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Psychiatrie und Psychotherapie 1. September 2016

Schizophrene Erkrankungen. Hirnveränderungen nicht medikationsbedingt

Bei Patienten mit schizophrener Erkrankung wurde untersucht ob Hirnveränderungen Folge der Erkrankung  oder einer langjährigen Medikation sind.

Eine  chinesische  Arbeitsgruppe widmete sich der Frage, ob bei Patienten, die langjährig unter einer schizophrenen  Erkrankung  leiden,  jedoch  noch  nie medikamentös  behandelt   worden sind, spezifische morphologische  Auffälligkeiten  des  Gehirns  feststellbar sind. In früheren Untersuchungen musste letztlich offen bleiben, ob die beschriebenen Auffälligkeiten Folge der Erkrankung oder einer langjährigen Medikation waren. Mithilfe von T1 gewichteten, hochauflösenden  MRT-Schnitten  wurden  25  Patienten,  die  seit  fünf  bis  47  Jahren   unter einer schizophrenen Erkrankung litten  und  bisher  nicht  medikamentös  behandelt worden waren, im Vergleich zu 33 gesunden Kontrollpersonen untersucht. Der Durchmesser des Kortex und das Volumen der grauen Substanz wurden verglichen. Im Fall von signifikanten  Gruppenunterschieden  wurde   unter  Berücksichtigung  von  altersabhängigen Effekten untersucht, ob sich  in der Gruppe der Patienten mit schizophrenen Erkrankungen eine signifikant  stärkere  Abnahme  der  genannten  Parameter nachweisen lässt. In  der  Gruppe  der  schizophrenen  Patienten  fiel  in  mehreren Hirnarealen   eine  signifikant  verminderte  Kortexdicke auf (ventromedialer präfrontaler Kortex, linker Gyrus temporalis superior, Pars triangularis rechts). Die Auswertung ergab Hinweise auf eine beschleunigte altersabhängige Verdünnung der kortikalen Schichten in den genannten Hirnregionen,  während  dieser  Prozess   im  Bereich  des  linken  Globus  parietales superior eher verlangsamt erschien. Auch  im  Hinblick  auf  das  Volumen  der  grauen  Substanz  ergab  sich  ein   differenziertes  Bild:  höhere  Werte  im   Bereich  des  Putamens  beidseits  und  geringere  Volumina  im  rechten  Gyrus   temporalis,  wenn  die  Gruppe  der  Patienten  mit  der  Kontrollgruppe  verglichen wurde. Eine Veränderung der altersbedingten Verschiebungen konnte  im  Hinblick  auf  die  graue  Substanz   nicht festgestellt werden. Das Hauptergebnis, nämlich die beschleunigte altersabhängige Abnahme der prä  frontalen und temporalen kortikalen  Schichten  deuten  darauf  hin,  dass  es  im  Rahmen  einer  schizophrenen  Erkrankung  zu  progressiven  neurodegenerativen Prozessen kommt, die  aber auf spezifische Hirnregionen beschränkt bleiben und die nicht auf eine langjährige  medikamentöse  Behandlung zurückgeführt werden können.

Literatur   

1.  Zhang W et al. (2015) Brain structural abnormalities in a group of never-medicated  patients with long-term schizophrenia. Am  J Psychiatry 172(10):995–1003. doi:10.1176/ appi.ajp.2015.14091108

Quelle:  InFo Neurologie &  Psychiatrie 2016;  18(2) ̧ Springer  Medizin (2016) DOI:  10.1007/s15005-016- 1633-8

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