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Abb. 1 Alle Flächen, die sich im sogenannten Sprühnebel von ca. 2m Radius um den Behandlungsstuhl befinden, sind kontaminiert.
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Zahnheilkunde 29. August 2014

Desinfektion: Welches Mittel gegen welche Keime?

Hygiene in der Zahnarztpraxis ist ein Thema, dem unbedingte Aufmerksamkeit gebührt. Die Einhaltung der entsprechenden Maßnahmen ist Chefsache.

Desinfektionsmittel sind ein wichtiger Bestandteil der Hygienemaßnahmen in jeder Zahnarztpraxis. Zu den Mikroben, die es mit Hilfe von Desinfektion zu beseitigen gilt, gehören Bakterien, Pilze und Protozoen – diese drei werden abgetötet. Viren und Prionen werden durch Desinfektionsmittel hingegen inaktiviert. Dabei unterscheidet man zwischen behüllten und unbehüllten Viren.

Ein Desinfektionsmittel, das begrenzt viruzid ist, inaktiviert nur behüllte Viren, wie z.B. Hepatitis B, C und HIV. Ein Desinfektionsmittel ohne Einschränkung inaktiviert alle Viren. Produktbeschreibungen sind daher unbedingt zu beachten.

Bakterien: Problem ist die rasche Vermehrung

Bakterien stellen wegen ihrer rasanten Vermehrung (Verdopplung alle 20 Minuten!) bezüglich der Hygiene in der Praxis ein großes Problem dar. Alle Praxismitarbeiter sind mitverantwortlich, dass diese Vermehrung durch ausreichende Desinfektionsmaßnahmen nicht passiert. Dies bedeutet konkret: Wenn das Team abends nach Hause geht, müssen alle Flächen desinfiziert sein. Dies darf unter keinen Umständen auf den nächsten Tag verschoben werden und betrifft auch die Ärzte selbst.

Auch wenn eine „Notbehandlung“ noch nach den üblichen Öffnungszeiten erfolgt, darf das Behandlungszimmer nicht ohne ausreichende Reinigung und Desinfektion verlassen werden. Die kontaminierten Instrumente müssen ebenfalls geschützt gelagert werden.

Besonders gefährliche Keime

Die Einhaltung der Hygiene ist besonders bei Krankheiten mit hohen Übertragungsraten wichtig. So gilt unsere Angst oft einer HIV-Ansteckung. Wir vergessen jedoch, dass Hepatitis B 10-fach infektiöser ist als Hepatitis C und Hepatitis C wiederum 10-fach infektiöser als HIV. Bildlich dargestellt reicht ein Tropfen Hepatitis infiziertes Blut in einer mit Wasser gefüllten Badewanne aus, um mit einem Tropfen Spritzwasser im Auge eine Infektion auszulösen.

Assistiert z.B. eine neue Auszubildende, die noch nicht geimpft ist ohne Schutzmaßnahmen (z.B. Schutzbrille), ist sie einer unverantwortlichen Infektionsgefahr ausgesetzt. Da Praxisbetreiber in der Konsequenz haftbar sind, sollten sie darauf achten, dass nur Personal mit ausreichendem Impfschutz bei der Patientenbehandlung beteiligt ist.

Desinfektionsmittel lassen sich in Wirkungsbereiche unterteilen:

• Wirkungsbereich A: bakterizid, fungizid

• Wirkungsbereich B: bakterizid, fungizid+ virusinaktivierend

• Wirkungsbereich C: + Abtötung von Milzbrandsporen

• Wirkungsbereich D: + Abtötung von hitzeresistenten Sporen

Im ambulanten, dentalen Arbeitsumfeld ist auf die Wirkungsbereiche A und B zu achten. Um dies zu gewährleisten, sollte man bei der Auswahl des Desinfektionsmittels auf namhafte Hersteller setzen und diese auf VAH Listung (Verband angewandter Hygiene) prüfen. Andere Produkte ohne VAH Listung haben in einer Praxis nach den aktuell geforderten Kriterien keine Anwendungsberechtigung. Hierbei darf die Produktqualität nicht den Kosten nachstehen. Sicherheitsdatenblätter dieser Produkte müssen mit der Einführung jedes neuen Produktes archiviert werden. Wichtig ist die Vervollständigung der Sicherheitsdatenblätter von Bestandsprodukten.

Kriterien für die Wirksamkeit von Desinfektionsmitteln

Produkte müssen mit der Einführung jedes neuen Produktes archiviert werden. Wichtig ist die Vervollständigung der Sicherheitsdatenblätter von Bestandsprodukten. Um eine ausreichende Dekontamination und Desinfektion zu erreichen, ist bei der Vorreinigung des Medizinproduktes mit dem entsprechend geprüften Desinfektionsmittel auf eingehaltene Einwirkzeit, Mechanik und Temperatur zu achten. Dekontamination bedeutet in diesem Fall: Reinigung und Desinfektion, Entfernung aller Prozesschemikalien und Trocknung der Medizinprodukte. Hierbei ist zu beachten, dass Alkohole erst ab einem Alkoholgehalt von 6 % desinfizierend wirken. Doch Vorsicht: Alkohole fixieren Proteine! Da alle Mikroorganismen Proteine enthalten, muss genau bedacht werden, für welche Zwecke Alkohol überhaupt als Desinfektionsmittel zum Einsatz kommt.

Auf die Mischung kommt es an

Die wichtigsten Punkte zur Wirksamkeit von Desinfektionsmitteln sind:

• die richtige Dosierung (Messgefäße zur Verfügung stellen und benutzen)

• komplette Benetzung und Durchtränkung der Medizinprodukte

• Verwendung von Trinkwasser zur Gebrauchsverdünnung.

Wie war das mit dem Mischverhältnis? Wie muss eine Lösung richtig angesetzt werden? Diese Unsicherheit (denn hier trauen sich die wenigsten, nachzufragen) ist eine sehr große aber vermeidbare Fehlerquelle bei der Dekontamination.

Soll zum Beispiel eine 4-prozentige Lösung hergestellt werden, dann muss 960ml Wasser mit 40 ml Desinfektionsmittel gemischt werden. Wenn richtig dosiert wird, die vorgeschriebene Einwirkzeit beachtet (Uhr stellen) und die Lösung maximal bei einer Temperatur von ca. Zimmertemperatur angesetzt wird, ist die Dekontamination in der Regel erfolgreich.

Als weitere Fehlerquelle bei der richtigen Dekontamination ist die häufig hohe Anzahl an unterschiedlichen Desinfektionsmitteln, die meist in einer Praxis vorhanden ist. Es empfiehlt sich, diese auf ein Minimum zu reduzieren. Beim Umgang mit Desinfektionsmitteln wie z. B. dem Ansetzen von Desinfektionsbädern ist die richtige Schutzkleidung wichtig, wie etwa wasserdichte Schürze, Mundschutz, Schutzbrille und Handschuhe. Außerdem sollte der Praxisbetreiber die Umsetzung des Arbeitsschutzes überwachen. Niedrige Temperaturen verlangsamen die Desinfektionswirkung und bringen diese gegebenenfalls zum Stillstand. Zudem wird die Wirkung des Desinfektionsmittels durch zu große Seifen- oder Eiweißbelastung reduziert.

Desinfektion muss umfassend erfolgen

Im Übrigen müssen nicht nur Medizinprodukte desinfiziert werden. Die Weiterübertragung von Infektionen findet auch z.B. an Türklinken statt. Alle Flächen die sich im sogenannten Sprühnebel von ca. 2m Radius um den Behandlungsstuhl befinden, sind kontaminiert und müssen desinfiziert werden (Abb.1). Verpackungen wie zum Beispiel Zementtuben etc. werden meist mit kontaminierten Handschuhen oder Händen berührt. Auch diese Artikel müssen, um eine einwandfreie Hygiene zu gewährleisten, nach Gebrauch desinfiziert in die Schränke zurücksortiert werden.

Der Originalartikel ist erschienen in :

Der junge Zahnarzt 2/2014

Korrespondenz:

Manuela Plötz

ZFA, ZMV, technische Sterilisationsassistentin,

PRO DENTAL SERVICE,

Postfach 400708,

80707 München,

E-Mail:

Fazit für die Praxis

Hygiene ist definitiv Chefsache und muss von oben herab durchgesetzt werden! Dies ist die Grundvoraussetzung, damit Hygiene von allen Praxismitarbeitern auch Tag für Tag gelebt wird! Regelmäßige Stichkontrollen sind daher unerlässlich!

Manuela Plötz, Zahnarzt 9/2014

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