zur Navigation zum Inhalt
Dr. Markus Bechtold Niedergelassenen Zahnarzt in Köln privat
© karelnoppe/fotolia.com

Ästhetik gewinnt in der Zahnheilkunde stetig an Bedeutung.

 
Zahnheilkunde 26. März 2015

In Sachen Ästhetik

State of the art in estatics – was Studien zeigen.

Die Ästhetik spielt für eine wachsende Anzahl an Patienten eine zunehmend größere Rolle. Dabei stellt sich häufig die Frage, wie ästhetisch schöne Ergebnisse zu erzielen beziehungsweise zu erreichen sind.

Die Antwort der Wissenschaft: Letztlich kann perfekte Ästhetik nur aus einem Zusammenspiel der adäquaten Technik mit dem geeigneten Material in den Händen eines erfahrenen und routinierten Behandlers entstehen. Die folgenden Studien zeigen, mit welchen Materialien und Techniken sich diese Art von Ästhetik nach heutigem Wissen erreichen lässt.

Veneers aus gepresster Keramik

Ziel der vorgestellten klinischen Studie war es zu evaluieren, wie die Langzeitüberlebensrate von 66 Veneers aus gepresster Keramik vom Präparationsdesign abhängt. Verglichen wurde das Voll-Veneer-Präp-Design mit dem „Overlap“-Design. Beide Präparationsformen verhielten sich im bukkalen Bereich ähnlich, unterschieden sich jedoch im Abtrag des palatinalen Bereichs. Alle Veneers wurden aus IPS Empress hergestellt und dual-härtend eingesetzt. Nachuntersuchungen fanden nach sechs, zwölf, 25, 39, 45 und 62 Monaten statt.

Ergebnisse: Nach einer Nachuntersuchungszeit von fünf Jahren betrug die Überlebensrate der Voll-Veneer-Präp Restaurationen 100%, die Überlebensrate der Veneers mit Overlap-Design 97,5%. Die Komplikationsrate (Frakturen, Abplatzungen et cetera) zeigte sich ebenfalls für beide Präparationsformen als eher gering. Nach Ende der Beobachtungszeit waren 85 Prozent der „Full“-Veneers und 72% der Overlap-Veneers noch unversehrt und vollständig intakt.

Für die Praxis: Beide dargestellte Präparationsformen für Veneers haben eine hohe Langzeitüberlebensrate und funktionieren daher vorhersagbar gut im Frontzahnsegment. Durch palatinale Exzendierung kommt es nicht signifikant höher zu Frakturen.

Blich auf die Gingiva

Ziel der vorgestellten Studie war es zu untersuchen, inwiefern die Art der bindegewebigen Augmentation in Abhängigkeit vom gingivalen Biotyp das ästhetische Ergebnis und die gingivale Langzeitstabilität in der ästhetischen Zone beeinflusst. Hierzu wurden 20 Patienten, acht mit dickem gingivalen Biotyp und zwölf mit dünnem gingivalen Biotyp in diese klinische Studie aufgenommen. Unabhängig vom gingivalen Biotyp wurde ein Bindegewebstransplantat im Rahmen der Augmentation eingebracht. Die Ergebnisse wurden klinisch und radiologisch im Mittel nach zwei Jahren nachuntersucht.

Ergebnisse: Die gingivale Stabilität war innerhalb der Nachuntersuchungszeit in allen Fällen gegeben, und es zeigten sich ausreichend dicke und stabile gingivale Verhältnisse. Es konnten keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den ursprünglich dünnen und dicken gingivalen Biotypen festgestellt werden. Auch bezüglich der Knochenstabilität wurden keine Unterschiede zwischen der beiden Gruppen gefunden.

Für die Praxis: Die richtige dreidimensionale Platzierung von Implantaten mit einem zusätzlichen weichgewebigen Augmentat aus Bindegewebe kann langfristig die gingivale Stabilität und damit die rote Ästhetik stabilisieren. Dabei spielt es keine Rolle, ob initial ein dicker oder dünner gingivaler Biotyp vorlag. Somit kann in der ästhetischen Zone eine weichgewebige Augmentation mithilfe des Bindegewebes empfohlen werden.

Freies Schleimhauttransplantat zur Rezessionsdeckung

Ziel der vorgestellten In-vivo-Studie war es zu evaluieren, inwiefern die Dimension eines freien Schleimhauttransplantats zur Rezessionsdeckung die Morbidität des Patienten und das Ergebnis der Wurzeldeckung beeinflussen. In dieser klinischen Studie wurden 60 Rezessionen der Miller-Klasse I und II mithilfe von koronalem Verschiebelappen mit zusätzlichem deepithelialisiertem freiem Schleimhauttransplantat plastisch gedeckt. In 30 randomisierten Fällen wurde ein großes Graft mit einer Dimension von über 2-mm-Dicke verwendet, während in den anderen 30 Fällen ein kleines Graft mit einer Dicke unter 2 mm und einer Höhe von 4 mm zur Anwendung kam. Die postoperative Morbidität wurde nach einer Woche evaluiert. Die klinische und ästhetische Beurteilung erfolgten ein Jahr postoperativ.

Ergebnisse: In der Gruppe mit dem kleinen Graft konnten eine verminderte Schmerzsymptomatik, bessere Farbübereinstimmung zwischen Spender- und Empfängerbereich und damit bessere ästhetische Ergebnisse festgestellt werden. Keinen signifikanten Unterschied gab es für den Faktor Wurzeldeckung.

Für die Praxis: Die Heilung nach koronoralen Verschiebelappen mit deepithalisiertem freien Schleimhauttransplantat mithilfe eines in Höhe und Dicke reduzierten Transplantats zeigen eine geringere Patientenmorbidität und bessere ästhetische Ergebnisse und sollten daher bevorzugt zum Einsatz kommen.

Korrespondenz:

Dr. Markus Bechtold

Gemeinschaftspraxis für Zahnmedizin GbR: Dr. Schneider – Dr. Rasche – Dr. Bechtold

Christophstraße 5 – 7

50670 Köln

Mail:

Der Originalartikel ist erschienen in Der Junge Zahnarzt 2/2014 © Springer Verlag

Literatur:

1 Guess PC, Stappert CF (2008) Midterm results of a 5-year prospective clinical investigation of extended ceramic veneers. Dent Mat 24:804-813

2 Kan JY, Rungcharassaeng K, Morimoto T, Lozada J (2009) Facial gingival tissue stability after connective tissue graft with single immediate tooth replacement in the estetic zone. J Oral Maxillofac Surg 67:40-48

3 Zucchelli G, Mounssif I, Mazzotti C et al (2014) Does the dimention of the graft influence patient morbidity and root coverage outcomes? A randomized controlled clinical trial. J Clin Periodontol. DOI doi: 10.1111/jcpe.12256

Markus Bechtold, Zahnarzt 4/2015

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben