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Psychiatrie und Psychotherapie 23. November 2015

Traumata im Kindesalter

PTBS begünstigen das Entstehen von Autoimmunerkrankungen.

Traumata im Kindesalters können das Substrat sein, auf dem psychische Störungen gedeihen. Psychotherapie ist auf molekulare Ebene wirksam.

Traumatische Ereignisse wie Todesangst und Gewalt können die eigenen Bewältigungsstrategien übersteigen. Betroffenen gelingt es nicht, sich aus den schrecklichen Erinnerungen zu befreien, schreibt Dr. Peter Stiefelhagen in der Zeitschrift MMW (05/2015). Posttraumatische Belastungsstörungen können zu Depression, Angststörungen, Suchtkrankheiten und Suiziden, zu chronischen Schmerzen, kardiovaskulären, metabolischen und immunologischen Krankheiten bis hin zu Malignomen führen.Im Kindesalter ist das Gehirn besonders sensitiv für eine erfahrungsgesteuerte Plastizität. Wenn eine Erfahrung hoch-aversiv und nicht altersadäquat ist, wird die Repräsentation im Gehirn verringert. „Eine solche kortikale Adaptation kann protektiv sein und das Kind schützen“, wird die Psychologin Prof. Dr. Christine Heim zitiert. Doch im Erwachsenenalter könne diese „Verdünnung“ ein biologisches Substrat für psychische Störungen sein. Traumatischer Stress reduziert die zytotoxischen T-Zellen. Gleichzeitig treten vermehrt DNA-Schäden in den Immunzellen auf. Auch die regulatorischen T-Zellen nehmen ab. Der entscheidende Faktor sei die Anzahl der erlebten traumatischen Ereignisse. Das Risiko für eine PTBS ist auch genetisch determiniert: Gene beeinflussen die Folgen eines Traumas auf Stressreaktivität, Immunsystem, Hirnstrukturen und -funktionen. Genetische Faktoren sind dafür verantwortlich, ob eine traumafokussierte Psychotherapie erfolgreich ist. Diese mindert die DNA-Schäden an den Immunzellen und erhöht die Zahl der regulatorischen T-Zellen.

springermedizin.de, Ärzte Woche 48/2015

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