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Zahnheilkunde 2. Februar 2015

Kinderzähne – mathematisch analysiert

Ein Mathematiker und ein Zahnmediziner präsentieren eine Studie zum Zahnstatus von Vorschulkindern.

Die Zahngesundheit von Vorschulkindern hat sich in den letzten Jahren zwar regional unterschiedlich, aber stetig verbessert. In einer Studie des Wissenschaftlers Prof. Rafael Weißbach, Inhaber des Lehrstuhls für Statistik und Ökonometrie der Universität Rostock, wurde nachgewiesen, dass nahezu 90 Prozent der dreijährigen Kinder aus einer südhessischen Region ein naturgesundes Gebiss haben.

Der studierte Mathematiker und promovierte Statistiker analysierte gemeinsam mit dem Zahnarzt Dr. Michael Herzog von der Universität Heidelberg die Zahngesundheitsdaten von nahezu 2000 Vorschulkindern mittels randomisierten Clusterstichproben – einer bisher in solchen Studien noch selten genutzten mathematischen Methode. Weißbach konnte nach dem Vergleich der Ergebnisse mit denen anderer Regionen in Deutschland zeigen, dass es auch da ähnliche Resultate gibt. Insgesamt könnten die Ergebnisse auf eine positive Entwicklung bei den Milchzähnen hindeuten. Der Aufsatz des Rostocker Wissenschaftlers zu diesem Thema erschien in der einzigen deutschsprachigen Statistikzeitschrift „Wirtschafts-und Sozialstatistisches Archiv“, die im Springer Verlag erscheint *

„Der Anteil kariesfreier Kinder eignet sich sehr gut als Prävalenzmaß für Vergleiche und Trendbeobachtungen und damit auch zur Bewertung regionaler gruppenprophylaktischer Maßnahmen“, sagt Prof. Weißbach. Allerdings wäre es gerade für Vergleiche hilfreich, die hier verwendete mathematische Methode für alle solche Studien in Kindergärten anzuwenden. Der Rostocker Forscher nutzte nicht, wie bei der Auswertung solcher Daten sonst üblich, die Methoden für unabhängige Zufallsstichproben.

Kariesdaten aus Kindergärten

„Die Kinder eines Kindergartens sind vielen gemeinsamen Risikofaktoren ausgesetzt, die ihre Zahngesundheit beeinflussen können“, so Prof. Weißbach. „In der Regel variieren diese gemeinsamen Einflussfaktoren aber von einem Kindergarten zum anderen. Das haben wir bei der Planung und Auswertung der Kariesdaten mathematisch berücksichtigt, denn diese Datenstrukturen beeinflussen die Genauigkeit der Ergebnisse und damit beispielsweise auch die Möglichkeiten zur Bewertung zahnmedizinischer Gruppenprophylaxe.“

Karies gilt weltweit als eine extrem häufige Zahnerkrankung und kann besonders bei Kindern recht schnell zu ausgeprägten Gebisszerstörungen führen. Waren in Südhessen vor etwa 50 Jahren noch über 70 Prozent der Vorschulkinder von Karies betroffen, so sind es heute, nach den Ergebnissen von Prof. Weißbach, nur noch 20 Prozent der Drei- bis Fünfjährigen. Diese positive Entwicklung zu verfolgen, ist für Zahnärzte wie Dr. Michael Herzog nicht nur spannend, sondern auch dringend notwendig, damit sich das Blatt nicht wieder wendet. In Professor Rafael Weißbach von der Universität Rostock hat er einen exzellenten Statistiker gefunden, der ihm wissenschaftliche Auswertungen von zahnärztlichen Untersuchungsdaten der Gruppenprophylaxe ermöglichen kann.

* R. Weißbach et al, Regionaler Anteil kariesfreier Vorschulkinder – eine cluster-randomisierte Studie in Südhessen, in AStA Wirtschafts- und Sozialstatistisches Archiv, online publiziert im Okt. 2014. DOI: 10.1007/s11943-014-0147-4, © Springer Verlag

IS/Uni Rostock, Zahnarzt 1/2/2015

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