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QTc Veränderungen bei intravenöser Akutsedierung mit Haloperidol, Prothipendyl und Lorazepam

Anliegen: Die spezifische Sedierung von akut psychotischen Patienten mittels i. v. Gabe von Haloperidol wird aufgrund der kardialen Nebenwirkungen basierend auf der QTc verlängernden Eigenschaft des Medikaments kritisch gesehen. Diese Entwicklung kumuliert in der Tatsache, dass der Hersteller die i.v. Gabe von Haloperidol nicht mehr empfiehlt. Da Haloperidol weiterhin die einzige i.v. Formulierung eines hochpotenten Neuroleptikums ist und die i.v. Gabe in der Akutsituation große Vorteile aufweist, soll unsere Untersuchung die QTc Verlängerung von Haloperidol i.v., aber auch von Prothipendyl i.v., einem niedrigpotenten Neuroleptikum zur unspezifischen Sedierung, im Vergleich zu Lorazepam i.v. unter naturalistischen Bedingungen objektivieren.

Methoden: Alle akuten spezifischen i.v. Sedierungen an unserer Abteilung werden nach einem festgelegten Schema mittels EKG monitiert und dokumentiert. Über einen Zeitraum von 3 Jahren wurden bei jeder nach diesem Schema durchgeführte Intervention die QT Zeiten sowie Herzfrequenzen in den EKG Ausdrucken händisch nachgemessen und die QTc Zeiten nach der Formel von Bazett berechnet. Da keine Normalverteilung der Stichproben angenommen werden konnte (kleine Stichprobengrößen, schiefe Verteilungen, Ausreißer), wurden verteilungsfreie (nicht-parametrische) Tests gerechnet.

Ergebnisse: 99 Patienten wurden in die Untersuchung eingeschlossen. Je nach verabreichter i.v. Medikation wurden die Patienten in Gruppen eingeteilt. Eine signifikante Verlängerung der QTc Zeit gegenüber der Lorazepam-Kontrollgruppe zeigte einerseits die Gruppe der Patienten, die sowohl Haloperidol als auch Prothipendyl erhielten, andererseits die Patienten, die nur Prothipendyl i.v. erhielten, nicht aber die Haloperidol-Patienten. Wurden auch die Patienten in die Gruppen mit eingeschlossen, die zusätzlich zur Haloperidol/Prothipendyl Kombination, sowie Haloperidol- und Prothipendyl-Monotherapie auch Lorazepam i.v. erhalten hatten, zeigten sich vergleichbare Signifikanzen, wobei hier auch die QTc Verlängerung der Haloperidol/Prothipendyl Kombination gegenüber der Haloperidol-Monotherapie signifikant war.

Schlussfolgerungen: Unsere Zahlen zeichnen die bekannte Tatsache der QTc Verlängerung durch Haloperidol i.v. nach, wobei diese Verlängerung sich allerdings für Prothipendyl i.v. deutlich ausgeprägter zeigt. Eine Kombination aus Haloperidol und Prothipendyl verlängert die QTc Zeit am stärksten, was vermutlich als Dosiseffekt gewertet werden kann. Aus unserer Sicht ist, bei einem Festhalten an der i.v. Gabe von Haloperidol, wofür es durchaus klinische Gründe gibt, jedenfalls ein EKG-Monitoring angezeigt, welches auch bei einer unspezifischen Sedierung mit Prothipendyl notwendig erscheint.

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