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Zahnheilkunde 26. Juni 2015

Möglichkeiten der Piezochirurgie

Die „sanfte Zahnchirurgie“ ist ein junges Verfahren, dessen Einsatz auch in der Implantologie viele Vorteile bietet.

Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Implantation ist die Osseointegration des Implantats. Daher muss präimplantologisch häufig Knochen aufgebaut werden. Konventionell werden zur Knochengewinnung rotierende Instrumente, Sägen und Meißel verwendet. Eine neuere Methode ist die sogenannte Piezochirurgie.

Obwohl schon 1961 erstmals angewandt, fand die Piezochirurgie erst nach 2006 den Weg in die dentalchirurgische Praxis. Die Sägespitze der Piezoinstrumente schont bei einer Frequenz von 225–29 kHz und einer Oszillation 0,060–0,210 mm das Weichgewebe, insbesondere auch den N. alveolaris inferior, und trennt selektiv den Knochen.

Schonende Präparation der Schleimhaut

Bislang wurde die Piezochirurgie in allen Bereichen der Knochenaugmentation eingesetzt und mittels Studien untersucht (Metaanalyse: Pereira at al. 2014). Vercelotti et al. konnten beispielsweise zeigen, dass die Schneider-Membran im Rahmen der Ultraschallchirurgie seltener verletzt wird. Die geringe Hubhöhe, aber auch die ständige Wasserspülung sorgen für eine schonende Präparation der Kieferhöhlenschleimhaut.

Der interne Sinuslift kann mit Hilfe einer innen gekühlten Diamantkugel präpariert werden, um die Schneider-Membran per Wasserdruck von der Kieferhöhlenwand abzulösen. Bei der Gewinnung von Knochenfragmenten zur Augmentation könnte die Piezochirurgie eine Partikelgröße von 0,5 mm gewinnen. Bei einer geringen Wärmeentwicklung zeigten diese Partikel in der histomorphologischen Nachuntersuchung einen hohen Anteil an vitalen Osteozyten.

Auch bei anderen präimplantologischen Techniken wie dem Bonesplit oder der Nervlateralisation des N. alveolaris inferior war die Piezochirurgie den konventionellen Methoden überlegen, da Frakturen der Knochenlamelle bzw. eine Parästhesie selten auftraten. Hinzuzufügen ist allerdings noch, dass ein vollständig von kortikalem Knochen umgebener N. alveolaris inferior auch mit der Piezosäge durchtrennt werden kann.

Positiver Einfluss auf Knochenneubildung

Neben knochenaugmentierenden Maßnahmen erlaubt die Piezochirurgie auch die Präparation des Implantatbettes. Interessanterweise zeigten Vercelotti et al. 2005 im Rahmen einer In-vivo-Studie einen positiven Einfluss auf die Knochenneubildung nach Resektion durch Piezochirurgie, verglichen mit dem Knochen nach Resektion mit Hilfe rotierender Instrumente.

Ein Grund dafür könnte die parakrine Sekretion von Osteoblasten sein: In einer weiteren Studie wurde das Implantatlager mit Hilfe des Ultraschalls präpariert, dann wurden poröse Titanimplantate gesetzt. Nach Explantation wurden im Knochen BMP-4 und TGF-2 immunhistochemisch bestimmt. Diese Wachstumsfaktoren für Osteogenese waren höher exprimiert als in der Kontrollgruppe, deren Implantatlager konventionell aufbereitet worden war.

Zum Knochenabbau können proinflammatorische Proteine (IL1 und IL10) führen. Diese waren bei der vorliegenden Studie nicht vermehrt nachgewiesen worden. Im Rahmen einer multizentrischen Studie wurden 3579 Implantatkavitäten mittels Piezochirurgie präpariert. Nach nunmehr drei Jahren waren noch 97,68 Prozent der so inserierten Implantate in situ (Vercelotti et al. 2014), was ein ebenbürtiges, wenn nicht sogar höheres Implantatüberleben verglichen mit der Aufbereitung rotierender Instrumente zeigte.

Mankos der Piezochirurgie

Neben all diesen Vorteilen muss bei der Piezochirurgie allerdings auch mit Instrumentenbrüchen gerechnet werden. Bei tieferen Sägeschnitten kann bei mangelnder Kühlung auch mit dem Piezogerät eine Hitzeschädigung im Knochen auftreten. Die effiziente Anwendung der Piezogeräte braucht außerdem eine bestimmte Andruckstärke und Bewegung auf dem Knochen. Die Ultraschalltechnik bedarf daher eines höheren Zeitaufwandes verglichen mit rotierenden Instrumenten.

Der Originalartikel ist erschienen in Der Freie Zahnarzt 2/2015.

© Springer Verlag

Zum Autor: Priv.-Doz. Dr. Dr. Felix Koch ist Stellvertretender Klinikdirektor und Leitender Oberarzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie an der Uniklinik Frankfurt/Main.

Felix Koch, Zahnarzt 7/8/2015

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