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Orthopädie 5. November 2012

Fallbericht einer Monteggia-Fraktur an einem mittelalterlichen Skelett mittels μCT und Histologie

Im Jahr 1991 wurde auf dem Areal der Pfarrkirche von Altenberg/Linz (Oberösterreich) eine archäologische Grabung durchgeführt, bei der menschliche Skelettreste von 94 Individuen geborgen wurden. Die Belegungszeit des Friedhofs lässt sich anhand der Radiokarbondatierungen auf das letzte Drittel des 13. Jahrhunderts AD eingrenzen. In diesem Fallbericht soll das Skelett eines maturen Mannes, das durch zahlreiche Frakturen und Exostosenbildungen gekennzeichnet ist, beschrieben werden. Die auffälligsten Veränderungen betreffen den linken Arm: Die Ulna ist frakturiert, der Bruch in Fehlstellung und mit Verkürzung verheilt. Am korrespondierenden Radiuskopf liegen eine Luxation im Sinne einer Achsenknickung und eine Deformation durch eine massive Knochenneubildung vor (Monteggia-Fraktur, Bado Typ I). Der linke Humerus weist ventral über dem Capitulum eine mächtige, kelchförmige Knochenneubildung auf. Diese Struktur bildete eine Art „alternatives Gelenk“, das funktionell eine gewisse Beweglichkeit des Unterarms – wenngleich hinsichtlich Flexion/Extension und insbesondere Supination/Pronation eingeschränkt – erlaubte. Da diese sowie die anderen traumatisch bedingte Läsionen an den männlichen Skelettresten (eine Hiebverletzung am Cranium und alle Brüche am Postcranium) ähnlichen Ausheilungszustand zeigen, ist ein Ereignis als Ursache wahrscheinlich. Um diese Hypothese zu verifizieren, wurden die betroffenen Skelettregionen nicht nur makroskopisch und konventionell radiologisch, sondern auch mikrocomputertomographisch und histologisch untersucht. Die Art der Frakturen und deren Verteilungsmuster deuten auf ein Nahkampfgeschehen (Hochgeschwindigkeitstrauma), das – wie die strukturellen Neubildungen zeigen – zwar längere Zeit überlebt wurde, aber eine partielle Invalidität zur Folge hatte.

Mag. Dr. rer. nat. Doris Schamall, Univ.-Prof. Dr. med. Peter Pietschmann, Ass. Prof. Mag. Dr. rer. nat. Doris Moser, Mag. rer. nat. Martin Dockner, Univ.-Prof. Dr. phil. Maria Teschler-Nicola, Wiener Medizinische Wochenschrift 17/18/2012

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