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Prof. Dr. Hellmut Samonigg Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (OeGHO), ExpertInnen-Initiative „DON’T SMOKE“ 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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Dr. Dagmar Belakowitsch-Jenewein Abgeordnete zum Nationalrat, Gesundheitssprecherin der FPÖ

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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Prof. Dr. Manfred Neuberger Institut für Umwelthygiene der MedUni Wien, Initiative „Ärzte gegen Raucherschäden“

 
Gesundheitspolitik 24. Oktober 2014

Ärzteinitiative – DON’T SMOKE!

Die „ExpertInnen-Initiative“ will mit ihren zahlreichen Kooperationspartnern und Sympathisanten so lange für rauchfreie Gastzimmer und einen verstärkten Jugendschutz kämpfen, bis die Politik nachgibt.

Österreichs an Diagnose und Therapie von Raucherkrankheiten meistbeteiligte Fachärzte sowie Umweltmediziner, Ärzte- und Apothekerkammer starteten vor Kurzem die „ExpertInnen-Initiative – DON’T SMOKE!“. Eine zentrale Forderung ist der umfassende Nichtraucherschutz in Räumlichkeiten, die auch von Nichtrauchern benutzt werden. Damit wendet sich die Initiative dezidiert gegen die derzeit geltende „österreichische Lösung“ in der Gastronomie, die als „fauler Kompromiss“ gesehen wird. Dieses Anliegen deckt sich mit den, bisher allerdings wenig erfolgreichen, politischen Bemühungen.

Weitere Forderungen der Initiative der österreichischen Onkologen, Kardiologen, Angiologen, Kinderfachärzte, Pneumologen, Arbeitsmediziner, Diabetologen, der Ärzte- und Apothekerkammer sowie der „Ärzte gegen Raucherschäden“: ein verbesserter Jugendschutz mit Erhöhung der Altersgrenze auf 18 Jahre für Konsum und Kauf von Tabakwaren, eine Erhöhung und Zweckbindung der Tabaksteuer sowie finanzielle Unterstützung für Betriebe, die von Schutzmaßnahmen betroffen sind. Die Kampagne, inklusive Online-Petition (auf www.dontsmoke.at), will so lange Druck machen, bis die Ziele erreicht sind.

Am lautesten gegen ein strengeres Rauchverbot wehrt sich bisher die Gastronomie. Allerdings war man in der österreichischen Wirtschaftskammer trotz mehrmaliger Einladung der Ärzte Woche nicht bereit, die eigene Position darzustellen. Die Kammer verweist in einer schriftlichen Stellungnahme lediglich auf die derzeitige Gesetzeslage und sieht in der Causa „keinen Diskussionsbedarf“.

Gemeinsam etwas verändern

„Wir müssen handeln.“

Prof. Dr. Hellmut Samonigg Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (OeGHO), ExpertInnen-Initiative „DON’T SMOKE“

Rauchen ist gesundheitsschädlich. Das ist bekannt – und dessen sind wir Onkologen uns besonders bewusst. Wie dramatisch die Entwicklung ist, hatten aber selbst viele Kollegen nicht präsent. Jede Stunde stirbt in Österreich ein Mensch an den Folgen des Aktivrauchens, jede achte Stunde jemand an den Folgen des Passivrauchens; dies nicht nur infolge diverser Krebserkrankungen, sondern insbesondere auch aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und chronischen Lungenerkrankungen. Diese Fakten waren die Triebfeder für uns innerhalb der OeGHO, die ExpertInnen-Initiative „DON’T SMOKE“ ins Leben zu rufen.

Im Schnitt werden 18,3 Zigaretten pro Tag geraucht. Nur in Griechenland und Zypern wird öfter zur Zigarette oder Zigarre gegriffen. Der österreichische Wert ist seit der letzten Erhebung 2009 sogar noch gestiegen. Doch das Bestürzendste: Mehr als die Hälfte aller Jugendlichen greift regelmäßig zum Glimmstängel. Das Einstiegsalter ist außerordentlich niedrig.

Um dem Einhalt zu gebieten, wollen wir mit der breit angelegten Bewusstseinsbildungskampagne „DON’T SMOKE“ ein Umdenken bewirken. Erfreulicherweise konnten wir eine Reihe weiterer Fachgesellschaften sowie die Österreichische Ärztekammer und die Österreichische Apothekerkammer als Mitstreiter gewinnen, zahlreiche Prominente sowie vor allem Tausende Unterstützer aus der Bevölkerung.

Konkret haben wir uns zum Ziel gesetzt, auf der Basis medizinischer Kompetenz ein Zeichen zu setzen, um die österreichische Gesetzeslage nachhaltig zu verändern. Wir fordern einen umfassenden Nichtraucherschutz, einen besseren Jugendschutz, einen besseren Raucherschutz, die Unterstützung der Betriebe, die von den umfassenden Nichtraucher- und Raucherschutzmaßnahmen betroffen sind, sowie die Umsetzung des bereits 2005 unterzeichneten WHO-Rahmenübereinkommens zur Tabakkontrolle.

Dazu informieren wir, sammeln Unterstützungserklärungen, setzen einen Diskussionsprozess in den Medien, in Foren, auf Twitter und in Facebook in Gang und wenden uns auch direkt an die politischen Entscheidungsträger. Und zwar so lange, bis nachhaltige Veränderungen Platz greifen.

Wahlfreiheit für Erwachsene

„Oberhausers Forderung nach totalem Rauchverbot ist ein Ablenkungsmanöver.“

Dr. Dagmar Belakowitsch-Jenewein Abgeordnete zum Nationalrat, Gesundheitssprecherin der FPÖ

Immer wenn ein neuer roter Gesundheitsminister das Ruder in der Radetzkystraße politisch übernimmt, kommt der bereits erwartete Einheitssager zum totalen Rauchverbot. Sabine Oberhauser hat diesen Reflex nun wieder eins zu eins wiederholt und gesagt: „Ich möchte das totale Rauchverbot in der heimischen Gastronomie einführen.“ Dabei ist dies noch immer ein Ablenkungsmanöver gewesen, das trifft auch dieses Mal wieder zu. Baustellen hätte die neue Ministerin genug, die reichen von ELGA über die Brustkrebsvorsorge und das missglückte Projekt Gratiszahnspange bis hin zur aktuellen Herausforderung durch die Ebola-Seuche.

Jedem Raucher – und auch mir als Vorsitzende des parlamentarischen Gesundheitsausschusses – ist die Schädlichkeit des Rauchens für den menschlichen Organismus natürlich bekannt. Dies bedeutet aber keineswegs, dass ich in den SPÖ-Chor für ein totales Rauchverbot einstimme.

Wo man etwas tun muss, ist der Jugendschutz beim Zugang zu Tabak und anderen Genussmitteln, die gesundheitsschädlich sind. Hier muss streng kontrolliert werden, damit nicht Kinder und Jugendliche einen Zugang zu diesen Substanzen erhalten. Für Erwachsene sollte eigentlich in einem modernen Staat des 21. Jahrhunderts Wahlfreiheit herrschen, wo Gastronomen und Konsumenten selbst entscheiden können, ob sie ein Raucherlokal betreiben beziehungsweise ein solches als Gast besuchen oder nicht. Österreich hat sich in den letzten Jahren eine – von SPÖ und ÖVP unterstützte – Regelung gegeben, die eine räumliche Trennung von Raucher- und Nichtraucherbereich vorsieht. Für diese Umbauten haben die österreichischen Gastronomen mehr als 100 Millionen Euro in die Hand genommen. Das jetzt einfach zu negieren und gesundheitspolitische Investitionen eines ganzen Wirtschaftssektors mit einem Totalverbot zu enteignen, ist ein falsches Signal im Gesundheitsschutz. Wenn Oberhauser etwas tun möchte, dann soll sie sich endlich dafür einsetzen, dass die Tabaksteuereinnahmen von 1,7 Milliarden Euro dem Gesundheitswesen zugutekommen und nicht nur ein Promille davon direkt der Gesundheitspolitik gewidmet wird.

Rückstand auf internationale Standards

„WHO-Rahmenübereinkommen muss endlich umgesetzt werden.“

Prof. Dr. Manfred Neuberger Institut für Umwelthygiene der MedUni Wien, Initiative „Ärzte gegen Raucherschäden“

Auf Initiative österreichischer Onkologen haben Ärzte beschlossen, Politiker laufend darüber zu informieren, für wie viele Herzinfarkte, Schlaganfälle, Lungenleiden sowie auch Erkrankungen und Todesfälle von Kindern sie verantwortlich sind, wenn sie die dringend notwendige Novellierung des Tabakgesetzes weiter verzögern. Kinderärzte unterstützen die auf www.dontsmoke.at genannte Forderung nach einem umfassenden Nichtraucherschutz und verlangen für Ungeborene, Kinder und Jugendliche ein Rauchverbot in Innenräumen, einschließlich Autos. In westlichen Ländern, die konsequente und ausnahmslose Rauchverbote in allen Gaststätten einführten, sanken binnen eines Jahres die Frühgeburten und die Spitalsaufnahmen von Kindern wegen Asthma um je 10 Prozent.

Durch das Rauchverbot in der Gastronomie wurde Rauch als Luftverschmutzung bewusst wahrgenommen, sodass auch zu Hause in Gegenwart von Kindern weniger geraucht wurde. Damit sank das Risiko eines plötzlichen Säuglingstodes, einer Lungenentzündung und anderer lebensgefährlicher Erkrankungen von Kindern. Rauchfreie Lokale erschweren die Verführung Jugendlicher zum Aktivrauchen.

Außerdem wird für einen besseren Jugendschutz die Erhöhung der Altersgrenze auf 18 Jahre für den Kauf und den Konsum von Tabakwaren gefordert und eine Beschränkung der Abgabe auf konzessionierte Verkaufsstellen. Der Einstieg in die Nikotinsucht müsste durch eine Erhöhung der Tabaksteuer erschwert werden. Aus Mitteln der Tabaksteuer sollen Präventionsprogramme und Entwöhnungsprojekte für Jugendliche finanziert werden. Weiters wird gefordert, dass Österreich seinen Rückstand auf internationale Standards aufholt und das 2005 ratifizierte WHO-Rahmenübereinkommen zur Tabakkontrolle endlich umsetzt. Österreich gibt zwar pro Kind relativ viel aus, hat diese Mittel aber laut OECD bisher schlecht eingesetzt, sodass soziale Unterschiede bestehen blieben und wir in Europa beim Rauchen der 15-Jährigen einen traurigen Spitzenplatz einnehmen. Sämtliche Fakten und Zahlen dazu finden sich auf www.aerzteinitiative.at.

Volkmar Weilguni, Ärzte Woche 44/2014

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