwacht.

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