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© Felicitas Matern/MUW
Gutiérrez-Lobos ist an der Bernhard-Gottlieb Universitätszahnklinik Wien tätig. Bis vor Kurzem war sie Vizerektorin für Lehre.
 
Gesundheitspolitik 19. Oktober 2015

„Zu glauben, dass man einsam irgendwo bestehen kann, ist ein Konzept, dass nicht wirklich aufgehen wird“

3 Fragen, 3 Antworten

Um im Spiel zu bleiben, sind berufliche Netzwerke unumgänglich. Das sagt die frühere Vizerektorin für Lehre, Gender & Diversity an der MedUni Wien, Prof. Dr. Karin Gutiérrez-Lobos. Viele Frauen informieren sich über Online-Plattformen und Neue Medien. Die besten Informationen erhalte man aber immer noch in den schier endlosen Sitzungen der Universitäts-Gremien.

Bürgermeister Michael Häupl war bei einer schlagenden Schülerverbindung, später bei den freiheitlichen und sozialistischen Studentenorganisationen an der Universität aktiv. Er nutzte männliche Aufstiegshilfen. Was sind typisch weibliche Netzwerke?

Gutiérrez-Lobos: Netzwerke, Leute kennen, an Informationen herankommen, das spielt in allen Bereichen eine große Rolle, natürlich auch in der Wissenschaft. Einige der von ihnen Angesprochenen sind ja für Frauen nicht zugänglich. Ob Netzwerke etwas bringen oder nicht, kann man erst im Nachhinein feststellen. Es heißt nicht umsonst: Jeder Nobelpreisträger ist bei einem Nobelpreisträgern in die Schule gegangen.

Aber ein Online-Portal wie Academia.net, was bringt das wirklich?

Gutiérrez-Lobos: Online-Plattformen funktionieren nach dem Prinzip, dass man schaut, ob es jemanden mit einer bestimmten Expertise gibt und sich dann entscheidet, in Kontakt zu treten oder nicht. Meiner Erfahrung nach werden diese Plattformen sehr wohl genützt und sind sinnvoll.

Networking wird meist abends betrieben, an Stammtischen, in Gremialsitzungen, bei Veranstaltungen. Nun sind Professorinnen oder Jungforscherinnen aber auch Menschen mit einem langen Arbeitstag, mit Kindern und nicht-beruflichen Interessen. Muss man sich als Wissenschaftlerin zwischen Karriere und Privatleben entscheiden?

Gutiérrez-Lobos: Man muss Prioritäten setzen, Frauen wie Männer. An den Universitäten ist die Gremialarbeit ein großes Thema. Das ist im weitesten Sinn ein großes Netzwerk. Wir haben Quoten, 50 Prozent der Mitglieder müssen Frauen sein. Die Professorinnen, von denen wir immer noch sehr wenige haben, klagen, dass sie in so viele Gremien gehen müssen. Auf der anderen Seite ist es so, dass man dort die wirklich wichtigen Informationen kriegt. Ich kenne viele Professoren, die das seit 25, 30 Jahren machen und genau wissen, wie wichtig das ist. Zu glauben, dass man einsam irgendwo bestehen kann, ist wahrscheinlich ein Konzept, dass nicht wirklich aufgehen wird. Aber: Man muss Prioritäten setzen und gut auswählen.

Man muss wissen: Für welchen Karriereschritt brauche ich welches Netzwerk. Bis zu eine gewissen Grad geht es nicht ohne Netzwerk. Es ist eine grundsätzliche Entscheidung. Will ich meine knappe Freizeit in Sitzungen verbringen? Man soll es nicht übertreiben, aber wenn man im Spiel bleiben will, ist es halt eine Notwendigkeit.

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