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Serviceleistungen der Apotheke in der Medikamentenversorgung von Heimen schaffen mehr Zeit für die Betreuung der Bewohner.
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Pflege 12. September 2014

Die Apotheke kommt ins Heim

Ein wachsender Markt und neue Partner: Heimversorgung profitabel organisieren

Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung wird das Thema Arzneimittelversorgung alter Menschen - im Heim sowie über ambulante Pflegedienste - weiter an Bedeutung gewinnen. Die Heimversorgung durch Apotheken stellt daher eine Leistung dar, die gut organisiert werden sollte, um für alle Seiten zufriedenstellen erfüllt zu werden.

Einerseits stellt die Heimversorgung einen kontinuierlichen Absatz dar, andererseits können die von Heimen gestellten Anforderungen einen hohen Aufwand erfordern. Der Einrichtungsleiter der Diakonischen Altenhilfe im Deutschen Wuppertal, Holger Gorges, ermuntert Apotheker zu mehr Selbstbewusstsein: „Sie sind Geschäftspartner und keine Bittsteller. Wenn Apotheken eine hochqualifizierte Leistung bieten, darf es nicht sein, dass sie sich am Ende betriebswirtschaftlich schädigen – das kann man auch einem Heimträger verständlich machen.“ Eine partnerschaftliche Zusammenarbeit stelle letztlich einen Gewinn für beide Seiten dar und schaffe die nötige Vertrauensbasis

Fokus Sicherheit

„Bieten Sie bei der Heimakquise ein individuelles Portfolio an mit dem Fokus auf Sicherheit“, schlägt Gorges vor: „Wir sind Gewohnheitstiere in der Pflege. Machen Sie klar, was Sie an hilfreichen Änderungen bieten können und wie Sie als Apotheke sicherstellen, dass dann alles richtig und reibungslos lauft“.

Warum Blistern?

Gerade das Thema Medikationssicherheit ist für Heime häufig auch der Grund, sich für eine Verblisterung der Arzneimittel zu entscheiden. Denn nach aktuellen Erhebungen liegt die Fehlerquote in Pflegeeinrichtungen bei Arzneigabe, bzw. -einnahme im Mittel über 20 Prozent. Umgekehrt konnte nachgewiesen werden, dass in Heimen, die die Arznei von einer Apotheke verblistern ließen, die Fehlerquote nur 0,85 (Versorgung) bzw. 1,05 Prozent (Umgang) betrug. Das Personal wird zudem zeitlich entlastet und kann fur andere Aufgaben eingeteilt werden.

Hilfestellung: Bietet eine Apotheke von sich aus die Verblisterung an, trifft sie gelegentlich aber auch auf die Sorge der Pflegedienstleitung, dass diese damit ihre Arzneimittelkompetenzen verliere. „Dem kann man mit dem Argument begegnen, dass durch die Blister lediglich eine händische Tätigkeit wegfällt. Die wichtige Beobachtung möglicher Nebenwirkungen bleibt bestehen“, so der Wuppertaler Pflegeexperte. Diese Kompetenz gelte es sogar, in Zusammenarbeit mit der Apotheke zu stärken.

Zeitfaktor: Wer ein Heim auf Blister umstelle, solle diesem Vorgang allerdings genügend Zeit einräumen, rät Gorges. Denn um einen reibungslosen und fehlerfreien Ablauf zu gewährleisten, müssen die Mitarbeiter im Heim ausführlich informiert bzw. geschult werden. Am besten solle dazu ein Fahrplan mit Rückkopplung aufgestellt werden. Dies ermöglicht, Fehler rechtzeitig zu erkennen und zudem nach Ursachen und Lösungen zu suchen.

Nutzen mit Gewinn

Für Dr. Christian Gerninghaus, Apotheker aus Schlitz in Hessen, rechnet sich das Verblistern. Er versorgt seit acht Jahren zwei Heime mit etwa 160 Patienten mit manuell verblisterten Arzneimitteln. Neben der wöchentlichen Lieferung der Blisterkarten kümmert sich sein Apothekenteam um die tägliche Versorgung mit Bedarfsmedikation und ein umfassendes Rezeptmanagement inklusive EDV-gestützter Medikationspläne, tablettengenauer Bestandsverwaltung und automatisierter Rezeptanforderung. Sonderleistungen seien das Management der Versichertenkarten, Schulungen des Personals und Transportaufgaben.

Beispiel Heimversorgung

Nach seinen aktuellen Berechnungen fallen für die Heimversorgung in seiner Apotheke pro Jahr knapp 37.000 Euro an Kosten an. Darunter: ca. 25.000 Euro Personalkosten, knapp 5000 Euro Blistermaterial, etwa 4800 Euro Fahrer- und Fahrzeugkosten und 1400 Euro für das Gerät zur Fotodokumentation sowie 600 Euro Softwarekosten. Die recht knapp kalkulierten Personalkosten – Verblistern und Rezeptmanagement sind bekanntlich personalintensiv – realisiere er durch stringenten Einsatz des Kommissionierautomaten und viel PKA-Unterstützung, so Gerninghaus.

Diesen Kosten stehe ein Umsatz von rund 160.000 Euro mit einem Rohgewinn von 42.500 Euro (26 Prozent) gegenüber, da es bei der Heimversorgung wenig hochpreisige Produkte gebe. Bei einem Blisteranteil des Heims von je einem Euro (8320 Euro im Jahr) bliebe so ein Ertrag von mehr als 14.000 Euro (8,9 Prozent) übrig.

Sein Fazit: Heimversorgung rechnet sich - auch bei manueller Verblisterung - zumal sich dadurch auch für öffentliche Apotheken ein Weg in effektive Versorgungskonzepte eröffne, mit denen man sich gegenüber Arzt und Heim profilieren könne. Moderne EDV-Systeme bieten hier auch die nötige Unterstützung.

Beispiel ambulante Pflegedienste

Mit seinen beiden Apotheken arbeitet der Apothekeninhaber aus Iserlohn in Nordrhein-Westfalen, Till Ossenkop, inzwischen mit vier ambulanten Pflegediensten (APD) mit insgesamt 230 Patienten zusammen. Davon erhalten derzeit 131 Patienten ihre Medikamente manuell verblistert, durchschnittlich sieben verschiedene. „Mit diesem Service erreichen wir neben den Pflegediensten, die sich über einen Zeitgewinn für andere Tätigkeiten bei den Patienten freuten, auch die pflegenden Angehörigen, denen die sichere Arzneimittelversorgung am Herzen liegt“, so Ossenkop. „Seine“ Pflegedienste seien auch alle bereit, für die Verblisterung zu zahlen. Wichtig sei nur, dass der APD die Blister selbst zum Patienten bringe – nicht die Apotheke – und so die Möglichkeit zur Abrechnung behalte. Es gebe dann eine monatliche Bilanzierung der Kosten pro Woche und pro Patient mit dem APD. Die Ermittlung der Eigenanteile erfolge wiederum monatlich direkt mit den Endkunden.

Organisation gefragt: Ein dicker organisatorischer Brocken sei allerdings das Rezeptmanagement, zu dem alle Patienten eine schriftliche Einverständniserklärung gegeben hatten, räumte er ein. Denn allein ein APD arbeite mit 56 verschiedenen Ärzten zusammen. Weitere Besonderheiten bei der Zusammenarbeit mit einem APD seien zum Beispiel eine sehr hohe Flexibilität bei kurzfristiger Medikationsänderung, Blisterpausen bei zwischenzeitlichen Krankenhausaufenthalten oder Mehrfachblister wegen Urlaubs sowie Neuaufnahmen am Freitagnachmittag.

springer-gup.de

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