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Urologie 7. April 2015

Steindiagnostik: maximal 50mSV

Die Palette der bildgebenden Maßnahmen, die bei Patienten mit Urolithiasis eingesetzt wird, reicht vom Röntgen der Harnwege über CT bis hin zur Fluoroskopie. Im Zuge dieser Verfahren können erhebliche Strahlendosen akkumulieren.

US-Forscher warnten bereits 2004, dass die Bildgebung in der Medizin möglicherweise für ein bis drei Prozent der Krebsfälle weltweit verantwortlich sei. Organisationen wie die International Commission on Radiation Protection empfehlen daher nachdrücklich eine Strahlungsbegrenzung nach dem ALARA-Prinzip (as low as reasonably achievable, zu deutsch: so gering wie vernünftigerweise erreichbar). In der urologischen Abteilung der Universität Cambridge wird dieses Prinzip bei Harnsteinpatienten angewendet. Wie Ismail Omar et al. berichten, gelingt es damit, den empfohlenen jährlichen Grenzwert von 50 mSV bei keinem Patienten zu überschreiten ( J Clin Urol 2015; online 2. März ). In einer retrospektiven Studie werteten sie die Daten von 95 ursprünglich unbehandelten Harnsteinpatienten aus, die entweder akut wegen einer Kolik oder geplant zur Therapie ihres Harnsteinleidens eingeliefert worden waren. In Cambridge werden Steinpatienten vorwiegend mit Röntgen und CT untersucht, wobei in erster Linie die Non-Contrast-CT (NCCT) zum Einsatz kommt.

Weit unter dem Grenzwert

Bei den 47 Akutpatienten wurden innerhalb eines Jahres im Schnitt pro Patient 5,62 Untersuchungen durchgeführt, bei den 48 elektiven Patienten waren es 4,57. Dabei bekamen die Patienten der beiden Gruppen durchschnittlich 14,54 bzw. 12,87 mSV ab. Somit bestand kein wesentlicher Unterschied zwischen den Gruppen. Die jährlichen Strahlungsmaxima lagen bei 30,6 mSV bei den Akutpatienten und bei 36,5 mSV bei den geplant zugewiesenen.

Der Hauptanteil der Strahlung stammt laut Omar et al. von CT-Untersuchungen. So wurden die Akutpatienten über ein Jahr bei durchschnittlich 1,4 CTs mit 11,62 mSV belastet. Über die 2,56 Röntgenuntersuchungen der Harnwege erhielten die Patienten 1,81 mSV. Stoßwellenlithotripsie und Bildgebung im OP trugen mit 0,44 bzw. 0,60 mSV pro Patient und Jahr zur Strahlenbelastung bei. Hinzu kamen noch andere Strahlenquellen, etwa Renogramme.

Elektive Patienten erhielten mit durchschnittlich nur einer Untersuchung jährlich deutlich weniger CTs und wurden auch während eines operativen Eingriffs wegen Harnsteinen weniger bestrahlt. Dies schlug sich jedoch nicht in einer geringeren Gesamtstrahlenbelastung nieder.

Überwachung möglichst strahlenfrei halten

Das ALARA-Prinzip sieht vor, dass jede Bestrahlung gerechtfertigt, optimiert und so weit wie möglich begrenzt zu sein hat. In Cambridge werden daher nach Möglichkeit strahlenfreie Untersuchungsverfahren verwendet. Vor allem werden Patienten, die zur Steinbildung neigen, vorrangig mit Ultraschall überwacht. Dies gilt insbesondere auch für Kinder und schwangere Frauen.

Die Auswahl der bildgebenden Maßnahme und das Planen des weiteren Managements seien bei Steinpatienten sehr wichtig, so Omar et al. Vor allem in der Evaluierung von Kolikpatienten folgen sie den Leitlinien der American Urological Association von 2012, die den Stellenwert der niedrig dosierten NCCT betonen. Mit dieser lasse sich die effektive Strahlendosis pro Patient auf 0,5 mSV senken. Die Low-Dose-NCCT könne auch zur Überwachung von Risikopatienten dienen.

Auch bei der Fluoroskopie gibt es Möglichkeiten, die Strahlung zu reduzieren. Dazu gehört beispielsweise der Einsatz der Einzelpulsfluoroskopie. Stoßwellenlithotripsie könne statt mithilfe der Fluoroskopie auch auf der Basis von Ultraschall mit gutem Erfolg durchgeführt werden.

„In unserer Abteilung“, so die Forscher, „setzen wir Fluoroskopie nur ein, wenn wir mit Ultraschall nicht weiterkommen.“

Ein weiteres probates Mittel, um die Strahlendosis pro Patient zu senken, sei es, den Untersucher mit seiner durchschnittlichen Fluoroskopie-Zeit im Vergleich zu Kollegen zu konfrontieren. Dies habe in einer Studie zu einer 24-prozentigen Reduktion der Untersuchungsdauer geführt.

CL/springermedizin.de, Ärzte Woche 15/2015

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