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Zahnheilkunde 26. März 2015

Stelldichein der Kieferorthopäden

Alltagsprobleme in der Praxis, Kinderzahnmedizin, Logopädie und Kortikotomie standen im Zentrum der 44. Internationalen kieferorthopädischen Fortbildungstagung Anfang März 2015 in Kitzbühel.

„Die Hälfte aller Kinder sind wegen ihrer Zähne Opfer von Hänseleien“, sagt Dr. Björn Ludwig über die Alltagsprobleme Heranwachsender. Oft empfinden die Patienten die Mühen, sich die Zähne regulieren zu lassen, als zu groß. Dabei gibt es heute viele Alternativen, die potenziellen Patienten den Weg zu gesunden geraden Zähnen ebnen können. Aber auch bei manchen Zahnmedizinern ist fälschlicherweise der Eindruck entstanden, dass ohne Hightech keine zeitgemäße Behandlung möglich ist, so der Experte.

Dabei lässt sich auch heute noch vieles mit simplen Techniken bewältigen: „Wenn etwa der Patient sein Chief Complaint nicht in Worte fassen kann, lässt man ihn einfach anhand eines Fotos von ihm zeigen, was ihn an seinen Zähnen stört“, so Ludwig. Notwendigenfalls macht man auf der Stelle ein Foto mit der Praxiskamera. Dann weiß man sicher, worum es dem Patienten selbst in erster Linie geht.

Denn Anliegen, mit denen ein Kieferorthopäde heute aufgesucht wird, sind sehr vielfältig: Nicht immer geht es etwa um einen Lückenschluss. Auch das Gegenteil kann gefragt sein, wie zum Beispiel eine kieferorthopädische Lückenöffnung vor einer Implantatversorgung. Denn neben der Schaffung eines suffizienten Knochenlagers als Grundlage der Implantat-Therapie ist auch die Aufrichtung und Positionierung der Nachbarzähne entscheidend für eine erfolgreiche Lückenversorgung, so Prof. DDr. Werner Zechner. Chirurgen und Kieferorthopäden sind heute viele öfter gefordert, gemeinsame Lösungen zu erarbeiten als früher; wie etwa auch bei der wieder gängigen Praxis der oralchirurgischen Technik der Kortikotomie. Doch heute gehen die Diskussionen über den rein chirurgischen Eingriff weiter in Richtung Einsatz von Knochenersatzmaterialien und deren klinischen Implikationen.

Schnuller & Co.

„Die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den Kieferorthopäden hat aber entgegen allen Absichtserklärungen nicht zu-, sondern abgenommen“, bedauert Logopädin Mathilde Furtenbach. Die Behandlung von myofunktionellen Störungen und Dysgnathien erfordere eine engere Zusammenarbeit von Kieferorthopäden und Logopäden, wenn sie gelingen soll. „Lernen und Wahrnehmen beginnen im Mund“, so die Expertin. Am Beispiel von Schnullern stellt sie dar, dass diese nicht einfach nur zur schnellen Beruhigung, sondern wie ein Medikament mit dessen möglichen Nebenwirkungen im Hinterkopf eingesetzt werden sollten. Es sei falsch, dass Kinder oftmals sofort mit einem Pacifier beruhigt werden, wenn sie explorieren und mit ihrer Umwelt in Kontakt treten wollen. Genauso müsse man sich bewusst machen, dass wenn man dem Kind bis zum 12. Lebensmonat nur Brei zum Essen gibt, es diesen nur sauge und nicht kaue. Kau- und Schluckreflex kommen dann verspätet.

Bakterien und Entzündungen

Die orale Schleimhaut bei Kindern und Jugendlichen ist ein ganz anderer aber dennoch brisanter Bereich, wo nach Dr. Richard Steffen noch erheblicher Aufholbedarf in der Diagnostik und Therapie besteht: Diese Patientenklientel wird häufig nur vom Zahnarzt und Kieferorthopäden gesehen und dort werden orale Pathologien dann oft übersehen. Traumatische Veränderungen, gefolgt von Virusinfekten und Aphten, sind im Kindesalter am häufigsten. Ein weiteres Problem aus der täglichen Praxis beschäftigt Prof. Dr. Yijin Ren: der Biofilm. Denn diese Bakterien zwischen den Zähnen sowie Apparaturen können zu einigen Beschwernissen auch in der kieferorthopädischen Praxis führen. Anhand von Beispielen vieler unterschiedlicher Kleber und Apparaturen zeigt die Expertin, wie sich Plaque dort ausbreitet.

Im Focus stehen auch Kleberetainer, da diese oft jahrelang im Mund verweilen und dadurch potenzielle Gefahrenherde darstellen. Ihr Prophylaxeansatz beschränkt sich nicht nur auf die Reduktion der Bakterienmasse, sondern auch auf antibakterielle Kleber und andere bakterizider Materialien, an denen aktuell geforscht wird.

Aligners

Von der Handhabung und Mundhygiene her einfacher und komfortabler für den Patienten ist die Therapie mit einer Serie von Zahnschienen. Dr. Thomas Drechsler hat seine Praxis großteils auf die Behandlung mit Alignern umgestellt und zeigte am Beispiel der Invisalign-Technik, wie sich das Indikationsspektrum in den letzten 14 Jahren enorm erweitert hat. Compliance des Patienten vorausgesetzt.

Andreas und Veenu Scheiderbauer, Zahnarzt 4/2015

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