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© Robby B. / panthermedia.de
Das Verfahren der repetitiven transkraniellen Magnetstimulation (rTMS) hat sich bereits bei Patienten mit unipolaren Depressionen bewährt.
 

Magnetimpulse bei Bipolarpatienten

Magnetfelder lindern auch die Symptome bei gemischten manisch-depressiven Episoden.

Die Magnetstimulation scheint auch die Beschwerden bei Bipolarpatienten mit therapieresistenten gemischten Phasen zu lindern: In einer Pilotstudie sprach jeder Zweite auf die Behandlung an.

Bipolarpatienten mit gemischt manisch-depressiven Episoden sind bekanntlich sehr schwer zu behandeln. Nach Schätzungen haben bis zu 40 Prozent der Patienten, die in psychiatrische Kliniken eingewiesen werden, solche gemischten Phasen. Häufig sprechen diese Patienten auch auf Stimmungsstabilisierer nicht ausreichend an, berichten Psychiater um Dr. Stefano Pallanti von der Universität in Florenz aus Italien. Daher ist die Therapie recht schwierig, denn werden die Patienten etwa zusätzlich mit Antidepressiva behandelt, kann ein Wechsel in die Manie oder eine verstärkte Stimmungslabilität drohen.

Repetitive transkranielle Magnetstimulation als Alternative

Eine Alternative ist möglicherweise die Behandlung mit repetitiver transkranieller Magnetstimulation (rTMS). Dieses Verfahren hat sich bereits bei Patienten mit unipolaren Depressionen bewährt, in kontrollierten Studien ließen sich damit auch depressive Phasen bei Bipolarpatienten lindern, berichten Pallanti und Mitarbeiter. Allerdings gebe es bislang nur anekdotische Hinweise zu einem Nutzen der rTMS bei Patienten mit gemischten Phasen. In einer offenen Studie haben die Psychiater die Methode nun bei 40 Patienten geprüft, die sich alle in einer gemischten Phase befanden und auf die übliche Therapie mit Stimmungsstabilisierern nicht ausreichend angesprochen hatten. Sie erhielten nun neben einer Therapie mit Valproat (500 bis 2.500 mg/d) zusätzlich über drei Wochen eine rTMS-Behandlung.

Das Team um Pallanti hatte sich für eine niederfrequente Stimulation mit 1 Hz über dem rechten dorsolateralen präfrontalen Kortex entschieden. Damit seien in Studien mit depressiven uni- und bipolaren Patienten gute Ergebnisse erzielt worden, ohne dass es zu ernsthaften unerwünschten Wirkungen oder einem Switch in die Manie kam.

Bei fast jedem Dritten verschwand die Depression

Die Patienten wurden während der drei Therapiewochen jeden Werktag stimuliert. Dabei gingen die Depressions-Symptome, gemessen mit der Hamilton-Depressionsskala (HAM-D), kontinuierlich zurück, und zwar von etwa 24 auf 17 Punkte. Bezogen auf die Depressionen hatten 47 Prozent der Patienten angesprochen – bei ihnen war der HAM-D-Wert um mindestens die Hälfte gesunken, eine komplette Remission gelang bei 29 Prozent.

Etwas weniger, aber noch immer signifikant ausgeprägt war der Rückgang der Manie-Symptome: Auf der Young Mania Rating Scale (YMRS) sank der Wert von etwa 21 auf 17 Punkte. Die Ansprechrate war mit 15 Prozent jedoch deutlich geringer als bei den Depressionen, immerhin verschwanden bei den Respondern die Manie-Symptome ganz, sie erreichten also auch eine Remission. Beim klinischen Gesamteindruck zeigte sich im Verlauf der Behandlung ebenfalls eine Verbesserung. Der Wert auf der Skala (maximal 6 Punkte) sank von 5 auf 3,8 Punkte.

Als Nebenwirkungen traten vorübergehend leichte Kopfschmerzen bei zwei Patienten, Schlaflosigkeit bei einem und Schmerzen am Stimulationsort bei ebenfalls zwei Patienten auf. Diese Effekte wurden jedoch nur während der ersten Therapiewoche beobachtet und führten nicht zum Abbruch der Behandlung. Wichtig ist nach Auffassung der Studienautoren auch, dass keiner der Patienten während der Studie eine schwere manische oder hypomanische Episode entwickelte.

Das Team um Pallanti sieht aufgrund der Studie Hinweise, dass die niederfrequente rechtsseitige rTMS auch bei Bipolarpatienten mit gemischten Episoden wirksam ist. Da es jedoch in dieser Pilotstudie keine Kontrollgruppe gab, sind die Ergebnisse mit Vorsicht zu genießen und müssten nun in einer kontrollierten Studie bestätigt werden. Allerdings sei eine Linderung der Symptome, wie sie in der Studie beobachtet wurde, bei therapieresistenten Bipolarpatienten mit gemischten Phasen eher selten. Daher lasse sich die Besserung kaum mit einem reinen Placeboeffekt erklären, schreiben die Psychiater.

Originalpublikation: Pallanti S et al. rTMS in resistant mixed states: An exploratory study. J Affect Disord 2014 Mar 20;157:66–71

springermedizin.de, Ärzte Woche 12/2014

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