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© Donau-Uni Krems
Der Philosoph DDr. Peter Kampits lehrt an der Donau-Universität Krems Ethik in der Medizin. Kampits ist stv. Vorsitzender der Bioethikkommision.
 
Gesundheitspolitik 25. Jänner 2016

„Im Prinzip sind wir Naturwesen, zu deren Natur es gehört, ständig über diese Natur hinauszuwachsen“

3 Fragen, 3 Antworten

Der Optimierungszwang, der in den vergangenen 20 Jahren entstanden ist, hängt stark mit unserer Leistungsgesellschaft zusammen und entsteht aus dem Glauben, „in jedem Gebiet Spitze sein zu müssen“. Therapeutisches „enhancement“, das dazu dient, die eigene Stellung innerhalb der Leistungsgesellschaft zu verbessern, sei ethisch nicht zimmerrein, sagt der Philosoph Peter Kampits.

Der Mensch erweitert seit Jahrtausenden seine Grenzen, was ist daran so verwerflich?

Kampits:Im Prinzip sind wir Naturwesen, zu deren Natur es gehört, ständig über diese Natur hinauszuwachsen. Aber die totale Fixierung auf Leistung ist etwas spezifisch Gegenwärtiges. Das kommt vom Sport her. Jeder Fußballer sagt in Interviews, er will seine Leistung bringen. Den Menschen wird eine Trias vorgelebt, die aus Leistungsbereitschaft, Fitness und Schönheit besteht Es genügt nicht, den Status des bisher Erreichten zu halten, sondern dieser muss ständig qualitativ und quantitativ gesteigert werden.

Wer sind die Trendsetter?

Kampits:Sportler. Das sind überangepasste Wesen, die wollen immer den Erwartungen entsprechen und sind daher ideale Vorbilder.

Ist es nicht besser, wenn jeder für sich selbst Verantwortung übernimmt, anstatt sich auf die sozialen Verhältnisse auszureden?

Kampits: Die Frage sind die Grenzen. Die Technologien, von der Nanotechnologie bis zur Gentechnik, erweitern die Grenzen dessen, was man früher als Schicksal angesehen hat. Ein „enhancement“ (Erhöhung), das therapeutischen Zwecken dient, das Menschen, die mit zunehmendem Alter ihr Hörvermögen einbüßen, mit Hörapparaten ausstattet, würde die Mittel heiligen. Wenn es aber nur darum geht, die eigene Stellung innerhalb der Leistungsgesellschaft zu verbessern, dann würde ich das ethisch nicht mehr zimmerrein finden.

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