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:  Photo: Conny Hagen / fotolia.com
 
Pflege 27. Oktober 2013

Demenzsensibel im Krankenhaus

Werden besondere Bedürfnisse berücksichtigt, profitieren alle.

Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen sind die Patientengruppe mit den schlechtesten Voraussetzungen, um mit einem Krankenhausaufenthalt umgehen zu können, stellt Dr. Klaus Wingenfeld, Geschäftsführer des Instituts für Pflegewissenschaft an der Universität Bielefeld, fest: „Dementiell erkrankte Patienten haben ein erhöhtes Risiko schlechter Versorgungsergebnisse und einer Verschlechterung des Gesamtzustandes.“ Nach Schätzungen beträgt ihr Anteil in den internistischen und allgemeinchirurgischen Abteilungen zwischen zehn und 20 Prozent. Demenz sei in aller Regel eine Nebendiagnose. „Sie ist nicht der eigentliche Anlass für eine Krankenhaus-Behandlung, dominiert aber das Versorgungsgeschehen“, betonte Wingenfeld.

Wenn sich im Allgemeinen Krankenhaus Viersen Patienten mit einer kognitiven Beeinträchtigung der Stationstür nähern, erhalten die Pflegekräfte ein Signal. Öffnen die Patienten die Tür, wird die Zentrale alarmiert.

Seit dem Einbau des "Desorientierungssystems" fühlen sich die Pflegenden sicherer, die Angehörigen sind beruhigt. Das berichtete Pflegedirektorin Elke Harms auf der Informationsveranstaltung "Förderung der Umsetzung demenzsensibler Versorgungsprojekte" in Herne. Das Sicherheitssystem ist Teil eines Maßnahmenbündels, mit dem sich die Klinik in der internistischen Abteilung auf die besonderen Bedürfnisse von älteren Menschen mit Demenz einstellt. Dazu gehören warme Farben für einzelne Zimmer und Flure, die Kennzeichnung der Zimmer durch große Nummern oder Symbole und eine spezielle Tagesbetreuung.

Rückhalt durch Geschäftsführung wichtig

Das Engagement für die Patienten mit Demenz schlage sich zwar nicht finanziell nieder, aber die Resonanz bei den Mitarbeitern und den Angehörigen sei groß, sagte Harms. Der gute Ruf und das erweiterte Know-How werden der Klinik angesichts der zunehmenden Zahl betroffener Patienten langfristig nutzen, erwartet sie. Harms ermutigte andere Kliniken, dem Beispiel ihres Hauses zu folgen. Wichtig für den Erfolg seien zwei Bedingungen: die interdisziplinäre Zusammenarbeit und der Rückhalt durch die Geschäftsführung. "Außerdem müssen alle Mitarbeiter von Anfang an geschult werden."

Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen sind die Patientengruppe mit den schlechtesten Voraussetzungen, um mit einem Krankenhausaufenthalt umgehen zu können, sagte Dr. Klaus Wingenfeld, Geschäftsführer des Instituts für Pflegewissenschaft an der Universität Bielefeld. "Dementiell erkrankte Patienten haben ein erhöhtes Risiko schlechter Versorgungsergebnisse und einer Verschlechterung des Gesamtzustandes." Nach Schätzungen beträgt ihr Anteil in den internistischen und allgemeinchirurgischen Abteilungen zwischen zehn und 20 Prozent.

Demenz sei in aller Regel eine Nebendiagnose. "Sie ist nicht der eigentliche Anlass für eine Krankenhaus-Behandlung, dominiert aber das Versorgungsgeschehen", betonte Wingenfeld. Das Abrechnungssystem der diagnose-bezogenen Fallpauschalen (DRG) werde den spezifischen Anforderungen dieser Patienten nicht gerecht. "Die DRG zwingen zur Rationalisierung von Abläufen, die einen anpassungsfähigen Patienten voraussetzen, Menschen mit Demenz brauchen aber ein anpassungsfähiges Krankenhaus."

Andere Patienten profitieren auch

 

Wingenfeld skizzierte elf Elemente, die zu einer demenzsensiblen Versorgung im Krankenhaus gehören: spezielle Versorgungsbereiche oder Demenzstationen, eine Tagesbetreuung, eine individuelle Intensivbetreuung, die Beschäftigung von Pflegeexperten, die Qualifizierung der Mitarbeiter, bessere Informationen bei der Aufnahme, ein Aufnahme-Screening, die Einbeziehung von Angehörigen und Bezugspersonen, ein gutes Entlassmanagement, gemeinsame Handlungsorientierungen in der Klinik und die Vernetzung.

"Wenn wir uns um die Verbesserung der Rahmenbedingungen für dementiell erkrankte Patienten bemühen, werden andere Patienten auch davon profitieren", sagte der Pflegewissenschaftler. Er nannte ältere Patienten, Patienten mit schweren chronischen Krankheiten und Menschen mit Behinderungen. Die nordrhein-westfälischen Kliniken wollten eine sehr gute Behandlung von Patienten mit dementiellen Erkrankungen erreichen, sagte der Präsident der Landeskrankenhausgesellschaft Jochen Brink. Dafür seien viele Faktoren notwendig: ausreichendes und qualifiziertes Personal, die Schulung aller Mitarbeiter, bauliche und strukturelle Maßnahmen sowie das gegenseitige Lernen von guten Beispielen. "Das Erreichen dieses Ziels ist nicht zum Nulltarif zu haben."

Die Krankenhäuser bräuchten genügend Betriebskosten-Mittel und eine ausreichende Investitionskostenförderung, forderte Brink. Es sei schon schwierig, den Personalbestand auf dem heutigen Niveau zu halten. "Ihn zu steigern, was eigentlich sein müsste, ist nicht möglich."

Informationen: www.blickwechseldemenz.de

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