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© ÖAK
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Dr. Thomas Szekeres Präsident Ärztekammer für Wien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

© Richard Tanzer/WGKK
© Richard Tanzer/WGKK

Mag. Ingrid Reischl Obfrau WGKK

 

 

 
Gesundheitspolitik 21. April 2015

Für Wehsely ist alles gesagt

Um ihre Forderungen zu unterstreichen, hat die Wiener Ärztekammer einen offenen Brief an ihre Verhandlungspartner verschickt, geantwortet hat nur die Obfrau der Wiener Gebietskrankenkasse.

Ermüdungserscheinung: Wiens oberster Arzt und die SP-Stadträtin finden nicht zueinander.

Mitten hinein in die „Dauerverhandlungen“ über die Begleitmaßnahmen zum neuen Arbeitszeitgesetz hat sich der Vorstand der Ärztekammer für Wien öffentlich an seine beiden wesentlichen Verhandlungspartner, oder auch Verhandlungsgegner, wie Beobachter die Beteiligten hinter vorgehaltener Hand bezeichnen, gewandt und eine Neustrukturierung der Wiener Gesundheitslandschaft gefordert. Nur so könne die medizinische Versorgung der Wiener Bevölkerung auf dem bisherigen hohen Niveau gehalten werden.

Die Stadt Wien und die Wiener Gebietskrankenkasse werden in dem offenen Brief (der auszugsweise im Folgenden abgedruckt ist) aufgefordert, von der Ärzteschaft definierte Reformmaßnahmen unverzüglich gemeinsam mit dieser einzuleiten und die dafür notwendigen finanziellen Mittel bereitzustellen.

Ein Verhandlungsgegenüber, die Wiener Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ), war nicht bereit, direkt auf den Brief zu antworten – ihre Sprecherin verwies auf die bereits getätigten Aussagen zum Thema bzw. auf die laufenden Verhandlungen.

Die zweite Angesprochene, die Obfrau der Wiener Gebietskrankenkasse, Ingrid Reischl, nutzte hingegen das Angebot der Ärzte Woche für eine öffentliche Erwiderung (siehe Stellungnahme ganz unten).

Sie betonte die Alternativlosigkeit weiterer konsequenter Reformschritte, ebenso wie ihre Bereitschaft, mit der Ärztevertretung weiter zu verhandeln.

 

Reformpartnerschaft starten

„Die Ärztekammer fordert eine Umstrukturierung des Wiener Gesundheitswesen.“

Sehr geehrte Stadträtin Wehsely, sehr geehrte Obfrau Reischl, die aktuellen Entwicklungen rund um neue Arbeitszeitmodelle in den Wiener Spitälern bedeuten nicht nur Leistungskürzungen und längere Wartezeiten in den Spitälern, sondern auch umfassende Auswirkungen auf das Kassensystem im niedergelassenen Bereich. Um die Versorgung der Wiener Bevölkerung vor den Herausforderungen des medizinischen Fortschritts, der Demografie der Bevölkerung unter Berücksichtigung von medizinischen Notwendigkeiten, der Arbeitsbelastung und Arbeitsverdichtung bei den Ärztinnen und Ärzten und anderen Gesundheitsberufen, sowie einem möglichst effizienten Ressourceneinsatz öffentlicher Mittel weiterhin im bisherigen Niveau zu garantieren, fordern die Ärztekammer für Wien und ihre beiden Kurien eine Umstrukturierung des Wiener Gesundheitswesens.

Der Vorstand der Ärztekammer für Wien fordert die Stadt Wien und die Wiener Gebietskrankenkasse auf, gemeinsam mit den niedergelassenen und angestellten Ärzten Wiens in eine Reformpartnerschaft einzusteigen, um das Wiener Gesundheitssystem für die Zukunft weiterhin solidarisch zu gestalten.

Die Umstrukturierung muss folgende Maßnahmen beinhalten:

• Reduzierung der Rettungszufahrten zu Spitälern durch Ausbau des Ärztefunkdienstes

• Stärkung der Position der Hausärzte

• Vermehrung der Kassenplanstellen, im fachärztlichen Bereich durch mehr Gruppen- und Einzelpraxen zur Entlastung der Spitalsambulanzen

• Strukturen, die ausreichend (fach-)ärztliches Personal in allen Abteilungen Wiens garantieren, um die Arbeitszeitgrenzen einzuhalten, die Arbeitsbelastung und Arbeitsverdichtung zu reduzieren, und eine qualifizierte Ausbildung von Ärztinnen und Ärzten in Ausbildung zu garantieren

• eine gesicherte Ausbildung von künftigen Ärztinnen und Ärzten, u. a. durch eine gesicherte Lehrpraxisfinanzierung

Diese Maßnahmen können nur erreicht werden, wenn die beiden Hauptverantwortlichen des Wiener Gesundheitswesens, die Stadt Wien und die Wiener Gebietskrankenkasse, diese ReformmaßnahmeAehrn gemeinsam mit der Ärzteschaft einleiten und die dafür notwendigen finanziellen Mittel bereitstellen. Nur durch eine derartige Strukturveränderung im Wiener Gesundheitswesen wird es gelingen, dass die Versorgung der Bevölkerung weiterhin solidarisch gewährleistet ist und auch für die Ärzteschaft attraktive Arbeitsbedingungen geschaffen werden.

Wir ersuchen Sie, sich gemeinsam mit dem Vorstand der Ärztekammer für Wien zu einem solidarischen, sozialen Gesundheitswesen, in dem alle Wiener Patientinnen und Patienten unabhängig von ihrer sozialen Lage rasch nach dem State of the Art der Medizin durch Wiener Ärztinnen und Ärzte versorgt werden, zu bekennen und so rasch wie möglich eine partnerschaftliche Zusammenarbeit für die Umstrukturierung des Wiener Gesundheitswesens mit uns zu starten.

 

Vorreiter in vielen Bereichen

„Es freut mich sehr, dass der Reformwille nun auch die Ärztekammer erreicht hat.“

Wir leben in einem Land, das Gesundheitsversorgung auf höchstem Niveau bietet. Ich denke, wir alle möchten, dass dieses hohe Niveau erhalten bleibt und verbessert wird. Ohne Reform ist das nicht möglich.

Aus diesem Grund arbeiten Bund, Länder und Sozialversicherung schon seit mehreren Jahren an der beschlossenen Gesundheitsreform. Die Hauptpunkte sind die Entlastung der Spitäler und die Stärkung der hausärztlichen Versorgung im Sinne der Patienten.

Die Gesundheitsreform ist in vollem Gange und ein Projekt nach dem anderen wird umgesetzt. Dass der Reformwille nun auch die Ärztekammer erreicht hat, freut mich sehr.

Betonen möchte ich, dass Wien schon jetzt in vielen Bereichen eine Vorreiterrolle einnimmt. In der Bundeshauptstadt Wien eröffnen die österreichweit ersten beiden Primärversorgungszentren. Sie sind die erste Anlaufstelle und bieten eine umfassende Gesundheitsversorgung.

Sie punkten durch ausgedehnte Öffnungszeiten auch an Tagesrandzeiten. Kürzere Wartezeiten für die Patienten und eine Entlastung der Spitalsambulanzen sind die Folge.

Zu den geforderten Kassenordinationen möchte ich sagen, dass Wien in puncto ärztlicher Versorgung sehr gut aufgestellt ist. Wir haben im bundesweiten Vergleich die höchste Ärztedichte, wobei zu sagen ist, dass es in Österreich generell eine sehr hohe Ärztedichte gibt. Wir liegen damit vor Deutschland, der Schweiz und vielen anderen europäischen Ländern.

Die gute Versorgung in Wien implizieren auch die Planungen des Regionalen Strukturplan Gesundheit, die eine optimale Versorgung sowohl durch Allgemeinmediziner als auch durch Fachärzte zeigen.

Eine Neufassung ist für 2015 vorgesehen, sodass die von der Ärztekammer angesprochenen „Strukturänderungen“ jedenfalls berücksichtigt werden.

Um in allen Bezirken dauerhaft eine gute Versorgung gewährleisten zu können, wurde unter anderem auch der mit der Ärztekammer beschlossene Strukturförderungstopf eingeführt. Damit können die Stadtentwicklung und das Wachstum einzelner Bezirke besonders berücksichtigt werden, indem Arzt- bzw. Facharztstellen in Gebieten mit starkem Bevölkerungswachstum ausgeschrieben werden.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch auf die Öffnungszeiten der niedergelassenen Ärzte hinweisen. Nach wie vor ordinieren viele Fachärzte nur an vier Tagen der Woche und die Patienten stehen oft am Freitag vor verschlossenen Türen.

Hinzu kommt, dass manche Spezialisten ihre Praxen nur für ein paar Stunden pro Woche geöffnet haben. Wir möchten das ändern, sind in diesem Punkt aber bisher am Widerstand der Ärztekammer gescheitert.

Abschließend möchte ich betonen, dass mir eine bestmögliche Versorgung ein wichtiges Anliegen ist. Ich bin daher gerne bereit, auch abseits der laufenden Verhandlungsrunden und gemeinsamen Projekte, Gespräche über eine optimale Versorgung zu führen.

Volkmar Weilguni, Ärzte Woche 17/2015

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