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Die Fernabsatzverordnung macht‘s möglich: Der Bote liefert die – rezeptfreien – Medikamente bis an die Haustür.
 
Gesundheitspolitik 6. Juli 2015

Apotheken im Online-Dilemma

Die neue Fernabsatzverordnung für rezeptfreie Medikamente in Österreich soll den Internethandel regulieren und dem Konsumenten höhere Sicherheit bieten.

Die mit 25. Juni in Kraft getretene Fernabsatzverordnung für Humanarzneispezialitäten soll den heimischen Apotheken einen geregelten Vertriebsweg auch über neue Kanäle ermöglichen. Wie hoch der tatsächliche Bedarf ist, lässt sich derzeit nicht abschätzen. Bei der Standesvertretung steht man dem rezeptfreien Medikamentenhandel über das Internet eher skeptisch gegenüber, erklärt Mag. Max Wellan, Präsident der Österreichischen Apothekerkammer, im Gespräch mit der Ärzte Woche.

Medikamente im Internet zu bestellen und sich per Post zuschicken zu lassen, birgt für viele Konsumenten zwar den Reiz der vermeintlichen Anonymität und günstigeren Preise – das Gefahrenpotenzial ist freilich groß. Absicht der Fernabsatz-Verordnung ist, den legalen Bezug von Arzneimitteln über das Internet sicherer zu machen. Die Initiative dazu ging von der EU aus, die auch Österreich damit unter Zugzwang setzte, den Versandhandel zu erlauben. Voraussetzung für die Online-Abwicklung und die Zustellung ist jedenfalls die Abgabe aus einer öffentlichen Apotheke und die Übernahme der umfassenden Kontrolle und Verantwortlichkeit des Apothekers. Ein spezielles Logo kennzeichnet die berechtigten Betriebe auf deren Internetseite. Gegenstand der Regelung sind ausschließlich in Österreich zugelassene oder registrierte nicht rezeptpflichtige Humanarzneispezialitäten.

Sehr detailliert werden die Anforderungen für die Qualitätskontrolle, den Transport und die Lieferung, die pharmazeutische Qualitätssicherung und schließlich die Bestellung und pharmazeutische Beratung aufgelistet. Apotheken, die dieses Geschäftsfeld für sich erschließen möchten, müssen im Vorfeld zahlreiche formale und bürokratische Hürden nehmen. So muss für Transport und Lieferung ein Unternehmen ausgewählt werden, das über die erforderliche Sachkenntnis und Erfahrung verfügt – oder vom Apothekenteam selbst durchgeführt werden, und dem Kunden vor der Abgabe des Medikaments bei Bedarf auch eine Beratung angeboten werden.

Räumliche Distanz als Hürde für die persönliche Beratung

Eben dieser Aspekt der persönlichen Beratung stellt für Wellan auch einen der kritischen Punkte im Zusammenhang mit dem „Fernabsatz“ dar: Den Apothekern gehe es um die Nahversorgung und die persönliche Nähe stelle dabei ebenso wie bei den Ärzten einen Eckpfeiler der Dienstleistung dar. „Der Verlust des persönlichen Kontakts stellt eine große Gefahr dar,“ betont Wellan.

Lieferservice als zusätzlicher Kanal zum Kunden

Mit dem Startschuss der neuen Verordnung bietet beispielsweise das junge Unternehmen ApothekenLieferservice.at in Kooperation mit einer Wiener Apotheke seit dem 1. Juli nun seine Dienste an und stellt zahlreiche rezeptfreie Medikamente und Gesundheitsprodukte mit einem Botendienst zu – je nach Verfügbarkeit täglich zwischen 8.00 und 24.00 Uhr innerhalb von zwei Stunden oder spätestens am nächsten Arbeitstag. Für spezielle Anwendungsbereiche wie Erkältung, Verdauungsprobleme, Migräne oder Baby/Kind werden nach Apotheken-Expertise zusammengestellte Pakete angeboten, die die häufigsten Beschwerden erfassen. Bestellungen können rund um die Uhr im Webshop der Apotheke durchgeführt werden. Alles, was rezeptpflichtig ist, bleibt für diesen Vertriebsweg verboten, unterstreicht Wellan.

Für die Apothekerkammer stellen diese neuen Angebote ein erweitertes Zustellservice dar, wie es für Notfälle bereits über die Wiener Apotheken erfolgt. Wie das Angebot angenommen wird, sei abzuwarten, meint Wellan. So haben die Erfahrungen mit der Plattform apodirekt.at, die die Online-Bestellung mit persönlicher Abholung verknüpft, gezeigt, dass die Kunden die Apotheke Vorort und die persönliche Beratung wünschen.

Die erste dokumentierte Regelung des „Fernabsatzes“ wurde übrigens bereits unter Maria Theresia getroffen, wo der „Hausierhandel mit Gift, mit Sprengmitteln und mit Arzneien“ verboten wurde. Liberalisierungen und Verbote haben sich seither immer wieder abgewechselt.

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