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Zahnheilkunde 2. März 2015

HTA-Bericht zur Fissurenversiegelung

Versiegelung der Fissuren und Grübchen kann Kinder und Jugendliche vor Karies schützen.

Entsprechende Hinweise haben Wissenschaftler gefunden, die diese Versiegelungen im Auftrag des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) bewerteten. Konkret betrachteten sie dabei die Behandlung der Molaren.

Die Kariesanfälligkeit der Fissuren und Grübchen bei Kindern und Jugendlichen ist insbesondere begründet in anatomischen Besonderheiten sowie erschwerter Zugänglichkeit tiefer bzw. enger Fissuren und Grübchen mit der Zahnbürste. Ein zusätzlicher ungünstiger Faktor ist die Plaqueretention auf der Okklusalfläche eines durchbrechenden Zahns.

Denn erst wenn der Zahn die Okklusionsebene und damit den Kontakt zum Opponentenzahn erreicht hat, nimmt die Plaqueakkumulation auf der Okkusalfläche ab. Durchbrechende Zähne sind demnach stärker von Plaqueakkumulation betroffen als vollständig durchgebrochene Zähne. Insgesamt tragen diese Faktoren dazu bei, dass Kinder und Jugendliche eher Karies in den Fissuren und Grübchen entwickeln. In Deutschland ist aus diesen Gründen die Fissuren- und Grübchenversiegelung bei Kindern und jugendlichen Karies-Risikopatienten von sechs bis einschließlich 17 Jahre mit aushärtendem Kunststoffmaterial seit 1993 Bestandteil der Individualprophylaxe, die Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung ist.

Literaturrecherche als Basis der Bewertung

Die Basis für die Bewertung dieser Maßnahme bildete eine systematische Literaturrecherche nach dem verfügbaren Wissen.

Ihre Ergebnisse fassten die Autoren in einem HTA-Bericht zusammen (Health Technology Assessment). In Bezug auf die medizinische Bewertung erfüllten insgesamt 15 randomisierte und quasi-randomisierte kontrollierte Studien (RCT) die Einschlusskriterien: acht RCT im Parallelgruppen- und sieben RCT im Split-Mouth-Design. Kinder und Jugendliche mit hohem Kariesrisiko waren in sieben dieser Studien einbezogen. Zudem erfüllten vier systematische Übersichtsarbeiten die Einschlusskriterien. In nahezu allen einbezogenen Studien finden sich schützende Effekte einer Fissuren- und Grübchenversiegelung auf Kunststoff- oder Zementbasis. Das gilt sowohl verglichen mit unversiegelt belassenen Zähnen als auch verglichen mit einer Fluoridlack-Behandlung.

Kosteneinsparung

In Modellanalysen spart die Versiegelung zudem Kosten ein. Dieses Ergebnis tritt jedoch erst nach einem längeren Zeitraum und bei Gruppen mit hohem Kariesrisiko auf. Ökonomische Studien zeichnen bezüglich einer Kosteneinsparung eher ein uneinheitliches Bild.

Trotz der Hinweise auf schützende Effekte und einzusparende Kosten sprechen laut Autoren einige Gründe für kritische Anmerkungen:

• Durch mögliche systematische Fehler (z.B. bei der Auswahl der Studienteilnehmer) könnte der Schutzeffekt überbewertet sein.

• Die Ergebnisse seien nur eingeschränkt auf Deutschland übertragbar: Die Studien sind unter anderen gesellschaftlichen Bedingungen entstanden, mit teils sehr unterschiedlichen beteiligten Institutionen.

• Die in Modellanalysen errechneten Einsparungen an Kosten lassen sich in verschiedenen Studien nicht unbedingt bestätigen.

Die Autoren fordern daher, die Fissuren- und Grübchenversiegelung bei Kindern und Jugendlichen über eine größere, methodisch hochwertige Studie zu bewerten. Diese Studie sollte in Deutschland oder vergleichbaren Ländern Langzeiteffekte betrachten, um die Effektivität der Versiegelung zu bestätigen. In einem weiteren Schritt wäre zu untersuchen, wie die Zielgruppe erreicht und die Inanspruchnahme erhöht werden könne, so die Autoren.

Weitere Informationen: Der gesamte HTA-Bericht ist downloadbar unter

http://www.dimdi.de/ dynamic/de/linkgalerie/ hta-bericht-348.elnk

DIMDI/IS, Zahnarzt 3/2015

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