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Psychiatrie und Psychotherapie 22. Dezember 2015

Biologische Grundlagen des Problematischen Internetnutzungsverhaltens (PIN) und therapeutische Implikationen

Exzessive Mediennutzung und Internetabhängigkeit sind ein wichtiges gesellschafts- und gesundheitspolitisches Thema der heutigen Zeit, auch wenn die phänomenologische Einteilung von Verhaltenssüchten, wie dem problematischen Internetnutzungsverhalten (PIN), nach wie vor umstritten ist. Die Erforschung von neurobiologischen Mechanismen und biologischen Risiko- und Vulnerabilitätsfaktoren von Verhaltenssüchten hat in den letzten Jahren eine zunehmende Bedeutung in der Wissenschaft erlangt und kann wesentlich zur Verbesserung von bestehenden Therapieansätzen beitragen. Aktuelle neurowissenschaftliche Befunde gehen davon aus, dass bei Verhaltenssüchten ähnliche neurobiologische Mechanismen verantwortlich sind wie bei substanzgebundenen Süchten.

Im vorliegenden Übersichtsartikel sollen bisherige bildgebende Studien zu strukturellen und funktionellen Veränderungen im Gehirn sowie Untersuchungen zu genetischen Risikofaktoren bei Personen mit PIN vorgestellt werden. Dabei weisen erste neurowissenschaftliche Studien auf beeinträchtigte Funktionen im präfrontalen Cortex bei PIN hin, die möglicherweise durch eine geringere Verfügbarkeit des Neurotransmitters Dopamin verursacht werden. Des Weiteren soll der aktuelle Stand der Forschung zu verschiedenen psychologischen/psychotherapeutischen und medikamentösen Therapieansätzen dargestellt werden. Derzeit ist die Datenlage in Bezug auf verschiedene Therapieansätze bei PIN jedoch noch unzureichend um klare evidenzbasierte Behandlungsleitlinien aufzeigen zu können.

Summary

The repetitive excessive use of internet has led to an increasing number of reports about the negative consequences of overuse and is now viewed as an important public health issue, although the diagnosis of internet addiction remains problematic. Increasing knowledge about the neurobiological mechanism of behavioral addictions will promote future research and is essential for the development of specific and effective treatment. Growing evidence suggests that the neurobiological substrates and pathways of internet addiction resemble those of substance dependency and other forms of behavioral addictions.

This paper reviews the current neuroimaging findings and genetic influencing factors for problematic internet use (PIN)/internet addiction. Recent evidence from neuro-scientific studies has pointed out that certain dysfunctions in the prefrontal cortex possibly driven by impaired dopamine neurotransmission are related to symptoms of internet addiction. Finally the literature on psychological and pharmacological interventions for internet addiction will be discussed. However, due to a lack of methodological sound treatment studies in this field it is currently impossible to recommend any evidence-based treatment of internet addiction.

Kathrin Bauernhofer, Ilona Papousek, Andreas Fink, Human Friedrich Unterrainer, Elisabeth M. Weiss, Neuropsychiatrie 4/2015

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