zur Navigation zum Inhalt
 

Adaptive Fähigkeiten und Down-Syndrom: eine Querschnittsstudie vom Kindes- zum Erwachsenenalter

EINLEITUNG: In der Literatur werden adaptive Fähigkeiten bei Personen mit Down-Syndrom so beschrieben, dass sie kontinuierlich bis ins Jugendlichenalter wachsen, danach eine Phase der Stagnation beginnt, ein Abfall erst im mittleren Erwachsenenalter eintritt und einer früh beginnenden Demenz vom Alzheimertyp zugeschrieben wird. Der Zeitpunkt der Stagnation der adaptiven und auch der kognitiven Fähigkeiten wird kontrovers diskutiert. Unser Ziel war es das adaptive Verhalten bei Down-Syndrom, die Unterschiede in verschiedenen Altersgruppen, altersabhängige Veränderungen und den Zusammenhang mit den kognitiven Fähigkeiten zu untersuchen.

METHODEN: In einer prospektiven Querschnittsstudie wurden alle Personen mit Down-Syndrom an vier verschiedenen italienischen Zentren eingeschlossen. Einschlusskriterien waren, dass die Teilnehmer in der Familie lebten und eine Demenz vom Alzheimertyp ausgeschlossen werden konnte. Die Untersuchungen umfassten eine detaillierte medizinische und neuropsychiatrische Untersuchung, eine psychometrische Testung und die Untersuchung des adaptiven Verhaltens mittels der Vineland Adaptive Behaviour Scales.

ERGEBNISSE: 75 Personen von 4 bis 52 Jahren wurden eingeschlossen. Die Gruppe der jungen Erwachsenen zwischen 20 und 30 Jahren zeigte die höchsten adaptiven Fähigkeiten. Der Bereich Kommunikation, durchgehend eine Stärke, zeigte keine Altersunterschiede, die Bereiche Alltagsfertigkeiten ( p = 0,012) und Sozialisierung (p = 0,021) waren im Kindes- und vorallem im mittleren Durchschnitt, während diese hingegen im jüngeren und älteren Erwachsenenalter Stärken darstellten.

SCHLUSSFOLGERUNGEN: Personen mit Down-Syndrom stärken ihre adaptiven Fähigkeiten bis zum 30. Lebensjahr, die kognitiven Fähigkeiten haben zu diesem Zeitpunkt schon ein Plateau erreicht. Wir fanden ein größeres Absinken der adaptiven Fähigkeiten im mittleren Erwachsenenalter. Dieses Resultat führen wir zum Teil auf vermehrte Stimuli im Alltag der jüngeren Teilnehmer zurück, was in weiterführenden Studien untersucht werden sollte.

Anastasia Dressler, Valentina Perelli, Martha Feucht, Stefania Bargagna, Wiener klinische Wochenschrift 23/24/2010

Volltext dieses Beitrags / entire article auf SpringerLink

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben