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Urologie 26. Jänner 2015

Toxin besiegt Harndrang

Botulinumtoxin-A-Injektionen helfen Männern mit überaktiver Blase.

Die Injektion von Botulinumtoxin A in den Blasenmuskel kann Männern mit überaktiver Blase Hilfe bringen. Die Folge können aber hohe Restharnmengen oder Harnverhalt sein, was eine intermittierende Katheterisierung nötig macht.

Die intravesikale Injektion von Botulinumtoxin A stellte sich in einer britischen Studie als eine Erfolg versprechende Behandlungsmethode für Männer mit überaktiver Blase dar ( J Clin Urol 2014, online 12. August ).

Zur Überraschung der Wissenschaftler mussten Patienten mit Blasenauslassobstruktionen und verringerter Blasenkontraktilität nach der Behandlung mit Botulinumtoxin nicht häufiger katheterisiert werden als andere Patienten. Die Injektion von Botulinumtoxin A in den Blasenmuskel kann wie bei der neuropathischen Blase auch bei Patienten mit überaktiver Blase, bei denen konservative Maßnahmen und medikamentöse Therapieversuche mit Anticholinergika versagen, eine wirksame Hilfe darstellen.

Allerdings kann es nach der Behandlung zur Bildung hoher Restharnmengen oder Harnverhalt kommen, was eine intermittierende Katheterisierung erforderlich macht.

Katheterrisiko wurde abgeschätzt

Catherine Hobbs und Kollegen vom Royal Berkshire Hospital in Reading (UK) untersuchten, ob sich mittels urodynamischen Messungen im Vorfeld der Botulinumtoxin-Behandlung das Katheterrisiko abschätzen lässt. Da die Gefahr mit steigender Botulinumtoxin-Dosis wächst, begaben sich die Urologen auch auf die Suche nach der optimalen Dosis.

Hierzu analysierten sie die Daten von 43 Männern, die im Zeitraum zwischen den Jahren 2009 und 2013 im Royal Berkshire Hospital mit Botulinumtoxin A behandelt worden waren. 35 von ihnen litten unter einer idiopathischen überaktiven Blase, bei acht Patienten lag eine neuropathische Störung vor. Bei 71 Prozent der Patienten mit überaktiver Blase bestand eine Detrusorüberaktivität. Bei den meisten anderen wurde eine kleine Blase mit einer zystometrischen Blasenkapazität von weniger als 300 ml festgestellt. Botulinumtoxin (Onabotulinumtoxin A oder Abobotulinumtoxin A) wurde an mehreren Stellen der Blase unter Vollnarkose injiziert. Als Maßstab für den Erfolg zogen die Wissenschaftler die Patientenzufriedenheit drei Monate nach der Behandlung heran.

Urodynamische Störungen behandelt

Die Gesamterfolgsrate der Botulinumtoxin-Behandlung bei Patienten mit überaktiver Blase erreichte 51 Prozent. Bei 46 Prozent der Männer ohne und bei 55 Prozent derer mit Inkontinenz konnte eine Symptomreduktion erzielt werden. Dabei spielte die Frage, ob eine Detrusorüberaktivität vorlag oder nicht, keine Rolle für den Erfolg. Insgesamt 46 Prozent der Probanden benötigten nach der Injektion wegen akuten Harnverhalts (6 Prozent) oder zunehmender Bildung von Restharn (40 Prozent) einen intermittierenden Blasenkatheter.

Dosisabhängig mussten 47 Prozent der Patienten ohne und 44 Prozent mit Blasenauslassobstruktion katheterisiert werden. Bei 48 Prozent der Männer mit einem Blasenkontraktionsindex (BCI) kleiner oder gleich 120 und bei 40 Prozent mit einem Blasenkontraktionsindex oberhalb von 120 wurde die Katheterisierung erforderlich.

Zu Therapiebeginn empfehlen Hobbs und Kollegen eine Dosierung von 100 Units. Es solle aber schon vor dem Eingriff mit den Patienten eine mögliche Wiederholung der Prozedur in höherer Dosierung besprochen werden, falls nach dem ersten Versuch keine deutliche Symptombesserung eintrete. Die urodynamischen Messungen im Vorfeld der Botulinumtoxin-Injektion konnten in dieser Studie, anders als bei anderen Untersuchungen, nicht als Anhaltspunkt für das Katheterrisiko dienen. Patienten sollten sich im Vorfeld des Eingriffs darüber klar sein, dass hiervon fast jeder zweite Behandelte betroffen ist. Insgesamt zeigte sich dennoch Zufriedenheit: 72 Prozent der Patienten mit Symptombesserung gaben an, sie würden die Behandlung wiederholen lassen, schreiben die Studienautoren.

Originalpublikation:

Hobbs et al. Journal of Clinical Urology August 12, 2014

DOI 10.1177/2051415814546034

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