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ADHS - Psychotherapie und Methylphenidat

Erwachsene ADHS-Patienten wurden mit verschiedenen Formen von Psychotherapie behandelt.  Der Erfolg war davon abhängig, ob die Patienten zusätzlich Methylphenidat erhalten hatten. 

Das Team um Prof. Alexandra  Philipsen, Leiterin der Oldenburger Universitätsklinik für Psychiatrie und  Psychotherapie, hat 419 Patienten im  Alter zwischen 18 und 58  Jahren, die  eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) aufwiesen,  im Zuge der „Comparison of Methylphenidate and Psychotherapy in Adult  ADHD Study“ (COMPAS) auf vier Therapiearme randomisiert. Die Probanden  erhielten entweder eine kognitive Verhaltenstherapie in Gruppen von sechs  bis neun Personen oder ein allgemeines klinisches Management mit Einzelangeboten für beratende Gespräche, bei denen die Patienten die Themen  setzten. Diese beiden Therapiearme  wurden weiter geteilt, indem die Probanden zusätzlich entweder täglich ein Placebo oder Methylphenidat erhielten.

Primärer Endpunkt der Studie, die sich über ein Jahr erstreckte und während der ersten drei Monate wöchentliche, danach monatliche Therapiesitzungen vorsah, waren die  Veränderungen im ADHS-Index der Conners Adult ADHD Rating Scale. Am Ausgangspunkt der Studie lag der Indexwert im Mittel bei 20,6  Punkten (von schlechtestenfalls 36). Nach drei  Monaten war der Wert auf 17,6 Punkte unter der Gruppenpsychotherapie bzw. 16,5 Punkte unter dem klinischen Management gesunken. Die  Differenz war nicht signifikant. Im Ver - gleich der Patienten, die Methylphenidat erhielten, mit jenen unter Placebo  war hingegen mit 16,2 vs. 17,9 Punkten ein signifikanter Unterschied festzustellen.

Alle Effekte verhielten sich über den einjährigen Studienzeitraum hinweg stabil. Signifikante Differenzen zwischen Methylphenidat- und Placebo-Patienten waren auch innerhalb der Psychotherapiegruppen zu verzeichnen. Unter der kognitiven Gruppentherapie fiel das Ergebnis nach einem Jahr 14,9 zu 16,4 zugunsten des  Amphetaminderivats aus, beim klinischen Management lautete das Resultat 14,6 zu 17,5.

„Unseres Wissens ist COMPAS die erste Studie, die unter kontrollierten  Bedingungen einen Langezeiteffekt von ADHS-Therapien gezeigt hat“, resümieren Philipsen und Mitarbeiter. Die Daten legten nicht nahe, dass  eine spezifisch angepasste und hoch strukturierte Gruppenpsychotherapie  dem in der Praxis viel einfacher ein - zurichtenden individuellen Management überlegen wäre. „Psychologische Interventionen führen aber zu  besseren Ergebnissen“, so die Forscher  weiter, „wenn sie mit Methylphenidat –  im Vergleich zu Placebo – kombiniert  werden.“

Literatur Philipsen A et al.: Effects of group psychotherapy, individual counseling, methylphenidate, and placebo in the treatment of adult ADHD.  JAMA Psychiatry 2015, online 4. November;  doi: 10.1001/jamapsychiatry.2015.2146   

Quelle:  www.springermedizin.de ,  Autor: Robert Bublak

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