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© UniversitätSiegen
Near Water:Das internationale Forscherteam mit Beteiligung zweier Limnologen der Universität Innsbruck (Dunja Lamatsch, 2. v. li. hinten, und Josef Wanzenböck, 3. v. re., im Vordergrund)
© Forschungsinstitut für Limnologie, Mondsee/Universität Innsbruck

Der Mondsee, im Vordergrund das Forschungsinstitut für Limnologie.

 
Gesundheitspolitik 5. August 2015

Sie wirken dort, wo es keiner sieht

Dem Winzigkleinen auf der Spur: Nanopartikel in Badeseen und ihre möglichen Folgen für die Gesundheit.

Sie sind in vielen Materialien enthalten: In Kosmetika, Kleidung und Verpackungen stecken Nanopartikel, die letztlich in unseren Gewässern landen. Ein Team mit Beteiligung österreichischer Limnologen untersucht die Auswirkungen von Kleinstpartikeln auf den Mondsee.

In Sonnencremes oder Sport-Funktionskleidung ist mehr enthalten, als das Auge sieht: Kleinstteilchen, sogenannte „Nanopartikel“, landen über unser Freizeitverhalten im Ökosystem See. Der Durchmesser der Teilchen beträgt weniger als 100 Nanometer – ein menschliches Haar ist 1000 Mal dicker. Nanopartikel gelangen auch über die Körperpflege oder die Wäsche in Kläranlagen und von dort in unsere Gewässer.

Was aber ist auf dem Weg dorthin mit den Nanopartikeln passiert? Wie haben sich die Kleinstteilchen verändert und was bedeutet das für unsere Umwelt und unsere Gesundheit?

Mit diesen Fragen beschäftigen sich Forscher des Forschungsinstituts für Limnologie der Universität Innsbruck am Mondsee und internationale Partner im Rahmen des internationalen Projekts „FENOMENO“ ( www.siinn.eu/en ).

Der Mondsee ist jenes Gewässer, an dem die Forscherinnen und Forscher die Auswirkungen von Nanopartikeln direkt untersuchen. „Der Mondsee bietet sich als Forschungsfeld für Nanopartikel an. Er ist einer von wenigen Seen, bei dem das gereinigte Wasser direkt in den See rückgeführt wird. Chemische und ökologische Untersuchungen von Nanopartikeln in natürlichen Systemen, die mehrere trophische Niveaus des Ökosystems berücksichtigen, sind Neuland in der Forschung“, erklärt Josef Wanzenböck vom Forschungsinstitut für Limnologie.

Das Projekt soll den Verbleib und die Auswirkungen von Nanopartikeln auf die aquatische Nahrungskette aufklären. Versucht wird zum einen, den Weg von Silber und Titandioxid-Nanopartikeln in einer natürlichen Nahrungskette (Algen–Wasserflöhe–Friedfische–Raubfische) nachzuverfolgen. Dazu werden Proben entnommen. Parallel dazu werden im Labor gezielt Silber- und Titandioxid-Nanopartikel verwendet, die eine Modellkläranlage passiert haben. Mit hochempfindlicher Element-Massenspektrometrie und hochauflösender Mikroskopie wird an der Universität Siegen und im Fraunhofer-Institut analysiert, wie sich diese Nanopartikel verändert haben. Im Labor wird getestet, wie Algen die Nanopartikel aufnehmen. Im nächsten Schritt wird der Einfluss der Nanopartikel auf Wasserflöhe analysiert. Wasserflöhe sind Schlüsselorganismen in der aquatischen Nahrungskette, da sie Algen fressen und von Friedfischen gefressen werden. In verschiedenen Testreihen wird erforscht, welche Effekte diese Nanopartikel auf das Verhalten der Wasserflöhe, ihre Bewegungen, die Herzschlagrate, den Fortpflanzungserfolg haben. Die Bewegungen der Wasserflöhe können automatisch verfolgt und ausgewertet werden. Die Wasserflöhe dienen als Biosensoren für Nanopartikel im Gewässer. Die mikroskopischen Techniken und Verhaltensexperimente erlauben es, die Aufnahme der Nanopartikel durch die Wasserflöhe und den Verbleib der Teilchen festzustellen.

Universität Innsbruck, Ärzte Woche 26/2015

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