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© OBGAM/Cityfoto Mayr
Dr. Erwin Rebhandl OBGAM-Vorstand
 
Gesundheitspolitik 16. Juni 2014

„Jeder spricht davon, dass man dem Patienten mehr Zeit widmen soll“

Der Leistungskatalog muss dringend überarbeitet werden.

Ohne Straffung, Anpassung an die Bedürfnisse der Bevölkerung und Vereinfachung des Leistungskatalogs ist der Job des Hausarztes nicht mehr attraktiv, sagt Erwin Rebhandl, OBGAM-Vorstand und Lehrbeauftragter für Allgemeinmedizin an der Universität Wien, im Interview mit der Ärzte Woche.

Warum ist der Leistungskatalog veraltet?

Rebhandl: In den 33 Jahren, die ich in der Praxis verbracht habe, hat sich der Kassenvertrag mit seinen rund 1.400 Leistungspositionen in der Grundstruktur kaum verändert. Es geht uns nicht vorrangig ums Geld, auch wenn viele Einzelleistungen betriebswirtschaftlich nicht korrekt kalkuliert sind. Fairerweise muss ich sagen, dass in den vergangenen Jahren in Oberösterreich einige bedeutsame Leistungen in den Katalog aufgenommen wurden, wie etwa die Spirometrie, die Langzeitblutdruckmessung und das Disease-Management-Programm „Therapie aktiv – Diabetes im Griff“ für chronisch Kranke.

Welche Leistungen sollten zum Beispiel aus dem Katalog herausgenommen werden?

Rebhandl: Goldkuren bei chronischer Polyarthritis, Magenaushebung, manuelle Plazentalösung oder die Zangengeburt sind solche Punkte. Auch ob es sinnvoll ist, unfallchirurgische Maßnahmen wie die Einrichtung des Nasenbeins bei einer Fraktur oder Allgemeinnarkosen beim Allgemeinmediziner durchzuführen, sei dahingestellt.

Welche Leistungen wären sinnvoll, werden aber nicht bezahlt?

Rebhandl: Etwa die ABI-Messung für die Durchblutung, oszillometrisch oder mit der Doppler Sonde, die präoperative Untersuchung oder die Naht- und Klammerentfernung nach Operationen. Jeder spricht davon, dass man dem Patienten mehr Zeit widmen soll. Derzeit liegt das Honorar für ein ärztliches Gespräch aber nur bei zwölf Euro in Oberösterreich.

Welche Leistungen sollen die Kassen in den Vertrag aufnehmen?

Rebhandl: Untersuchungen, wie etwa die D-Dimer-Bestimmung. Der CRP-Test und die Streptokokkenuntersuchung für Erwachsene würden helfen, den unnötigen Einsatz von Antibiotika zu verringern. Auch die Troponin-Bestimmung zur Ausschlussdiagnostik von akuten und subakuten Herzinfarkten sowie die Bestimmung des Kaliumwertes wären wichtig.

Wie soll die Bezahlung sein?

Rebhandl: Wir wünschen uns eine Pauschale für die Grundbetreuung, in der häufige und wenig aufwändige Leistungen inkludiert sind. Dies würde die Abrechnung-Administration erleichtern. Seltene und aufwendige Einzelleistungen müssen entsprechend abgegolten werden. Außerdem sollte es möglich sein, sich auf einen gut strukturierten und transparenten Leistungskatalog – gültig für alle Bundesländer – zu einigen.

Das Gespräch führte Mag. Christine Radmayr.

C. Radmayr, Ärzte Woche 25/2014

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