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Urologie 21. Februar 2014

Schützt ASS vor Prostatakrebs?

NSAID-Einnahme geht mit einem erhöhten Prostatakrebsrisiko einher – mit Ausnahme von Acetylsalicylsäure.

In Prostatakarzinomen ist das Enzym Cyclooxygenase 2 (COX-2) überexprimiert. Ob die Einnahme nicht steroidaler Entzündungshemmer (NSAID) vor der Krebsentwicklung schützt, ist unklar. Jetzt gerät Acetylsalicylsäure (ASS) in den Fokus.

In einer bevölkerungsbasierten Untersuchung in Finnland wurde die Einnahme COX-2-hemmender NSAID bei allen zwischen 1995 und 2002 neu diagnostizierten Prostatakrebspatienten sowie nach Alter und Wohnort gematchten Kontrollpersonen untersucht. Insgesamt 24.657 Fall-Kontroll-Paare standen zur Verfügung ( Veitonmäki T et al.: Eur J Cancer 2013 ).

53,8% der Prostatakrebspatienten und 46,5% der Kontrollpersonen hatten NSAID erhalten, 8,1 bzw. 7,9% ASS. Jede NSAID-Einnahme ging mit einem erhöhten Prostatakrebsrisiko einher, verglichen mit Nicht-Einnahme (OR 1,3); das Risiko für ein fortgeschrittenes Prostatakarzinom nahm noch deutlicher zu (OR 1,6). Auch bei Berücksichtigung der kumulativen COX-2-Inhibition blieb es erhöht.

In einer separaten Analyse fand sich eine Risikoerhöhung für jedes NSAID – mit einer Ausnahme: ASS senkte das Prostatakrebsrisiko (OR 0,9). Dieser Effekt war dosisabhängig, was für einen kausalen Zusammenhang sprechen könnte. Eine Assoziation mit dem Auftreten fortgeschrittener Prostatakarzinome war jedoch nicht nachweisbar.

Auch In-vitro-Untersuchungen legen eine kausale protektive Rolle von ASS nahe, denn in therapeutischen Konzentrationen hemmte die Substanz das Wachstum von Prostatakrebszellen. Die jetzt beobachtete Abnahme des Prostatakrebs-Risikos um zehn Prozent unter ASS ist mit den Ergebnissen vorangegangener epidemiologischer Studien vergleichbar.

Fazit: Die Einnahme von NSAID ist auf Bevölkerungsebene mit einem erhöhten Prostatakrebsrisiko assoziiert, unabhängig von der COX-2-Inhibition. Das lässt sich wohl mit grundsätzlichen Unterschieden zwischen NSAID- und Nicht-NSAID-Benutzern erklären. Dagegen geht die Einnahme von ASS dosisabhängig mit einem verminderten Prostatakrebs-Risiko einher. Dieser Zusammenhang sollte in weiteren Studien genauer analysiert werden.

springermedizin.de, Ärzte Woche 9/2014

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