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Bei langfristig anhaltender Ischialgie liegt oft ein Bandscheibenvorfall vor.
 
Orthopädie 15. Februar 2016

Husten-Test bei Ischialgie

Ein Diagnose-Trick kann helfen, einen Prolaps zu erkennen.

Bei Ischialgie-Patienten kann es diagnostisch hilfreich sein, wenn sie gebeten werden zu husten. In einer niederländischen Studie wies eine Zunahme der Beinschmerzen beim Husten auf einen Bandscheibenvorfall hin.

Um herauszufinden, ob es sich bei Patienten mit Schmerzen im unteren Rücken, die ins Bein ausstrahlen, um einen Bandscheibenvorfall handelt, wurden bereits zahlreiche physische Tests erprobt: von Nervendehnungstests (Straight leg raise: SLR, XSLR, Lasègue) über Sehnenreflexe bis hin zu sensorischen Defiziten. Die Zuverlässigkeit all dieser Proben für sich genommen lässt allerdings zu wünschen übrig, wie eine Cochrane-Analyse aus dem Jahr 2011 bestätigt hat.

Nichtsdestotrotz propagiert ein niederländisches Forscherteam jetzt eine weitere physikalische Methode: Den Patienten wird ein Fragebogen vorgelegt, mit dem erhoben wird, ob sich die Schmerzen verschlimmern, wenn sie husten, niesen oder sich anspannen. Angekreuzt werden kann eine von vier Optionen:

• Keine Verschlimmerung der Schmerzen (A).

• Verschlimmerung der Rückenschmerzen (B).

• Verschlimmerung der Beinschmerzen (C).

• Verschlimmerung von Rücken- und Beinschmerzen (D).

395 Patienten mit schwerer Ischialgie nahmen an der Studie teil. Nach Ausfüllen des Fragebogens wurden sie einer Magnetresonanztomografie-Untersuchung unterzogen. Für 385 Patienten lagen die Resultate von beidem vor.

Schmerzen nehmen im Bein zu

In einer ersten Auswertung, in der man nur danach unterschieden hatte, ob sich die Schmerzen durch ein entsprechendes Manöver verschlimmerten oder nicht, waren die Forscher zu keinem signifikanten Ergebnis gelangt. Das änderte sich, wenn man bei den Antworten weiter differenzierte: Speziell für Antwort C – Verschlimmerung der Beinschmerzen ohne gleichzeitige Zunahme der Rückenschmerzen – ergab sich eine deutlich erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass ein Bandscheibenvorfall vorlag (OR 2,50). Eine deutliche Korrelation zeigte sich auch für den Befund einer Nervenwurzelkompression in der Magnetresonanztomografie(OR 2,28).

Von 327 Patienten, bei denen man in der Bildgebung einen Bandscheibenvorfall gefunden hatte, lag der Anteil, der ausschließlich über zunehmende Beinschmerzen berichtet hatte, bei 39,4 Prozent. Nur 16,8 Prozent hatten über eine alleinige Verschlimmerung der Rückenschmerzen geklagt, und nur 14,7 Prozent über zunehmende Bein- und Rückenschmerzen. Allerdings hatten 29,1 Prozent keinerlei Schmerzverschlimmerung beim Husten, Niesen oder Anspannen verspürt.

Bei der Anamnese komme es darauf an, wie man die Frage stelle, so die Autoren um Annemieke Verwoerd von der Erasmus Universität in Rotterdam. Berichte ein Patient konkret über eine Schmerzzunahme nur im Bein bei einer der genannten Aktionen, habe das einen signifikanten diagnostischen Wert.

Da es sich bei diesen ausgewerteten Daten um die Post-hoc- Analyse einer früheren Studie handelt, sind die Ergebnisse mit Vorsicht zu interpretieren. Die Autoren betonen auch, dass an der Untersuchung ausschließlich Patienten mit „schwerer Ischialgie beteiligt waren, bei denen die Schmerzen seit mindestens sechs Wochen bestanden hatten“.

Originalpublikation: Verwoerd AJH et al. A diagnostic study in patients with sciatica establishing the importance of localization of worsening of pain during coughing, sneezing and straining to assess nerve root compression on MRI. Eur Spine J 2016; online 2. Februar; DOI: 10.1007/s00586-016-4393-8

springermedizin.de, Ärzte Woche 7/2016

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