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Die Dame setzt auf die flexiblen Barfußlaufschuhe in Pinz auf der Brooklyn Bridge, New York.
 
Sportmedizin 6. Februar 2014

Minimalismus beim Joggen

Mehr Verletzungen und Schmerzen in Barfuß-Laufschuhen.

Wer beim Joggen mehr Boden unter den Füßen spüren will, muss für diesen ursprünglichen Genuss möglicherweise ein höheres Verletzungsrisiko in Kauf nehmen. Zudem treten in extrem minimalistischen Laufschuhen häufiger Schmerzen auf.

Trotz aller Natürlichkeit scheinen Läufer in minimalistischen Schuhen einem erhöhten Verletzungsrisiko zu unterliegen, und je minimalistischer die Fußbekleidung, um so mehr Schmerzen stellen sich offenbar in Schienbein und Wade ein. Lange Zeit hat man bei Laufschuhen auf Stütze und Dämpfung gesetzt. Jetzt ist alles anders. Seit einigen Jahren gilt: Back to the roots. Immer mehr Läufer bevorzugen ein natürliches Laufgefühl in möglichst minimalistischen Modellen.

Kennzeichen solcher Schuhe sind unter anderem eine dünnere Zwischensohle, eine geringere Absatzhöhe und mehr Flexibilität der Zwischensohle im Bereich des Vorderfußes. Die hohe Flexibilität soll die Laufdynamik fördern. Dabei ist noch nicht wirklich genau definiert, welche Schuhe sich tatsächlich als minimalistische oder Barfuß-Laufschuhe bezeichnen dürfen.

Während diese Diskussion noch läuft, haben Michael Ryan von der Griffith University in Southport und seine australischen und kanadischen Kollegen schon einmal untersucht, welche Folgen der Trend in Sachen Verletzungen und Schmerz für die Freizeitläufer haben kann (BJSM 2013; online 19. Dezember). Hierzu zogen sich 103 Männer und Frauen zwischen 19 und 50 Jahren ohne oder mit nur leichter Pronation einen von drei verschiedenen Schuhtypen an.

Normale Laufschuhe schnitten am besten ab


Die Sportler mit mindestens fünfjähriger Lauferfahrung griffen entweder zu einem konventionellen Neutral-Laufschuh (Nike Pegasus 28) mit guter Dämpfung, einem gemäßigten Minimalisten (Nike Free 3.0 V2) mit flexiblen Kerben an der Sohle oder einem extrem minimalistischen Schuh (Vibram Five Fingers, Barfußschuh), bei dem jeder Zeh in einer separaten Garage platziert wird und eine Vibramsohle dem Fuß zwar Schutz, aber keine Dämpfung bietet. Die Sportler absolvierten ein zwölfwöchiges Trainingsprogramm, an dessen Ende ein 10-km-Lauf stand.

Die 99 Läufer, die in der Abschlussanalyse berücksichtigt wurden, hatten insgesamt 23 Verletzungen. Diese waren definiert als laufbedingte Schmerzen, aufgrund derer der Läufer an den darauf folgenden drei Trainingseinheiten nicht teilnehmen konnte.

Am niedrigsten war die Verletzungsquote bei den Normalschuhträgern, am höchsten bei den gemäßigten Minimalisten (vier vs. zwölf Verletzungen). In der Gruppe der extremen Barfußschuhläufer, die den Vibram Five Fingers trugen, ereigneten sich sieben Verletzungen. Außerdem berichteten Letztere signifikant häufiger über Schmerzen an Schienbein und Wade als die Läufer der beiden anderen Gruppen.

Die Autoren vermuten, dass die höhere Verletzungsrate bei den Nike-Free-Trägern im Vergleich zu den 5-Finger-Schuhen mit der partiellen Reduktion der Zwischensohle zusammenhängt. Durch die teilweise noch vorhandene Dämpfung könnte sich die Laufdynamik trotz hoher Flexibilität dennoch nicht so verändern wie bei dem extremen Barfußschuh.

Ärzte sollten aufgrund des möglicherweise höheren Verletzungsrisikos, so die Autoren, vorsichtig sein mit der Empfehlung von Barfuß-Laufschuhen für ihre Patienten. Ob dieses Risiko, sofern es sich in größeren Studien bestätigt, durch ein entsprechendes Training und nach Gewöhnung an die neue Laufart verringert werden kann, ist bislang offen.

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