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© picture alliance/dpa
19 autonome Frauenhäuser bieten Schutz und Zuflucht.
 
Gesundheitspolitik 30. November 2015

Schlag auf Schlag

Rund-um-die-Uhr-Beratung für Gewaltopfer in Österreich.

Gewalt an Frauen und Kindern ist in Österreich noch immer ein enormes Problem, das in allen gesellschaftlichen Schichten zu finden ist. Frauenministerium und autonome Frauenhäuser wollen die Frauenhelpline bekannter machen.

Neben wirksamen Gesetzen und spezifischen Hilfseinrichtungen brauche es vor allem das Bewusstsein der Bevölkerung für einen klaren Standpunkt gegen Gewalt. Das sagt Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ). Anlass: Die Ergebnisse der Kampagne „Gewaltfrei leben“ sind da. Erarbeitet wurden ein Leitfaden für das Management in Krankenhäusern, ein Leitfaden zur Implementierung von multi-institutionellen Fallkonferenzen, eine Toolbox für die Gewaltpräventionsarbeit mit Kindern und Jugendlichen, beispielsweise für Schulen und Jugendgruppen, sowie eine Publikation über verantwortungsvolle Berichterstattung. 20 Prozent der Österreicherinnen erfahren laut EU-Grundrechteagentur körperliche und/oder sexuelle Gewalt als Erwachsene.

Darüber hinaus will man die Telefonnummer der Frauenhelpline gegen Gewalt 0800 222 555 bekannter machen. Die bundesweite Helpline gegen Gewalt bietet an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr anonym und kostenlos Hilfe und Unterstützung. Frauen und Kinder, die von Gewalt betroffen sind, werden dort ebenso beraten wie Angehörige und Personen, die Rat und Unterstützung rund um das Thema häusliche Gewalt brauchen.

Fast jede 3. Frau wendet sich nach erlebter Gewalt an Einrichtungen des Gesundheitswesens. Opfer sprechen jedoch während einer Behandlung nur selten über die erlittenen Misshandlungen und bleiben dadurch oft jahrelang ohne professionelle Unterstützung. Das Ansprechen eines Verdachtes durch Gesundheitsfachkräfte ist folglich Voraussetzung für eine adäquate Behandlung und Weitervermittlung an Opferschutzeinrichtungen. Die Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie führt Schulungen für Gesundheitsfachkräfte durch. Noch einmal Heinisch-Hosek: „Wir haben bereits Fortschritte im Schutz von Frauen vor Gewalt erreicht – zuletzt im Strafrecht: 2016 tritt eine Strafrechtsnovelle in Kraft. Mit der Erweiterung des Tatbestands sexueller Belästigung ist ein Meilenstein gelungen.“ Die Verankerung im Strafrecht sei ein Erfolg für den Schutz vor sexueller Belästigung ( www.gewaltfreileben.at ).

Zuletzt war die SPÖ-Politikerin mit einer Attacke gegen den Schlankheitswahn in Erscheinung getreten. Magermodels am Laufsteg oder extrem bearbeitete Körper in der Werbung bräuchten Grenzen. Bei einer informellen Umfrage habe sich gezeigt, dass Bilder von perfekten Models in der Werbung zu Verunsicherung führen, 73 Prozent stimmten dieser Aussage zu. Befragt nach Maßnahmen für ein realistisches Schönheitsideal erhält der Vorschlag, wonach Models ein gesundes Mindestgewicht haben sollen, die größte Zustimmung. 90 Prozent halten dies für einen geeigneten Vorschlag.

Auch eine Kennzeichnungspflicht für die vielen nachträglich retuschierte Werbefotos und ein Verbot sexistischer Werbung wird mehrheitlich positiv bewertet.

Gewaltfrei leben/APAmed, Ärzte Woche 49/2015

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