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„Wie träumen, wenn ich nachts nicht schlafen kann?“ Zur aktuellen Bedeutung der Träume für die Praxis der Psychoanalyse

Ein gegenüber der freudschen Tradition anderer und häufig auch verminderter Umgang mit Träumen in der klinischen Arbeit innerhalb des psychoanalytischen Mainstreams ist schon seit längerer Zeit zu beobachten. Dafür sind sowohl fachinterne als auch externe Faktoren verantwortlich zu machen. In Zusammenhang mit einem allgemeinen Mentalitätswandel unter den Bedingungen einer auf Genießen ausgerichteten materialistisch-kapitalistischen Gesellschaftsordnung und unter dem Einfluss von aktuellen biologistisch orientierten Wissenschaftsparadigmen (Stichwort: Neurowissenschaften) ist es zu einer Schwerpunktverschiebung vom Traum zum Träumen und damit von der Trauminterpretation zur naturwissenschaftlichen Traumforschung als neuronalem Verrechnungsvorgang gekommen, was auch das psychoanalytische Dispositiv mit seinem spezifischen Diskurs nicht unbeeinflusst gelassen hat. Die Gegenbewegung einer psychologisch-empirischen Traumforschung hat allerdings dazu geführt, dass im psychoanalytischen Therapiekontext der Traum den Status eines Königsweges zum Unbewussten verloren hat und dass er weniger als ein zu deutender Text, sondern vielmehr als Beziehungsdefinition zwischen Analytiker und Analysiertem innerhalb eines intersubjektivistischen Übertragungskonzepts betrachtet wird. Damit werden ich-psychologische Positionen neu besetzt, die analog zur Traumforschung unter szientistischen Laborbedingungen den grundsätzlich irrationalen und enigmatischen Traum „entzaubern“ und danach trachten, das spontane Traumgeschehen einer bewussten Manipulation zu unterziehen. Mit Lacans Programm einer Rückbesinnung auf Freud und auf die Quellen der Psychoanalyse wird hingegen ein Umgang mit dem Traum gefördert, der ihm zum Wohle der Behandlung wieder eine privilegierte Position innerhalb des analytischen Materials zuweist und bei dessen Interpretation die Signifikantenfunktion der Traumelemente stärkere Beachtung findet.

Abstract

A vis-à-vis Freudian tradition different and often also lesser treatment of dreams in clinical work within psychoanalytic mainstraim has been to be observed a while now. Reasons for that are to be found in internal as well as external factors. On the one hand, change of minds and hearts under the conditions of a hedonistic oriented materialistic-capitalistic social order under the influence of biologistic-reductionistic research paradigms (neuro sciences) caused a shift from the dream to dreaming and with that from the interpretation of dreams to physiological dream research as a neuronal act of computation, which has not even left untouched the psychoanalytic dispositiv with it’s specific discourse. The counteract in form of a psychological-empirical dream research however lead for the dream to the loss of the status of the via regia to the unconscious and it is not anymore a to be interpreted text, but a definition of the relationship between the analyst and his or her client within the intersubjective transference. With that ego-psychological positions are newly defined as is dream research under scientific-like conditions demystifying the irrational and enigmatic dream and is eager to manipulate consciously the spontanous dream events. However, with Lacans return to Freud and the sources of psychoanalysis the handellling of dreams is favoured that in favour of the treatment gives it back it’s original priviledged position within analytical material and for it’s interpretation the significant function of the dream elements become obvious again.

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