zur Navigation zum Inhalt
© Federico Caputo/iStock/Thinkstock
Irgendwann geht gar nichts mehr.
 

Burnout-Syndrom

Für ein Leben im Gleichgewicht

Burnout-Patienten leiden unter totaler Erschöpfung. Zumeist haben sie sich beruflich über lange Zeit besonders stark engagiert. Nun sind sie leer und ausgebrannt. Noch vor Jahren galten Mediziner und Krankenpflegepersonen als besonders gefährdet. Heute weiß man: Das Burnout-Syndrom kann in jedem Beruf und jeder Lebenslage auftreten, und es werden immer mehr, die davon betroffen sind.

Der Begriff „Burnout“ ist freilich unter Experten umstritten und wird heute ziemlich inflationär verwendet. Jedenfalls gilt das Burnout-Syndrom bis heute nicht als eigenständige Erkrankung, sondern ist in der ICD-10, der internationalen Diagnoserichtlinie der Weltgesundheitsorganisation, als Faktor, der den Gesundheitszustand beeinflusst, eingestuft. Betroffene befinden sich in tiefen Sinnkrisen und Überforderung. Die Folge ist ein schwerer Erschöpfungszustand mit seelischen und körperlichen Beschwerden. Unter dem Sammelbegriff Burnout finden sich etwa 130 verschiedene Symptome. Sie reichen von psychischen Beschwerden wie emotionale Erschöpfung, einem Gefühl der Wertlosigkeit und Sinnverlust bis hin zu körperlichen Beschwerden wie Kopfschmerz, Herzrasen und Magen-Darm-Problemen.

Der Weg in den „Abgrund“ erfolgt langsam und zunächst kaum merklich. Zunächst können die Betroffenen nach der Arbeit oder nach Belastungen nicht mehr abschalten. Schlafstörungen sind daher unter den ersten Warnsignalen. Als Folge lassen Gedächtnisleistung und Konzentrationsfähigkeit nach. Zunehmend gerät das Leben aus dem Gleichgewicht. Dennoch sind Menschen in dieser ersten Phase noch sehr engagiert und hoch aktiv.

Häufig folgt eine Phase der Gereiztheit, für die Stimmungsschwankungen, Ärger und Angst typisch sind und schließlich einfache Entscheidungen schwerfallen. Gleichgültigkeit und Leere sind in einem weiteren Schritt charakteristisch für die völlige Erschöpfung. Sehr viele Symptome eines Burnouts sind nicht von jenen einer Depression zu unterscheiden.

Arbeiten trotz Erschöpfung

Das Phänomen „Burnout“ hat in den vergangenen Jahren zugenommen – äußere Krisen und persönliche Überforderung in einem immer weitmaschiger werdenden sozialen Netz bedeuten eine Konstellation, die für viele Menschen nicht mehr aus eigener Kraft bewältigbar scheint. Zeit zur ausreichenden Regeneration ist für viele Betroffene nicht vorhanden und so arbeiten sie weiter, auch wenn es ihnen nicht gut geht.

In der Stress- und Erschöpfungsfalle

Stress alleine reicht nicht aus, um an einem Burnout-Syndrom zu erkranken. Auch die persönliche Einstellung ist wichtig. Daher sind Menschen, die an sich selbst und ihre Umwelt besonders hohe Ansprüche stellen, besonders gefährdet. Die Fähigkeit, sich selbst und anderen Grenzen zu setzen, fehlt diesen Menschen meist. Andauerndes Engagement aber wirkt auf die Dauer extrem schwächend. Bleibt der Erfolg trotz intensivem Einsatz aus, steigt das Gefühl der Sinnlosigkeit und Frustration und es erfolgt der Rückzug aus dem sozialen und öffentlichen Umfeld.

Das Leben ändern

Chronische Erschöpfung verschwindet nicht von alleine wieder. Betroffene benötigen professionelle Hilfe, wobei vor allem eine Psychotherapie zur Bewältigung sinnvoll ist. Ein neuer Umgang mit dem Alltag ist das Ziel, das sich aus drei Hauptkomponenten zusammensetzt: Dem Erlernen von Strategien zur Bewältigung und zur Vermeidung von Stress, dem Zulassen von Erholungsphasen und eine veränderte Einstellung zur eigenen Arbeit und Leistung. Die Ansprüche an sich selbst und andere müssen relativiert werden.

Solch eine Umstellung braucht Geduld und Zeit – und das ist schon der erste Schritt zum Erfolg. Auf dem Weg dorthin kann ein Kuraufenthalt eine wichtige Maßnahme sein, wo die Betroffenen lernen, loszulassen und zur Ruhe zu kommen. Die medikamentöse Behandlung des Burnouts ist dagegen in der Fachwelt umstritten. Zu den eingesetzten Substanzen zählen Antidepressiva, Anxiolytika und stimmungsaufhellende Antiepileptika. Zumeist werden sie nur für kurze Zeit gegeben.

Achtsam mit sich selbst

Im Alltag kann ein fester Tagesablauf mit Pausen und Erholungsphasen eine hilfreiche Stütze für den Weg zurück sein. Spaziergänge an der frischen Luft oder Entspannungstechniken, wie etwa Autogenes Training, Yoga oder Tai Chi unterstützen die Aufmerksamkeit für die eigene Person. Aber auch tiefes Durchatmen und einfaches Ausstrecken können kurzfristig für Erleichterung sorgen. Der passende Ausgleich ist freilich je nach Persönlichkeit unterschiedlich. Ritualisierte Handlungen erleichtern das körperliche und geistige Loslassen von stressreichen Situationen.

Die Beratung in der Apotheke kann von Entspannungsübungen über Kräutertees, in aller Ruhe und zu besinnlicher Musik genossen, oder andere pflanzlichen Zubereitungen, Duftlampen mit wohltuenden Aromaölen oder ein entspannendes Schaumbad führen. Hobbys und sportliche Aktivitäten schaffen einen körperlichen und psychischen Ausgleich, wobei diese Aktivitäten selbst nicht in ein Übermaß und erneuten Stress ausufern sollten.

springer-gup.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben