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Bis zu fünf Liter Energy-Drinks – meist gemischt mit Alkohol – konsumieren Discobesucherinnen und -besucher, um die Nacht lang durchzutanzen.
 
Gesundheitspolitik 6. Mai 2014

Mit viel Energie zum Gesundheitsrisiko

Vor Kurzem wurde eine Studie über Vieltrinker von Energy-Drinks veröffentlicht.

Viele Besucher von Diskotheken, Musikveranstaltungen und LAN-Partys sowie Sportler konsumieren bekanntlich gerne Energy-Drinks. In manchen Fällen werden fünf Liter innerhalb von 24 Stunden getrunken, wie eine Studie des Bundesinstituts für Risikobewertung ergab. Dies stellt ein gesundheitliches Risiko dar, insbesondere für koffeinempfindliche Personen. Die Verbraucherhinweise, die sich auf den Verpackungen finden, werden häufig nicht beachtet.

Aludosen erfreuen sich heute großer Beliebtheit. Allein Red Bull verkauft mehr als fünf Milliarden Dosen pro Jahr, hinzu kommen noch zahlreiche weitere Getränke (Bier, Softdrinks, andere Energydrinks, etc.), die häufig in Dosen abgefüllt werden. Die Umweltbelastung und -zerstörung durch Bauxit- und Aluminiumgewinnung und Aludosenproduktion ist den meisten Menschen dabei egal. „Auch das Problembewusstsein hinsichtlich der möglichen Gesundheitsrisiken (beispielsweise Herzrhythmusstörungen) durch exzessiven Verzehr von Energy-Drinks, insbesondere im Zusammenhang mit intensivem Sport oder dem Genuss von Alkohol, ist bei den Konsumenten nur gering ausgeprägt“, weiß das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung.

Alltäglicher Muntermacher

Unter jungen Menschen ist es durchaus üblich, in der Arbeit oder beim Tanzen etliche Energy-Drinks zu trinken. Im Vergleich dazu empfiehlt die AGES (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit), „Jugendliche … sollten grundsätzlich nicht mehr als zwei Dosen (250 ml) pro Tag konsumieren.“ Auch knapp zehn Prozent der österreichischen Volksschulkinder konsumieren „Energiegetränke“, wie eine EU-weite Untersuchung zeigte. Die offizielle Empfehlung der AGES lautet hingegen: „Kinder, Schwangere und Stillende sowie Koffein-sensitive Personen sollten den Konsum von Energy Drinks vermeiden bzw. möglichst gering halten“. Weiters heißt es auf der AGES-Website: „… kann der Konsum größerer Mengen von Energy Drinks bei gleichzeitiger intensiver sportlicher Betätigung zu unerwünschten Wirkungen führen.“

Ähnlich äußert sich das Bundesinstitut für Risikobewertung BfR: „Grundsätzlich sollten Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Kinder und Schwangere auf Energy-Drinks verzichten. Zudem sind beim Verzehr von Energy-Drinks im Zusammenhang mit ausgiebiger sportlicher Betätigung oder mit dem Genuss von alkoholischen Getränken unerwünschte Wirkungen auf die Gesundheit möglich.“ Auf EU-Ebene müssen seit einigen Jahren auf Energy-Drinks Warnhinweise angebracht werden, die sich auf Kinder, Schwangere und Stillende beziehen.

Befragung über Konsumgewohnheiten

Durch die neue BfR-Studie „Anlassbezogene Befragung von Hochverzehrern von Energy-Drinks“ liegen nun erstmals Daten vor, die auch das Gesundheitsrisiko erhöhende Faktoren wie Schlafentzug, körperliche Anstrengung und Alkohol erfassen. „Die Daten sind wichtig, um für die Risikobewertung verlässlichere Aussagen zum Trinkverhalten und somit zur Koffein-Aufnahme zu treffen und damit eine realistischere Expositionsschätzung vornehmen zu können“, so das BfR.

Für die Studie wurden sogenannte Hochverzehrer von Energy-Drinks befragt, definiert als Personen, die zum Zeitpunkt des Interviews bereits mehr als einen halben Liter an Energy-Drinks innerhalb von 24 Stunden zu sich genommen hatten. Insgesamt wurden im Herbst 2012 508 Besucher von Diskotheken, Clubs und Musikfestivals sowie Teilnehmer an Sportveranstaltungen und LAN-Partys/Gaming-Partys interviewt. Die Ergebnisse wurden Anfang dieses Jahres veröffentlicht.

Wachbleiben als Motivation

Dabei erwiesen sich vor allem Männer im Alter zwischen 20 und 25 Jahren als Vieltrinker von Energy-Drinks. Bei Sportveranstaltungen und LAN-Partys betrug der Anteil männlicher Konsumenten sogar fast 90 Prozent. Im Schnitt konsumierten die Befragten beim Tanzen ungefähr einen Liter Energy-Drink gemischt mit alkoholischen Getränken. „Vor allem auf LAN-Partys mit langen Wachzeiten der Teilnehmer von bis zu zwei Tagen und zwei Nächten werden erhebliche Mengen an Energy-Drinks getrunken“, berichtet das BfR. „In einigen Fällen wurden innerhalb von 24 Stunden bis zu fünf Liter Energy-Drinks mit Alkohol konsumiert“. Auch in Diskotheken/Clubs und auf Musikfestivals wurden zum Teil extreme Mengen getrunken – innerhalb von 24 Stunden bis zu vier Liter Energy-Drinks in Kombination mit Alkohol.

Generell ist der Genuss von Energy-Drinks in Kombination mit alkoholischen Getränken, insbesondere mit Wodka, weit verbreitet.

Nebenwirkungen

Die Befragung ergab weiters, dass die auf Sportveranstaltungen Befragten im Durchschnitt mehr als einen Liter Energy-Drinks in einem Zeitraum von 24 Stunden getrunken hatten, in einigen Fällen auch mehr als drei Liter. Allerdings wurden hier die Energy-Drinks nicht mit Alkohol gemischt. „Doch im Zusammenhang mit ausgiebiger sportlicher Betätigung kann auch dieses Konsumverhalten gesundheitliche Risiken bergen“, betont das Deutsche Bundesinstitut für Risikoforschung.

„Generell kann man sagen, dass unerwünschte gesundheitliche Wirkungen von Energy-Drinks insbesondere möglich sind, wenn man sehr viel davon trinkt, sie mit Alkohol vermischt, wenig schläft oder sich körperlich anstrengt“, so das BfR. Bei Personen, auf die das zutrifft, ist das Problembewusstsein freilich gering.

Die Getränke wurden von den in der BfR-Studie Befragten jedoch nicht als völlig unproblematisch betrachtet – so stimmten zum Beispiel lediglich vier Prozent der Sportler dem Statement „Energy-Drinks und -Shots können je nach Menge gesundheitliche Beeinträchtigungen mit sich bringen“ „ganz und gar nicht zu“. Bei den Gamern waren es allerdings satte 43 Prozent.

Was den individuellen Konsum betrifft, war die Zustimmung zum Statement „Energy-Drinks kann ich bedenkenlos zu mir nehmen“ generell hoch.

Hinweis auf unerwünschte Wirkungen empfohlen

Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt, auf den Energy-Drinks auch auf mögliche unerwünschte Wirkungen im Zusammenhang mit ausgiebiger sportlicher Betätigung oder Alkoholkonsum hinzuweisen. Allerdings zeigte die durchgeführte Studie, dass zumindest von den Vieltrinkern Hinweise auf den Verpackungen wenig beachtet werden.

Die Studie „Anlassbezogene Befragung von Hochverzehrern von Energy-Drinks“ kann von der BfR-Internetseite http://www.bfr.bund.de/de/ bfr_wissenschaft_2013.html heruntergeladen werden.

P. Wallner, Ärzte Woche 19/2014

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