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Orthopädie 22. September 2014

6.000 Schritte führen weg von der Behinderung

Empfohlenes Bewegungspensum für Arthrose-Patienten.

Strukturiertes sportliches Training kann die körperliche Funktion von Patienten mit Kniearthrose verbessern. Aber was leistet eigentlich unstrukturierte Aktivität, beispielsweise simples Gehen?

Das wollten Daniel White von der Boston University und seine Arbeitsgruppe in einer Beobachtungsstudie mit knapp 1.800, im Mittel 67-jährigen Frauen und Männern herausfinden. Die Probanden litten entweder bereits an einer Kniearthrose oder waren Hochrisikokandidaten dafür, demnächst ein solches Gelenkleiden zu entwickeln.

White und Kollegen versahen die Versuchsteilnehmer mit automatischen Zählern, die eine Woche lang jeden Schritt registrierten – ohne übrigens den Probanden das Ergebnis anzuzeigen. Zwei Jahre später wurde überprüft, wer inzwischen erhebliche, zuvor nicht vorhandene funktionelle Einbußen hatte hinnehmen müssen (Ganggeschwindigkeit ≤ 1 m/s; WOMAC-Score zur Funktionalität ≥ 28 von schlimmstenfalls 68 Punkten) und wie dies mit der zuvor gemessenen täglichen Schrittzahl zusammenhing.

Um nicht auf fleißiges Gehen zurückzuführen, was einfach nur einem per se relativ guten körperlichen Zustand geschuldet war, glichen die Forscher ihre Ergebnisse nach einer Reihe von Einflussfaktoren ab, z. B. Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index, Grad der radiologisch sichtbaren Kniegelenksveränderungen, Ausmaß der Knieschmerzen, Begleiterkrankungen und depressiven Symptomen.

Je mehr Schritte, desto geringer das Risiko

Nur drei Prozent der Probanden, die täglich 7.500 und mehr Schritte getan hatten, waren nach zweijährigem Follow-up unter ein Gehtempo von 1 m/s gefallen – aber 21,4 Prozent derjenigen, bei denen weniger als 5.000 Schritte gezählt worden waren. Die Quote erreichte 7,8 Prozent, wenn die Schrittzahl zwischen 5.000 und 7.500 gelegen hatte.

Ein ähnliches Bild ergab sich für die Funktionalität: 2,5 Prozent der Probanden mit mindestens 7.500 und 4,0 Prozent jener mit 5.000 bis 7.500, aber 9,2 Prozent derjenigen mit weniger als 5.000 Schritten hatten mindestens 28 Punkte auf dem WOMAC-Konto. Je 1.000 zusätzliche Schritte pro Tag sank das Risiko für Einbußen um 16 bis 18 Prozent. In der statistischen Analyse kristallisierten sich 6.000 Schritte täglich als optimaler Schwellenwert, um körperlich Fitte von Eingeschränkten zu unterscheiden.

Fazit

Auf der Basis ihrer Studienresultate raten White und seine Mitarbeiter Patienten mit Kniearthrose zu einem Anfangspensum von mehr als 3.000 Schritten, „denn nur wenige Probanden auf diesem Niveau entwickelten anschließend funktionelle Behinderungen“. Mindestens 6.000 Schritte täglich seien dann das zu erreichende Ziel, um funktionellen Einschränkungen vorzubeugen.

Originalpublikation: White DK et al.: Arthritis Care & Research 2014; 66 (9): 1328–36

springermedizin.de, Ärzte Woche 39/2014

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