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Malerische Kulisse: Der Gala-Abend des Kongresses fand in der Österreichischen Nationalbibliothek statt.
 
Zahnheilkunde 30. September 2016

Zahnheil.Kunst im Rückblick

Nachbericht. Drei Tage lang regierte in der Wiener Hofburg Kaiserin Zahnmedizin: eine kurze aber höchst erfolgreiche Herrschaft.

Nach sechs Jahren war Wien wieder Austragungsort des Österreichischen Zahnärztekongresses, der wichtigsten heimischen Veranstaltung zum Thema Zahnmedizin, die vom 22. bis 24. September stattfand. Mit ihrem historischen Ambiente im Herzen der Stadt hieß die Hofburg die Gäste des Kongresses herzlich willkommen. Über tausend Besucher aus dem gesamten deutsch-sprachigen Raum besuchten die mehr als 100 Vorträge, die zahlreichen Workshops und die überaus umfangreiche Dentalausstellung.

Aus Fehlern lernen

„Von Misserfolg zum Erfolg“ lautete das Motto der Veranstaltung. Diesem Leitfaden folgten die Vortragenden insofern, dass sich auch die Experten nicht scheuten, über Schwierigkeiten und Komplikationen aus ihrer eigenen Erfahrung zu berichten – und schlussendlich Lösungsansätze zu zeigen. Seite an Seite standen sich namhafte österreichische und ausländische Referenten und präsentierten evidenzbasierte und praxisbezogene Inhalte. Besonders interessant waren die Diskussionen über die Entstehung, Vermeidung sowie Therapiemöglichkeiten der präsentierten Inhalte, die sehr lebensnah gestaltet waren.

Dabei wurden ausführlich die verschiedenen Behandlungsstrategien besprochen, welche die anfänglichen Misserfolge zu Behandlungserfolgen gemacht haben. Außerdem wurde umfangreich dargestellt, wie es zu diesen Misserfolgen gekommen, wie sie vermieden werden können und was daraus zu lernen ist. Eine ganz wichtige Rolle spielte an dieser Stelle auch der Umstand, dass beileibe nicht jeder Misserfolg auch als tatsächlicher zahnärztlicher Behandlungsfehler zu sehen ist: Anhand der konkreten Schilderung der Behandlungssituationen und der individuellen Patientenfaktoren konnte gezeigt werden, wie facettenreich und multifaktoriell diese Fragestellung ist und dass nicht Schuldzuweisungen, sondern praktikable Lösungsstrategien gefragt sind.

Zu den Highlights de ersten Tages zählten definitiv die sehr abwechslungsreichen parodontologischen Sessions in der Ratsstube der Hofburg, wie beispielsweise der Vortrag von Univ.-Prof. Dr. Gerlinde Durstberger von der Universitätszahnklinik Wien. Laut Durstberger geht es beim Thema Periimplantitis unter anderem um die Vermeidung und das Erkennen von Fehlern aber auch das rechtzeitig Agieren, wenn ein solcher aufgetreten ist. „Um Misserfolge möglichst auszuschließen, sollte die gesamte Therapie schon vorab gut überlegt und genau geplant werden“, empfahl Durstberger. Auch Univ.-Ass. Dr. Michael Müller-Kern, Universitätszahnklinik Wien betonte in seinem Vortrag über die Kunst des Erfolges in der resektiven parodontalen Chirurgie wie wichtig es ist, „immer nach einem Konzept zu arbeiten und alle Risikofaktoren schon vor der Therapie abzuklären“. PD Dr. Stefan Fickl vom Universitätsklinikum Würzburg veranschaulichte dies mit aussagekräftigen Fallpräsentationen zum Thema.

Zahn- und Allgemeinmedizin

Aus dem Vortrag von Dr. Wolfgang Graninger hatte man entnehmen können wie sich der Mund als Spiegelbild interner Erkrankungen präsentiert. Besonders wichtig sind dabei allgemeinmedizinische Zusammenhänge mit Parodontalerkrankungen, welche Dr. Behrouz Arefnia von der Medizinischen Universität Graz in seinem Vortrag zusammenfasste. In diesem Zusammenhang wurden die Diagnostik der Mundschleimhaut, Osteoporose, rheumatoide Arthritis und genetische Aspekte ausführlich aufgearbeitet.

Auch „Randgebiete“ der zahnärztlichen Disziplinen – Themenkreise, über die normalerweise selten auf zahnmedizinischen Tagungen referiert wird – wurden nicht außer Acht gelassen, und so konnte man sich unter anderem über Vorträge zu den Themen Forensik in der Zahnmedizin, Gerostomatologie, Internet-Marketing, Psychosomatik, Ernährung oder Burnout im Zusammenhang mit der Zahnmedizin informieren.

Neuigkeiten

Auch am letzten Tag des Kongresses wurde das wissbegierige Publikum nicht enttäuscht, unter anderem im Zeremoniensaal beim Vortrag von Dr. Georg Strbac von der Universitätszahnklinik Wien zum Thema „Zahntransplantationen Guided Surgery“. Strbac erklärte, dass bereits vor den chirurgischen Eingriff die gesamte Planung stattfindet. Die Form und Dimensionen des Zahnes sowie das Empfängerbett werden mit einer intraoralen Kamera gescannt und die Daten werden in die dafür vorgesehene Software übertragen. Anhand dieser Daten wird eine Bohrschablone hergestellt mittels der man die sogenannte „Neoalveole“ vorbereiten kann. Die Neoalveole entspricht genau der Form und Dimensionen des Zahntransplantates.

Neben der täglichen praktischen Arbeit ist in der Zahnmedizin Forschung und Fortbildung von großer Bedeutung. Dies gilt besonders für junge Zahnärzte und Zahnärztinnen. Die ÖGZMK unterstützt und fördert jungen Wissenschaftler. Im Zuge des wissenschaftlichen Kongressprogramms fanden auch Poster Präsentationen und freie Vorträge statt. Mit einem Förderpreis in der Gesamthöhe von EUR 6.000,- wurden die besten Poster und Vorträge prämiert. So wurden Dr. Alice Blufstein und DDr. Edelmayer Michael für den besten kurzen Vortrag bzw. die beste Posterpräsentation ausgezeichnet.

Gutbesuchte Dentalausstellung

Die Räumlichkeiten der Wiener Hofburg boten eine wunderbare Szenerie für die kongressbegleitende Industrieausstellung, die als voller Erfolg gewertet werden kann. Auf ca. 1.500 Quadratmetern waren über 100 internationale Unternehmen vertreten und informierten die Gäste über ihre neuesten Entwicklungen und Innovationen.


Danijel Domic

, Zahnarzt 10/2016

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