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Urologie 1. Februar 2011

Österreichische Patienteninformationsmaterialien zu PSA-Screening entsprechen nicht internationalen evidenzbasierten Standards

GRUNDLAGEN: Aufgrund der wissenschaftlich unklaren Studienlage wird PSA(Prostata-spezifisches Antigen)-Screening von den meisten internationalen Leitlinien nicht als Routineuntersuchung zur Früherkennung von Prostatakarzinomen empfohlen. PSA-Screening sollte erst nach genauer Diskussion der Vor- und Nachteile mit Männern, die diese Art der Krebsfrüherkennung in Erwägung ziehen, durchgeführt werden. Um eine solche informierte Entscheidung erreichen zu können, ist es daher wichtig, dass ausgewogene und evidenzbasierte Information über Vor- und Nachteile von PSA-Screening zur Verfügung steht. Ziel unserer Studie war es, alle in Österreich zur Verfügung stehenden Patienten-Informationssmaterialien über PSA-Screening auf ihren evidenzbasierten Inhalt, sowie ihre Eignung, eine Grundlage für informierte Entscheidungen zu bieten, zu prüfen. METHODIK: Um möglichst alle in Österreich verfügbaren Patienten-Informationsmaterialien zu PSA-Screening zu erhalten, kontaktierten wir universitäre Institutionen, öffentliche Einrichtungen, Selbsthilfeorganisationen, Standesvertretungen und industrielle Unternehmen, die sich in Österreich mit PSA-Screening beschäftigen oder dieses anbieten. Zusätzlich führten wir gezielte Suchen in Google durch. Zwei Personen evaluierten unabhängig voneinander die Qualität der erhaltenen Materialien nach adaptierten Kriterien des UK (United Kingdom) General Medical Councils. ERGEBNISSE: Insgesamt wurden 17 Informationsmaterialien evaluiert. Keines der untersuchten Materialien erfüllte alle für eine informierte Entscheidungsfindung notwendigen Kriterien. Die inhaltlich beste Informationsbroschüre entsprach nur 57 % der untersuchten Qualitätskriterien. Mehr als die Hälfte der untersuchten Informationsbroschüren erfüllten weniger als 50 % der Qualitätskriterien. Alle untersuchten Broschüren betonten den potentiellen Nutzen von PSA-Screening, nur 35 % berichteten jedoch auch über den möglichen Schaden. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Die derzeit in Österreich vorhandenen Informationsmaterialien zu PSA-Screening sind einseitig und entsprechen nicht internationalen Standards. Sie können daher keine ausreichende Basis für eine informierte Entscheidungsfindung über PSA-Screening bieten.

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