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1. April 2006

Suizid unter Wiener Minderjährigen 1946–2002

HINTERGRUND: Das erste dokumentierte Treffen zum Thema "Suizide unter Schülern" fand 1910 in der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung in Wien statt. Insgesamt jedoch sind wissenschaftliche Arbeiten über Suizid im Kindes- und Jugendalter in Wien und Österreich rar. Wir untersuchten Suizidfälle unter Wiener Minderjährigen bezüglich Prävalenz, geschlechtsspezifischer Unterschiede, Suizidmethoden und monatlicher Verteilung während einer Zeitspanne von 57 Jahren. STUDIENDESIGN: Es wurden Suizidfälle unter Wiener Jugendlichen im Alter von 19 Jahren oder jünger aus dem Zeitraum von 1946 bis 2002 (n = 683) untersucht. ERGEBNISSE: Die Gesamtsuizidrate der Wiener Minderjährigen sowie die Suizidrate für beide Geschlechter fiel während der Beobachtungsperiode ab. Die durchschnittliche Suizidrate war 6,2/100.000 mit einem Verhältnis Männer zu Frauen von 2,1:1 (Suizide pro 100.000 Einwohner waren nur für die Zeitspanne 1953–2002 verfügbar). Das am häufigsten verwendete Suizidmittel war Haushaltsgas bis zur Entgiftung des Wiener Stadtgases. Ab dem Jahr 1976 wurden die Suizide durch Sturz aus der Höhe zur vorherrschenden Methode unter Wiener Minderjährigen. Darüber hinaus war der Sturz aus der Höhe auch die häufigste Suizidmethode unter Mädchen und das Erhängen am häufigsten unter Jungen. Seit 1996 haben sich die Suizide durch Erschießen unter Jungen prozentuell verdoppelt, während sich Suizide durch Sturz aus der Höhe unter Mädchen verdreifachten. Ein häufigeres Vorkommen von Suiziden unter Minderjährigen konnte in den Monaten Jänner, Juni, Oktober und Dezember beobachtet werden. ZUSAMMENFASSUNG: Die Suizidrate unter Wiener Minderjährigen ist in Übereinstimmung mit dem Abfall der Gesamtsuizidrate in Österreich rückläufig. Angesichts des rezenten Anstiegs der Suizide durch Erschießen unter Jungen sowie der Suizide durch Sturz aus der Höhe bei Mädchen, sind neben einem weiteren Monitoring auch entsprechende gesetzliche und ökologische Präventionsmaßnahmen notwendig.

Kanita Dervic, Elisabeth Friedrich, Desiree Prosquill, Nestor D. Kapusta, Gerhard Lenz, Gernot Sonneck, Max H. Friedrich, Wiener klinische Wochenschrift

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