zur Navigation zum Inhalt
© Image Source / Science Photo Library
Laut Studienautoren besteht kein Rezidivrisiko bei Männern, deren PSA-Wert nach einer radikalen Operation stabil niedrig bleibt.
 
Urologie 16. Juni 2014

Abwarten erlaubt?

Bei Männern, deren PSA-Wert nach radikaler Operation leicht ansteigt, sind weitere Behandlungen nicht zwingend notwendig.

Wenn nach radikaler Prostatektomie das prostataspezifische Antigen (PSA) in den unteren messbaren Bereich ansteigt, ist dies nicht gleichbedeutend mit einem erhöhten Rezidivrisiko. Entscheidend ist dafür der PSA-Verlauf.

Reicht es, Prostatakarzinompatienten zu überwachen, wenn nach radikaler Operation das PSA wieder nachweisbar wird, den Grenzwert für ein biochemische Rezidiv (PSA = 0,2 ng/ml) aber noch unterschreitet? Das kommt darauf an, meinen Ärzte um Dmitry Koulikov vom Roswell Park Cancer Institute in New York. „Bei Männern, deren PSA stabil niedrig ist, kommt es nicht zur Krankheitsprogression. Sie zu beobachten, ist sicher.“ Anders bei Männern mit instabilen Werten: „Sie entwickeln biochemische Rezidive. Bei ihnen kann eine Salvage-Radiotherapie bei kleinerem Tumorvolumen begonnen werden.“

Diese Einschätzung der New Yorker Urologen stützt sich auf die Auswertung von 566 Krankenakten ihrer Klinik. Die Patienten hatten sich zwischen 1993 und 2008 einer radikalen Prostatektomie unterzogen und waren entsprechend ihrer PSA-Werte in den nachfolgenden drei Jahren in drei Gruppen eingeteilt worden:

1. Nicht nachweisbar:

PSA = 0,03 ng/ml

2. Niedrig und stabil:

PSA > 0,03 und < 0,2 ng/ml; keine zwei Anstiege in Folge und/oder PSA-Anstiegsgeschwindigkeit (PSAV) < 0,05 ng/Jahr

3. Niedrig und instabil:

PSA > 0,03 und < 0,2 ng/ml; zwei Anstiege in Folge und/oder PSAV = 0,05 ng/Jahr

Von den Patienten der Gruppe 1 (n = 419) überlebten 95 Prozent die ersten sieben Jahre ohne biochemisches Rezidiv. Ebenso gute Aussichten hatten die Patienten der Gruppe 2 mit stabil niedrigen Werten (n = 93) mit einer rezidivfreien Überlebensquote von 94 Prozent. In der Gruppe 3 mit instabilem PSA (n = 54) war dies bloß 37 Prozent der Patienten vergönnt.

Stabil niedriger PSA-Wert ohne Risikosteigerung

Nach einem Datenabgleich von anderen Risikofaktoren waren letztlich nur vier Parameter zur Vorhersage eines biochemischen Rezidivs tauglich: Gleason-Score, Tumorstadium, chirurgische Ränder – und die PSA-Gruppe. Die Chance, in den nächsten drei Jahren ohne biochemisches Rezidiv zu bleiben, war mit nicht detektierbarem PSA gut 15-mal so hoch wie mit niedrigem instabilem PSA-Werten. Zwischen den Gruppen mit nicht messbarem und mit stabilem PSA bestand dagegen kein Unterschied.

„Patienten mit stabil niedrigen PSA-Werten verhalten sich wie Patienten mit einem PSA-Spiegel unter der Nachweisgrenze“, schließen Koulikov und Kollegen. Diesen Männern könne und solle man Angst, Toxizität und Kosten einer weiteren Behandlung ersparen. Die Ärzte um Koulikov weisen allerdings einschränkend darauf hin, dass ihre Studie eine zu kurze Laufzeit hatte, um einen Zusammenhang zwischen einem Anstieg des PSA auf Werte < 0,2 ng/ml und dem krebsspezifischen Überleben erkennen zu können.

Originalpublikation: Koulikov D et al. Low detectable PSA after radical prostatectomy: treat or watch? J Urol 2014

springermedizin.de, Ärzte Woche 25/2014

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben