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© University of Alberta
Der Hohlraum im Gelenk ist nur 310 Millisekunden lang zu sehen.
 
Orthopädie 27. April 2015

Rätsel des Fingerknackens gelöst

Videobeweis: Hohlraum im Gelenk.

Viele Menschen können ihre Fingergelenke „knacken“ lassen, indem sie daran ziehen. Wie dieses Geräusch zustande kommt, war bislang eines der „großen“ Rätsel der Medizin.

Schon lange gab es verschiedene Theorien darüber, woher das ploppende Geräusch beim Fingerknacken kommt. Manche dachten, dass eine Blase im Gelenkspalt entsteht, die hörbar zerplatzt. Andere vermuteten die Ursache im Zurückschnellen von Bändern. Eine Erklärungsmöglichkeit war auch die sogenannte Tribonukleation: Ein physikalisches Phänomen, bei dem durch das Bewegen von Oberflächen Gasblasen in einer Flüssigkeit entstehen.

Kanadische Forscher haben die Ungewissheit nun nicht länger ertragen und den Vorgang mittels Echtzeit-MRT beobachtet ( Kawchuk et al. Real-Time Visualization of Joint Cavitation; PLoS ONE 2015; 10 ). Als Proband diente der Einfachheit halber gleich der Zweitautor der Studie, Jerome Fryer. Während eine spezielle Apparatur an seinem Finger zog, wurde in der Kernspintomografie für den Bruchteil einer Sekunde ein Hohlraum im Gelenk sichtbar, der nach Erklärung der Autoren vermutlich dadurch entsteht, dass nicht genug Gelenksflüssigkeit vorhanden ist, um die gedehnte Kapsel zu füllen. Es entsteht also eine Gasblase durch Unterdruck und im selben Moment das knackende Geräusch.

Entgegen bisheriger Theorien knackt das Gelenk in dem Augenblick, in dem die Blase gebildet wird, und nicht, wenn sie kollabiert. Da sich die Studie auf einen einzigen Probanden stützt, lässt sie natürlich keine generalisierte Aussage zu. Weitere Forschungen sind also dringend nötig.

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