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Dr. Lisa Hierse Zahnarztpraxis Dr. H. Hierse privat
 
Zahnheilkunde 26. März 2015

Wissenschaftlich betrachtet: Was kann CAD/CAM?

Vier Studien – für Sie gelesen und kommentiert.

Die CAD/CAM-Technik (Computer Aided Design/Computer Aided Manufacturing) ist aus der modernen Zahnmedizin kaum noch wegzudenken. Die Fortschritte bei der digitalen Abdrucknahme, bei der Datenverarbeitung sowie im Anfertigungsprozess und bei den Werkstoffen ermöglichen ein breites Einsatzgebiet, von der Einzelkrone bis zur anspruchsvollen Implantatprothetik, sowie bei Anwendungen in der orthognathen oder funktionellen Behandlung.

Die vorgestellten Studien zeigen aktuelle Ergebnisse aus dem Bereich der CAD/CAM-Technik.

Konventionelle und CAD/CAM-gefertigte Kronen

Originalpublikation: A comparison of the marginal fit of crowns fabricated with digital and conventional methods. Ng J, Ruse D, Wyatt C. J Prosthet Dent. 2014;112(3):555-60

Beschreibung der Studie: Ziel dieser aktuellen Studie war es, zu untersuchen, inwiefern sich der Randschluss von konventionell abgeformten (Aquasil Ultra) und hergestellten Kronen (IPS e.max Press) von CAD/CAM-gefertigten Kronen (LAVA C.O.S., IPS e.max CAD) unterscheidet. Hierfür wurden auf Frasaco-Oberkiefermodellen zweite Prämolaren für die Aufnahme einer Vollkeramikkrone präpariert und mit beiden Verfahren je 15 Kronen aus Lithium-Disilikat-Glaskeramik hergestellt. Anschließend wurde der Randschluss der Kronen an je acht definierten Stellen gemessen und ausgewertet.

Ergebnisse und Konklusion: Die Auswertung ergab für die CAD/CAM-gefertigten Kronen eine vertikale Lücke von 48 ± 25 µm und für konventionell hergestellte Keramikkronen 74 ± 47 µm. Somit zeigten die CAD/CAM-Kronen einen signifikant besseren Randschluss. In beiden Gruppen wurde der größte Randabstand jeweils distal gemessen.

Folgerungen für den Praktiker: CAD/CAM-gefertigte Kronen stellen eine geeignete Alternative zu konventionell hergestellten Kronen dar. Es konnte sogar ein geringer vertikaler Abstand zwischen Präparationsgrenze und Kronenrand bei den CAD/CAM-Kronen nachgewiesen werden. Dennoch spielen zur optimalen Kronenversorgung auch andere, in dieser Studie nicht untersuchte Parameter wie die Okklusion und Kronenkontur eine ebenso wichtige Rolle.

CAD/CAM-gefertigte festsitzende Zirkonrestaurationen

Originalpublikation:

A retrospective evaluation of zirconiafixed partial dentures in general practices: An up to 13-year study. Håff A, Löf H, Gunne J, Sjögren G. Dent Mater. 2014

Beschreibung der Studie: In dieser schwedischen Studie wurden retrospektiv 33 CAD/CAM-gefertigte festsitzende Zirkonrestaurationen nach mindestens acht Jahren Tragezeit bei 30 Patienten untersucht. Hierfür wurden die 3- bis 6-gliedrigen Restaurationen von zwei unabhängigen Behandlern begutachtet. Weiterhin sollten die Patienten ihre Zufriedenheit auf einer visuellen Analogskala von 1-10 angeben.

Ergebnisse und Konklusion: Fast alle Restaurationen waren hinsichtlich ihrer Oberflächenbeschaffenheit (90%), der anatomischen Form (94%), der Farbgebung (100%) sowie des Randschlusses (94%) zufriedenstellend. Bei drei der Restaurationen wurde ein Chipping der Keramik beobachtet, zwei Restaurationen wiesen Kronenrandkaries auf und weitere zwei wurden als unzureichend bezüglich ihrer anatomischen Form gewertet, da sie nicht mehr in situ waren. Die Überlebensrate der Restaurationen betrug 94 %, die Erfolgsrate unter Berücksichtigung der technischen Komplikationen betrug 91% und 73% in Hinblick auf biologische Komplikationen (Karies, endodontische Behandlung, Fraktur). Die Patientenzufriedenheit war mit einem Wert von 9,2 als sehr hoch einzustufen.

Folgerungen für den Praktiker: Zu berücksichtigen ist, dass diese Studie retrospektiv durchgeführt wurde, demnach also keine Angaben zum Ausgangszustand der Restauration beinhaltet und keine Kontrollgruppe enthält. Sowohl in der klinischen Begutachtung als auch bei der Patientenzufriedenheit schnitten die CAD/CAM-gefertigten Zirkonrestaurationen auch nach längerer Tragedauer gut ab. Damit könnten sie, unter Berücksichtigung der oben aufgeführten Einschränkungen, selbst bei vielgliedrigen Brücken eine Alternative zu konventionell gefertigten Restaurationen darstellen.

Bruchlast-Untersuchung verschiedener Verblendverfahren

Originalpublikation:

In vitro chipping behaviour of all-ceramic crowns with a zirconia framework and feldspathic veneering: comparison of CAD/CAM-produced veneer with manually layered veneer. Schmitter M, Mueller D, Rues S. J Oral Rehabil. 2013 Jul;40(7):519-25.

Beschreibung der Studie: In dieser Arbeit wurden zwei verschiedene Verblendverfahren mit Feldspatkeramik für gefräste Zirkonkronen (Sirona inCoris ZI, mono L F1) hinsichtlich der Bruchlast untersucht. Bei 16 Kronen wurde die Verblendkeramik manuell auf die Zirkonkrone aufgeschichtet. Auf erneute 16 gefräste Kronen wurden CAD/CAM-gefertigte Verblendschalen (CEREC Bloc) mittels Panavia 2.0 befestigt. Anschließend wurden die Kronen Belastungen bis zum Bruch oder einem simulierten Alterungsprozess durch Kausimulation ausgesetzt und anschließend die verbleibende Frakturresistenz überprüft.

Ergebnisse und Konklusion: Die Bruchlast war bei der konventionellen Verblendgruppe mit 1166 ± 86 N signifikant höher als bei der CAD/CAM Verblendgruppe mit 395 ± 45 N. Hingegen zeigte sich bei der Kausimulation, dass 87,5% der Kronen mit manueller Verblendung bereits zu einem frühen Simulationszeitpunkt frakturierten, währenddessen keine der CAD/CAM-Verblendkronen brach.

Folgerungen für den Praktiker: Manuell verblendete Kronen besitzen eine hohe Bruchlast, weisen aber eine geringere Alterungsbeständigkeit auf. Kronen mit einer mit Panavia befestigten CAD/CAM-gefertigten Verblendung aus Feldspatkeramik sind zwar mit einer geringeren Bruchkraft assoziiert, besitzen jedoch eine höhere Resistenz gegen altersbedingtes Chipping. Demnach scheint nach Erkenntnissen dieser Studie keines der Verfahren überlegen zu sein, da beide Verblendarten ihre Schwächen aufweisen.

Virtuell geplanter orthognath-chirurgische Protokolle

Originalpublikation: Paradigm Shift in Orthognathic Surgery? A Comparison of Navigation, Computer-Aided Designed/ Computer-Aided Manufactured Splints, and „Classic“ Intermaxillary Splints to Surgical Transfer of Virtual Orthognathic Planning. Zinser MJ, Sailer HF, Ritter L, Braumann B, Maegele M, Zöller JE. J Oral Maxillofac Surg. 2013;71(5):911-20

Beschreibung der Studie: Ziel dieser Studie war es, die Einsetzbarkeit und Präzision verschiedener Übertragungsmöglichkeiten virtuell geplanter orthognath-chirurgischer Protokolle miteinander zu vergleichen. Untersucht wurden CAD/CAM-gefertigte Splints (8 Patienten), intraoperative Navigation (10 Patienten) sowie klassische intermaxilläre okklusale Splints (12 Patienten) im Rahmen der Durchführung bimaxillärer Osteotomien. Der Vergleich der Techniken erfolgte, indem verschiedene Parameter des Hart- und Weichgewebes postoperativ gemessen und mit der virtuell geplanten Situation verglichen wurden.

Ergebnisse und Konklusion: Die höchste Präzision bei der Übertragung der prä-operativen virtuellen Planung auf das tatsächliche post-operative Ergebnis wurde mit den CAD/CAM-gefertigten Splints erreicht, gefolgt von der intraoperativen Navigation und dem klassischen Splint. Nur im CAD/CAM-Verfahren blieben die Kondylen in ihrer zentralen Position im Kiefergelenk. Keines der Verfahren führte zur präzisen, vorhersagbaren Lage des Unterkiefers und Weichgewebes. Hinsichtlich der Operationszeit zeigte sich, dass diese beim klassischen Splint am kürzesten war. Durch das CAD/CAM-Verfahren verlängerte sich die Operationszeit um 20 Minuten (ein Splint nicht einsetzbar) und mit der Navigation um 50 Minuten (zwei Softwareabstürze).

Folgerungen für den Praktiker: Durch Fortschritte in den bildgebenden Verfahren und in der Rechenleistung der Computer halten virtuelle Planungen den Einzug in die orthognathe Chirurgie. In dieser Studie konnte gezeigt werden, dass CAD/CAM-gefertigte Splints und die chirurgische Navigation zuverlässige, innovative und präzise Maßnahmen sind, um virtuelle Planungen chirurgisch umzusetzen.

Korrespondenz:

Dr. Lisa Hierse

DG PARO-Spezialistin für

Parodontologie®,

Zahnarztpraxis Dr. H. Hierse

39104 Magdeburg

E-Mail:

Der Originalartikel ist erschienen in Der Junge Zahnarzt 1/2015

© Springer Verlag

Lisa Hierse, Zahnarzt 4/2015

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