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DI Herlinde Toth, E-Health-Koordinatorin der Stadt Wien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Prof. Dr. Thomas Szekeres, Präsident der Ärztekammer für Wien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Dr. Sigrid Pilz, Wiener Pflege- und PatientInnenanwältin

 
Gesundheitspolitik 24. Februar 2014

Standpunkte: Gefahren durch unzureichende EDV-Ausstattung?

Der Stadt-Rechnungshof kritisiert EDV-Systeme in Wiener Spitälern und sieht darin auch Risiken bezüglich Behandlungsqualität und Datensicherheit.

Der Wiener Stadt-Rechnungshof untersuchte stichprobenartig SMZ Ost/Donauspital, Wilhelminenspital und Rudolfstiftung. Dabei wurde festgestellt, dass die EDV-Systeme zur Patientendokumentation nicht überall vollständig implementiert oder anwendbar waren. Dadurch erfolgen diverse Aufzeichnungen wie etwa Anamnese oder Pflegedokumentation händisch. Die nachträgliche Digitalisierung erfolgte dann nur teilweise, wodurch bei der Behandlung in anderen Krankenhäusern „wichtige Daten nicht zur Verfügung standen“. Die Prüfer orteten zudem unzureichenden „Schutz von Gesundheitsdaten vor Verlust, Zerstörung und unbefugtem Zugriff“. Zudem sei das angestrebte Ziel, durch elektronische Systeme das Arzt- und Pflegepersonal zu entlasten, nicht erreicht worden, weil die Mitarbeiter aufgrund der Zusammenführung diverser Computerprogramme mit hohen Anforderungen in Sachen Bedienbarkeit konfrontiert sind. Laut Stellungnahme will der KAV nun die Kompatibilität der einzelnen elektronischen Schnittstellen erhöhen und die umgehende Digitalisierung von Hand erstellter Dokumente vorantreiben.

Das an der Universitätsklinik für Blutgruppenserologie und Transfusionsmedizin am Wiener AKH eingesetzte EDV-System wird von den Stadt-Rechnungshofprüfern als völlig „unzureichend“ bezeichnet: „Die implementierten EDV-Applikationen waren vollkommen veraltet und deckten bereichsspezifische Prozesse nicht ausreichend ab.“ Einzelne Funktionalitäten würden überhaupt fehlen. Das AKH verwies in einer Reaktion darauf, dass bereits im August 2013 eine neue Software beauftragt wurde.

Elektronische Patientenakte vervollständigen

„Umfassende Unterstützung aller Berufsgruppen für Diagnostik, Therapie und Pflege.“

DI Herlinde Toth, E-Health-Koordinatorin der Stadt Wien

Der Bericht des Stadtrechnungshofs bestätigt den bereits eingeschlagenen Weg des Wiener Krankenanstaltenverbundes. Die längst begonnene Umsetzung der interdisziplinären, interprofessionellen, multimedialen elektronischen Patientenakte umfasst mittlerweile bereits über 196 Millionen Dokumente. Sie unterstützt nicht nur die Krankenanstaltengesetz-konforme Archivierung, sondern vor allem auch sämtliche Formen der abteilungsübergreifenden patientenbezogenen Kommunikation. Neben dem Patientenbrief als einer der wesentlichen Informationsquellen für den nachbehandelnden niedergelassenen Bereich umfasst die elektronische Patientenakte zudem sämtliche Labor-, Röntgen- und Pathologiebefunde sowie zahlreiche Spezialbefunde der verschiedenen Fachbereiche, wie zum Beispiel Befunde von Herzkatheteruntersuchungen oder Dialysebefunde. Auch Befunde und Bilder von Untersuchungen, die im niedergelassenen Bereich durchgeführt wurden, werden auf Wunsch des Patienten voll automatisiert in die elektronische Patientenakte übernommen und dort verwaltet.

Im Zuge des laufenden Erneuerungsvorhabens „impuls.kis“ werden viele zusätzliche Informationen, zum Beispiel die Ambulanzkarte, elektronisch erfasst und die elektronische Patientenakte vervollständigt. Dieses multiprofessionelle technische Werkzeug ermöglicht sowohl eine Vereinheitlichung von Arbeitsabläufen als auch eine einheitliche Dokumentation und Information aller Berufsgruppen innerhalb des Wiener Krankenanstaltenverbundes. Damit können im Laufe der Zeit auch gewachsene, nicht integrierbare Dokumentationssysteme abgelöst werden.

Medizintechnische Geräte, die über keine oder nur unzureichende Schnittstellen verfügen, werden nicht integriert, sondern schrittweise durch standardisierte, integrierbare Produkte ersetzt. Dadurch wird die elektronische Patientenakte neben den heute schon darin vorhandenen radiologischen Bildern schrittweise um weitere Inhalte aus der digitalen Medizintechnik erweitert und bietet damit eine umfassende Unterstützung aller Berufsgruppen für Diagnostik, Therapie und Pflege.

Gewährleistung der Datensicherheit

„Die Anwenderfreundlichkeit des elektronischen Systems ist besonders wichtig.“

Prof. Dr. Thomas Szekeres, Präsident der Ärztekammer für Wien

Die Hauptprobleme für viele Ärztinnen und Ärzte sind Administration und Zeit, welche man am Computer verbringen muss, anstatt den Patienten zu betreuen. Bei der Verfügbarkeit medizinischer Daten ist daher für die Ärzteschaft die Anwenderfreundlichkeit des Systems besonders wichtig, damit sie die Daten sinnvoll nutzen können und einen raschen Überblick über die wichtigsten Befunde und Medikamente erhalten, die ihre Patienten zu sich nehmen. Außerdem muss gewährleistet sein, dass die Daten gut strukturiert und in einem standardisierten Format bereitgestellt werden. Mediziner müssen sich auf ein System verlassen können, in dem man nicht lange herumsuchen muss, um die gewünschten Daten einsehen zu können.

Bei vielen EDV-Systemen ist aber zu bedenken, dass die gespeicherten Daten für die Behandlung der Patienten nicht immer aussagekräftig sein müssen. Ein Befund kann längst nicht mehr aktuell sein, und selbst wenn ein Medikament im Akt des Patienten als verordnet aufscheint, heißt es noch lange nicht, dass er es auch eingenommen hat.

Gerade Gesundheitsdaten sind höchst sensible Daten, die von Ärzten im Rahmen der ärztlichen Schweigepflicht zu bewahren sind und ohne Zustimmung des Patienten nicht weitergegeben werden dürfen. Bei so heiklen Daten gibt es aber auch eine Vielzahl an Interessenten, die Informationen missbräuchlich verwenden könnten. Bei jedem System muss daher eine Gewährleistung der Datensicherheit gegeben sein.

EDV-Projekte, insbesondere größere, verzögern sich generell oft. Eine rasche flächendeckende Implementierung ist daher notwendig. Beim Wiener Krankenanstaltenverbund wird derzeit das System „impuls.kis“ installiert, welches dabei helfen soll, zum richtigen Zeitpunkt die relevanten Daten zur Verfügung zu haben, womit „impuls.kis“ bei der Diagnosestellung unterstützt. Zudem können auch unnötige Mehrfachleistungen ausgeschlossen und die Leistungen effizienter erbracht werden. In der Blutgruppenserologie am AKH ist die Implementierung einer EDV-Lösung dringend überfällig. Wir hoffen, dass der angekündigte Zeitplan diesmal eingehalten wird.

Elektronische Krankenakte bringt mehr Sicherheit

„Gefahr von Fehlbehandlungen steigt durch nicht elektronisch abrufbare Patientendokumentation.“

Dr. Sigrid Pilz, Wiener Pflege- und PatientInnenanwältin

Der Stadtrechnungshof Wien kritisierte in einem aktuellen Bericht zu Recht, dass in einigen Spitälern Krankengeschichten überwiegend händisch erstellt werden. Es besteht die Gefahr, dass durch die händische Erfassung der Krankengeschichte Übertragungsfehler geschehen oder wichtige Informationen den Behandlern nicht zeitgerecht zur Verfügung stehen. Insbesondere, wenn Patienten in einem anderen Spital oder einer Ambulanz erneut behandelt werden müssen, steigt durch die nicht elektronisch abrufbare Patientendokumentation die Gefahr von Fehlbehandlungen.

Auch in der WPPA gibt es Beschwerden, dass durch unleserliche Schrift bei Verschreibungen oder Befunden in Spitälern oder Ordinationen Irrtümer erzeugt wurden, die zu gesundheitlichen Nachteilen führten.

Aus dem Krankenhausreport 2014 der Allgemeinen Gesetzlichen Krankenkasse zu den deutschen Krankenhäusern geht zusammenfassend hervor, „dass für den Krankenhausbereich eine Größenordnung von fünf bis zehn Prozent unerwünschter Ereignisse, zwei bis vier Prozent Schäden, ein Prozent Behandlungsfehler und 0,1 Prozent Todesfälle, die auf Fehler zurückgehen, angenommen werden können.“ Das bedeutet im Vergleich, dass in Deutschlands Krankenanstalten fünfmal so viele Todesfälle durch Fehler wie durch Unfälle im Straßenverkehr zu beklagen sind. Um das Risiko von Behandlungsfehlern zu minimieren, schlägt der Bericht unter anderem elektronische Verschreibungssysteme vor.

Es besteht kein Zweifel daran, dass ein funktionierendes und umfassendes EDV-System die Sicherheit für Patienten und Personal in der Behandlung und Pflege erhöht. Durch personifizierte Zugänge zum EDV-System werden zudem die sensiblen Daten vor unbefugtem Zugriff geschützt. Die WPPA hat für den eigenen Bereich Konsequenzen gezogen: Die Aktenführung wurde auf elektronische Verarbeitung umgestellt.

Ab 1. Jänner 2015 werden die Fonds-Krankenanstalten mit ELGA vernetzt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt muss die längst überfällige elektronische Patientendokumentation realisiert sein. ELGA wird damit einen wesentlichen Beitrag für mehr Patientensicherheit leisten.

V. Weilguni, Ärzte Woche 9/2014

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