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Urologie 18. August 2015

ED und Stoffwechselstörungen hängen eng zusammen

Testosteron-Substitution kann in manchen Fällen durchaus sinnvoll sein.

Die Erektile Dysfunktion (ED) ist unter Umständen ein Folgeschaden des Diabetes mellitus. Übergewichtige Diabetiker haben fast immer einen Testosteronmangel.

„Es gibt es keine diabetesspezifischen Sexualstörungen, jedoch treten diese bei Diabetikern häufiger auf“, sagte Dr. Frank Merfort aus Grevenbroich, Deutschland. Das belegen auch Zahlen aus Deutschland: So werde für die Gesamt-Bevölkerung bei 40-Jährigen eine ED-Rate von rund zwei Prozent ermittelt, für 65-Jährige von 25 Prozent. Bei Diabetikern liege die ED-Rate bei 20-29-Jährigen bei 9 Prozent und 70-jährige Diabetiker hätten zu 95 Prozent eine ED. Insgesamt hätten 35 bis 50 Prozent aller Diabetiker eine erektile Dysfunktion, so der niedergelassene Internist und Diabetologe.

Mit der steigenden Diabetes-Prävalenz werden auch die Sexualstörungen zunehmen. Es wird geschätzt, dass in Europa im Jahr 2025 etwas mehr als jeder zehnte Mensch Diabetiker ist. Merfort selbst geht von einer noch höheren Rate aus. Der Diabetologe wies daraufhin, dass die ED ein Hinweis auf einen bisher unentdeckten Diabetes sein kann. So wurden in einer Untersuchung 129 Männer mit ED untersucht. Bei 22 war ein Diabetes bekannt, bei 107 nicht. Von diesen wiesen zwölf Prozent erhöhte Nüchtern-Blutzuckerwerte auf, fünf Prozent hatten einen manifesten Diabetes. Merfort riet, bei Patienten mit ED generell den HbA1c-Wert zu bestimmen. Gerade bei neu diagnostizierten Diabetikern kann die Erektionsstörung auch temporärer Natur sein. Bevor die ED etwa mit einem PDE5-Hemmer therapeutisch angegangen werde, solle daher zunächst der Blutzucker gut eingestellt werden. Dadurch könne die Erektionsstörung wieder verschwinden. Kommt bei Diabetikern ein PDE5-Hemmer zum Einsatz, rät Merfort, mit einer höheren Dosierung zu beginnen. „Das vermeidet Frustration.“ Die Dosis zu senken, gehe immer.

Testosteron bestimmen

Merfort wies auf ein weiteres Problem beim metabolischen Syndrom hin: Mit zunehmendem Bauchumfang wird der Testosteronspiegel niedriger. Adipositas erhöhe das Risiko für einen Testosteronmangel um den Faktor 2,4 und ein Diabetes mellitus um den Faktor 2,1 (Int J Clin Pract. 2006; 60:762). 30 bis 50 Prozent der männlichen Diabetiker haben einen sekundären Hypogonadismus, und fast jeder übergewichtige Diabetiker hat einen Testosteronmangel. Doch sollen Diabetiker substituiert werden? Und wenn ja, welche? „Bei 12 nmol/l und höher besteht keine Indikation für eine Testosteron-Therapie“, sagte Merfort. Anders sei dies bei einem Testosteron-Wert unter 8 nmol/l und zusätzlichen Symptomen wie Muskelschwäche, Libido-Verlust, ED, Anämie oder Osteoporose. Bei Diabetikern seien durch die Therapie Vorteile zu erwarten: Gewichtsabnahme, Reduktion der Fettmasse, Aufbau der Muskulatur sowie eine verbesserte diabetische Stoffwechselsituation mit niedrigeren Blutzucker- und HbA1c-Werten. „Allerdings wird die Testosteron-Substitution bei Diabetikern diskrepant beurteilt“, so der Diabetologe bei der von Berlin-Chemie unterstützten Veranstaltung. Es gebe keinen großen randomisierten, placebokontrollierten Studien zur kardiovaskulären Sicherheit einer Testosteron-Substitution. Und seit März 2015 habe die US-Arzneimittelbehörde FDA angeordnet, auf testosteronhaltigen Medikamenten einen Warnhinweis auf ein erhöhtes Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko anzubringen.

Quelle: D-A-CH-Forum 2015 „Aktuelle Aspekte aus Urologie und Sexualmedizin“, Berlin 19.-21. Juni

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