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Kurz vor der Einführung der e-card …
 
Gesundheitspolitik 5. Dezember 2014

Jubiläum einer modernen Administration

Vor genau zehn Jahren wurde in einer burgenländischen Arztpraxis die allererste e-card gesteckt. Heute ist sie als nützlicher „Schlüssel“ zum Gesundheitssystem unumstritten. Das war nicht immer so.

Anlässlich der Jubiläumsfeier „10 Jahre e-card in Österreich“ wurden dem prominent besetzten Auditorium nicht nur die Meilensteine der e-card-Geschichte in Erinnerung gerufen, sondern auch so mancher Vergleich zwischen der damaligen und der gegenwärtigen Situation zum ELGA-Start gezogen. Parallelen waren dabei durchaus zu entdecken.

Am 15. Dezember 2004 fand in der Ordination von Dr. Milan Kornfeld in Trausdorf, Burgenland, die erste Online-Abfrage im neuen e-card-System statt. Zehn Jahre später wurden mehr als eine Milliarde Patientenkontakte damit abgewickelt. Aus der ursprünglichen Skepsis, vor allem seitens der niedergelassenen Ärzte, ist also durchaus so etwas wie eine „Erfolgsstory“ geworden. Peter McDonald, neuer Vorsitzender jenes Hauptverbandes, der die e-card initiiert, entwickelt und etabliert hat, bezeichnete diese deshalb in seiner Laudatio als ein „Symbol für ein modernes Gesundheitssystem“. Die e-card sei nichts anderes als ein „nützlicher Schlüssel zu einem Gesundheitswesen, wo nach wie vor der Arzt autonom über die Behandlung der Patienten entscheidet“.

Die Vorarbeiten zum erstmaligen Einsatz der „Privat Card“, wie die e-card ursprünglich einmal heißen sollte, waren lang und keineswegs so friktionsfrei, wie das aus heutigem Blickwinkel vielleicht erscheinen mag. Basis für einen entsprechenden Nationalratsbeschluss im Jahr 1996 bildeten Feldversuche, die bis Anfang 1993 zurückreichten. Ursprünglich sollte das System bereits im Jahr 2000 flächendeckend eingesetzt werden. Dieser Termin verzögerte sich allerdings mehrmals. Unter anderem kam es zu Turbulenzen zwischen den Projektpartnern inklusive Auftragsentzug und -neuvergabe, was die ursprünglich kalkulierten Projektkosten erheblich steigen ließ. Zudem erforderten Einwände und Proteste der Ärztevertretung zähe Verhandlungen, die sich eben bis Oktober 2004 hinzogen, ehe schließlich doch eine Einigung für einen Gesamtvertrag gelang.

Heute sei die Zufriedenheit mit der e-card jedenfalls sowohl unter Patienten als auch unter den Ärzten groß, ist McDonald überzeugt, die Karte aus dem modernen Gesundheitswesen nicht mehr wegzudenken. „Eine Umfrage hat uns bestätigt, dass 97 Prozent der Patientinnen und Patienten mit dem e-card-System sehr zufrieden oder zufrieden sind. Aber auch in der überwiegenden Zahl der Ordinationen wird sie inzwischen als ein positives Tool wahrgenommen, das wesentlich zur Entbürokratisierung des Praxisalltags beiträgt.“

Ein Grund dafür sind wohl die zahlreichen Zusatzfunktionen, die im Laufe der Zeit die e-card-Anwendungen deutlich erweiterten und die Karte über ihre ursprüngliche Konzeption als bloßer Krankenschein-Ersatz weit hinausgehoben hat. Schritt für Schritt wurden dadurch Papierprozesse durch elektronische Lösungen ersetzt, die für die Gesundheitsanbieter administrative Erleichterungen bringen.

Das Rezept läuft, nicht der Patient

Als Erste dieser Zusatzfunktionen wurde unter dem Motto „Das Rezept läuft, nicht der Patient!“ der Arzneimittel-Bewilligungs-Service, kurz ABS, in das e-card-System integriert. Seit 2008 wurden darüber knapp 12 Millionen Anträge abgewickelt, die durchschnittliche Antwortzeit des chefärztlichen Dienstes liegt heute laut Auskunft des Hauptverbandes bei fünf Minuten. Die meisten ABS-Anträge werden von Hausärzten gestellt, gefolgt von den Fachärzten.

Weitere Funktionserweiterungen folgten, unter anderem die „Elektronische Arbeitsunfähigkeitsmeldung“ (eAUM) – mehr als 90 Prozent aller Krank- und Gesundmeldungen werden darüber inzwischen elektronisch abgewickelt – oder die „Präoperative Befundung“ (PROP“). PROP steht seit Mai dieses Jahres allen niedergelassenen Ärzten als ein sozialversicherungs-unabhängiges Expertensystem bundesweit zur Verfügung. Damit können berechtigte Ärzte im Rahmen der Vorbereitung auf eine geplante Operation relevante Anamnesedaten erfassen und damit eine Untersuchungsliste für die präoperative Abklärung ermitteln. Inzwischen nutzen jeden Monat rund 2.000 Ärzte und Spitäler diesen Service.

Mit Oktober 2014 startete die nächste e-card-Generation. 9,3 Millionen personalisierte Chipkarten werden von der Firma Austria Card an die österreichischen Versicherten ausgeliefert. Auch auf dieser neuen Generation der e-card kann die Bürgerkartenfunktion aktiviert werden. Damit wird die Karte zukünftig auch zum Schlüssel zum ELGA-Bürgerportal, das seit Jänner 2014 in Betrieb ist. Mit der Bürgerkarte oder der Handy-Signatur können sich Bürger in das Portal einloggen und ihre Teilnehmerrechte wahrnehmen, sich zum Beispiel abmelden oder auch wieder anmelden. Mit der nächsten Ausbaustufe des Portals wird es dann auch möglich sein, die eigenen Gesundheitsdaten selbst zu verwalten.

Stimmen zum Jubiläum

Dr. Sabine Oberhauser, Gesundheitsministerin: „Ich war bei der Einführung der e-card noch Kammerfunktionärin in der Wiener Ärztekammer. In dieser Funktion kann ich mich an durchaus hitzige Debatten erinnern, die wir in den Gremien damals geführt haben. Als Gesundheitspolitikerin erlebe ich die e-card heute als große Erfolgsgeschichte. Sie ermöglicht allen einen barrierefreien Zugang zum Gesundheitssystem.“

Dr. Josef Probst, Generaldirektor des Hauptverbandes: „Die e-card hat nicht nur uns moderner gemacht, sondern ganz Österreich. Das Land ist damit zum Vorreiter geworden. Zehn Jahre e-card stehen auch für einen Weg, der bei der Verbesserung der Administration begonnen hat und zu einem wirklichen Mehrwert und Nutzen für die Patienten führen soll. Wir müssen zukünftig nicht nur Funktionen verbessern, sondern Visionen entwickeln.“

Dr. Johannes Steinhart, Vizepräsident und Kurienobmann niedergelassene Ärzte in der ÖÄK: „Die Umsetzung der e-card war damals für die Ärzte eine große Herausforderung, enorm aufwendig, auch finanziell. Die Ärzte haben dafür bis heute 85 Millionen investiert. Es hat sich aber gut eingespielt. Für uns wäre die Integration eines Fotos ein Anliegen, auch an den Funktionalitäten könnte man durchaus arbeiten. Dazu hätten wir schon noch Verbesserungsvorschläge.“

Mag. Ingrid Reischl, Obfrau der Wiener Gebietskrankenkasse: „Die e-card ist heute neben der Bankomatkarte die wichtigste Karte in unserer Geldbörse: Sie ist Wegweiser und Schrittmacher für viele positive Entwicklungen. Als nächsten Schritt planen wir eine Verbesserung der Kommunikation zwischen Verwaltung und Bürgern, eine Art Online-Filiale der Sozialversicherung. Dort werden wir in Zukunft viele Behördenwege erledigen können.“

Franz Bittner, Patientenombudsmann: „Die e-card hat vieles verbessert, aber nicht alles. Was nützt es zum Beispiel, wenn der Zugang zum Facharzt erleichtert wird, wenn man dann monatelang auf einen Termin warten muss? Trotzdem glaube ich, dass heute kein Arzt das e-card-System mehr aufgeben würde. Und das wird in 15 Jahren mit ELGA genau so sein. Was die Verantwortung betrifft, muss man aber mit den Ärzten sehr sorgsam umgehen, da ist ELGA den Ärzten noch einiges schuldig.“

Volkmar Weilguni, Ärzte Woche 50/2014

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