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© Land OÖ/Werner Dedl

Dr. Josef Pühringer
Landeshauptmann von Oberösterreich, Gesundheitsreferent, Aufsichtsratsvorsitzender der Kepler Universtitätsklinikum GmbH

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


© Helge Bauer

Prof. MMag. Dr. Gottfried Haber
Donau-Universität Krems, Vizedekan der Fakultät für Gesundheit & Medizin, Leiter des Zentrums für Management im Gesundheitswesen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


© ÄKOÖ/Laresser

Dr. Peter Niedermoser
Präsident der Ärztekammer für Oberösterreich

 

 
Gesundheitspolitik 9. Februar 2015

Groß – größer – Kepler Uniklinikum

Oberösterreichs Landeshauptmann verfolgt ehrgeizige Pläne. Infolge der Gründung einer Medizinfakultät entsteht in Linz das zweitgrößte Spital Österreichs.

Bis zum Jahr 2016 wird in Oberösterreichs Landeshauptstadt das, nach dem Wiener AKH, zweitgrößte Krankenhaus Österreichs entstehen. Als erster Schritt erfolgte vor wenigen Wochen die offizielle Gründung der „Kepler Universitätsklinikum GmbH“. In diese neue Trägergesellschaft, an der das Land 74,9 und die Stadt Linz 25,1 Prozent Anteile halten, werden das bestehende Allgemeine Krankenhaus der Stadt Linz, die Landes-Frauen- und Kinderklinik und die Landesnervenklinik Wagner Jauregg eingebracht.

Das Kepler Universitätsklinikum wird mehr als 5.000 Mitarbeiter beschäftigen und 1.825 Betten umfassen und damit deutlich größer sein als die Unikliniken in Graz und Innsbruck. Lediglich das Wiener AKH als Uniklinik der MedUni Wien bleibt mit über 2.100 Betten größenmäßig unangefochten an der Spitze. Wie dieses wird auch das Kepler Universitätsklinikum zwei Aufgaben parallel zu erfüllen haben: den medizinischen Versorgungsauftrag für die Bevölkerung sicherzustellen und gleichzeitig den Lehr- und Forschungsauftrag für die Weiterentwicklung der medizinischen Wissenschaft.

Sowohl hinsichtlich der enormen Größe als auch der Verflechtung von Zuständigkeiten und Verantwortungen stößt das Projekt nicht nur auf Zustimmung. Manche Kritiker vermuten dahinter sogar die Errichtung eines politisch motivierten Denkmals. Die verantwortlichen Träger demonstrierten hingegen mit dem Rektor der Johannes Kepler Universität Einigkeit darüber, dass es mit der neuen Uniklinik gelingen wird, „Spitzenmedizin nach Linz“ zu bringen und damit die Behandlungsqualität nachhaltig zu verbessern.

Neues Zentrum für Spitzenmedizin

„Zwischen Universität und Universitätsklinikum wurde eine eigene Governance-Struktur fixiert.“

Dr. Josef Pühringer, Landeshauptmann von Oberösterreich, Gesundheitsreferent, Aufsichtsratsvorsitzender der Kepler Universtitätsklinikum GmbH

Mit dem Kepler Universitätsklinikum entsteht aus der Bündelung der Kompetenzen von Landesfrauen- und Kinderklinik, Landesnervenklinik Wagner Jauregg und AKh Linz ein neues Zentrum für Spitzenmedizin. Ein Schwerpunktkrankenhaus wird mit zwei Sonderkrankenanstalten zusammenwachsen. Ziel und Herausforderung sind jetzt, neben der organisatorischen Zusammenführung auch eine gemeinsame Identität zu entwickeln. Das Uniklinikum wird eng mit der gespag und den Ordensspitälern zusammenarbeiten und damit die Spitalslandschaft in Oberösterreich noch attraktiver machen.

Natürlich kenne ich die Skepsis mancher gegenüber großen Einheiten, kann aber klar entgegenhalten: Das Kepler Universitätsklinikum kann sich auf Qualifikation, Engagement und Erfahrung von mehr als 5.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern stützen. Der Mensch ist in unserer Wissensgesellschaft bekanntlich der entscheidende Faktor. 5.000-faches Wissen hat daher auch weit größere Erfolgschancen. Alle drei Standorte verfügen über hoch qualifizierte Ärzte, die bereits jetzt Lehr- und Forschungsaufträge an anderen Universitäten haben und ein großes Potenzial darstellen. Sie sind wirtschaftlich gut geführt und organisatorisch bestens aufgestellt. Dazu kommt, dass eine Universitätsklinik schon aus Qualitätsgründen über eine gewisse Mindestanzahl an klinischen Lehrstühlen verfügen muss, um für Studierende und Forscher ein optimales Umfeld anbieten zu können. Die Gründung eines eigenen Universitätsklinikums war Voraussetzung für die Zustimmung des Ministeriums zur Gründung der Medizinischen Fakultät.

Eine Ausgewogenheit zwischen dem Versorgungsauftrag einerseits und den universitären Funktionen der Lehre und Forschung andererseits wird durch die enge, offene und partnerschaftliche Kooperation zwischen dem Kepler Universitätsklinikum und der Johannes Kepler Universität garantiert. Land, Stadt und Universität haben dafür mit einer eigenen Vereinbarung eine Governance-Struktur zwischen Universität und Universitätsklinikum fixiert. Damit stellen wir gemeinsam sicher, dass die hohe Qualität der Patientenversorgung unverändert gewährleistet ist.

Chancen und Risiken vorhanden

„Die Vernetzung entscheidet über medizinische Qualität und betriebswirtschaftliche Effizienz.“

Prof. MMag. Dr. Gottfried Haber, Donau-Universität Krems, Vizedekan der Fakultät für Gesundheit & Medizin, Leiter des Zentrums für Management im Gesundheitswesen

Eine Konzentration medizinischer Einheiten im Rahmen eines Universitätsklinikums ist international durchaus üblich. So können Forschung und Ausbildung in einer entsprechend großen Einheit gebündelt werden. Moderne Gesundheitssysteme basieren auf einigen wenigen größeren überregionalen Einheiten mit den Aufgaben von Trauma-Zentren, Forschungseinrichtungen und Schwerpunktkrankenhäusern sowie kleineren, dezentralen und weitergehend spezialisierten Einheiten im Rahmen der regionalen Versorgung. Bezüglich der medizinischen Qualität in der klinischen Versorgung sind die Fallzahlen meist einer der wesentlichsten Einflussfaktoren. So gesehen kann das neue Universitätsklinikum in Linz Qualitätspotenziale erschließen, die in kleinen Häusern nur schwer realisierbar sind. Auch die notwendige Interdisziplinarität kann dadurch gefördert werden.

Betriebswirtschaftlich gesehen sind derartig große Einheiten aber nicht notwendigerweise vorteilhafter als kleine Einheiten. Krankenhäuser mit mehr als 800 bis 1.000 Betten werden von der Verwaltung her in der Regel so komplex, dass durch eine aufwendige Logistik oft die Größenvorteile sogar überkompensiert werden können. Ob solche Häuser dann kostensparender arbeiten als kleinere, spezialisierte Häuser, hängt letztlich entscheidend von einer einwandfreien Gestaltung der Schnittstellen zwischen den Abteilungen ab. Kritisch wird es auch sein, die bekanntermaßen schwierige Kombination aus Forschungs- und Lehrbetrieb einerseits sowie der Aufgabe einer großen Versorgungseinrichtung andererseits unter einen Hut zu bekommen. Dies wird durch die geteilte Verantwortung von Bund und Land, aber auch durch das Zusammenführen verschiedener Organisationsstrukturen von Stadt und Land zusätzlich erschwert. Allerdings könnte die gemeinsame Neuausrichtung der Strukturen samt Implementierung neuer Krankenhausinformationssysteme und Prozesse auch den Vorteil bieten, dass durch eine grundlegende Reform bisher ungenutzte Synergiepotenziale tatsächlich abgerufen werden können. Letztlich wird die gelebte Realität über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.

Wahlfreiheit für angestellte Ärzte

„Nicht auf die Größe des Daches kommt es an, sondern darauf, was unter diesem Dach passiert.“

Dr. Peter Niedermoser Präsident der Ärztekammer für Oberösterreich

Die oberösterreichische Ärztekammer steht dem Projekt „Kepler Universitätsklinikum GmbH“ durchaus positiv gegenüber. Das ist insofern wenig überraschend, als wir ja in den vergangenen Jahren sehr aktiv in die Konzepterarbeitung und Planung des neuen Krankenhauses eingebunden waren und das Projekt von Anfang an unterstützt haben. Nichtsdestotrotz wird die Umsetzung in den kommenden Jahren eine große Herausforderung für alle Beteiligten. Es muss vor allem gelingen, drei Häuser mit drei unterschiedlichen Philosophien unter ein gemeinsames Dach zu bringen. Dafür braucht es eine klare Strategie und eine einheitliche Führungskultur. Auf die Größe des Daches kommt es da letztendlich nicht an, sondern alleine darauf, was unter diesem Dach passiert – nämlich eine Fokussierung hoch spezialisierter Kompetenz in unserem Bundesland, um das internationale Know-how und den neuesten Stand der medizinischen Wissenschaft weiterhin allen Patientinnen und Patienten in Oberösterreich verfügbar zu machen.

Dieser Weg einer Bündelung der Kräfte ist für Oberösterreich keineswegs neu, er erreicht mit dem Universitätsklinikum nur eine andere Dimension. Schon bisher gab es ein klares Bestreben aller Verantwortlichen, die Kooperation zwischen den verschiedenen Krankenhäusern und auch den Betreibern, der gespag, dem AKh und den Ordensspitälern, zu pflegen und zu verdichten, um deren gemeinsames Potenzial nutzbar zu machen. Ein wichtiger Punkt in den Verhandlungen für uns als Ärztekammer war es, sicherzustellen, dass die derzeit bereits in den drei Häusern angestellten Ärzte im Zuge der Zusammenlegung die Wahlmöglichkeit haben, ob sie in ihrem Schema bleiben oder in das neue Uniklinik-Schema wechseln wollen. Wer sich wie bisher ausschließlich um die Patientenversorgung kümmern will, der kann das auch weiterhin tun, ohne gezwungen zu sein zu unterrichten oder wissenschaftlich zu arbeiten. Wer aber wechseln will, der kann das selbstverständlich auch tun. Junge Kollegen hingegen, die neu aufgenommen werden, müssen in das Uniklinik-Schema mit seinem Versorgungs- und Forschungsauftrag.

Volkmar Weilguni, Ärzte Woche 7/2015

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