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Schweres Schädelhirntrauma in Österreich VI: Auswirkungen eines auf Richtlinien basierenden Manageme

ZIELE: Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Zusammenhänge zwischen den Ergebnissen der Behandlung und den einzelnen Empfehlungen der Richtlinien darzustellen. PATIENTEN UND METHODEN: Es standen Datensätze von 405 Patienten zur Verfügung, die von 5 österreichischen Zentren in die Studie inkludiert worden waren. Analysiert wurde, in welchem Ausmaß die Behandlung der Patienten den Richtlinien der "Brain Trauma Foundation" folgte. Hierzu wurde ein Algorithmus entwickelt, mittels dessen sich die Compliance mit den Richtlinien für jeden Patienten Tag für Tag überprüfen ließ und der einen Score ergab, der dann für weitere Analysen herangezogen wurde. Mit diesem Score wurden die Beziehungen zwischen einzelnen Empfehlungen und dem Überleben der Intensivbehandlung, gutem Zustand nach einem Jahr, und der Dauer von Intensivbehandlung und Spitalsaufenthalt analysiert. Dies erfolgte mittels logistischer Regression, wobei für die Faktoren Alter, Injury Severity Score und Glasgow Coma Scale korrigiert wurde. ERGEBNISSE: Die Option "Prähospitale Therapie" wurde in 84% der Fälle angewandt, und die Richtlinie "Rasche Schocktherapie" wurde bei 79% erfüllt. Am häufigsten wurde die Richtlinie befolgt, den intrakraniellen Druck ab einer Höhe von 25 mmHg zu therapieren (89%). Die Option, den zerebralen Perfusionsdruck über 70 mmHg zu halten, wurde nur selten befolgt (29%). Ein statistisch signifikanter positiver Einfluss der Befolgung von Empfehlungen auf das Überleben der Intensivbehandlung fand sich nur für die Richtlinie "Rasche Schocktherapie" und für die Option "Zerebraler Perfusionsdruck". Für einige andere Empfehlungen (zu Technik der Hirndruckmessung, Hyperventilation, Antiepileptika) sowie für den Gesamtscore fand sich ebenfalls ein positiver Einfluss (nicht signifikant). Für die Befolgung der übrigen Empfehlungen fand sich ein (nicht signifikanter) negativer Einfluss auf das Überleben der Intensivbehandlung. Bei der Analyse der Beziehung von Compliance Scores und Dauer von Intensiv- und Spitalsaufenthalt von Überlebenden zeigte sich, dass die Implementierung der Empfehlungen zur Technik der Hirndruckmessung den Intensiv- und Spitalsaufenthalt verkürzte. Befolgte man die Richtlinie zur Hyperventilation, so resultierte eine Verkürzung des Intensiv- und eine Verlängerung des Spitalsaufenthalts, befolgte man jene zu Mannitol, so wurde der Spitals-, jedoch nicht der Intensivaufenthalt verkürzt. Unterlassung der Verwendung von Kortikosteroiden (Standard) resultierte in einer Verkürzung von Intensiv- und Spitalsaufenthalt. Vermeidung der prophylaktischen Anwendung von Antiepileptika (Standard) führte zu einer Verkürzung des Intensivaufenthalts. Würde man alle Richtlinien befolgen, so würde dies zu einer Verlängerung des Intensiv- und einer Verkürzung des Spitalsaufenthalt führen. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Die Empfehlungen zur Schocktherapie und zur Aufrechterhaltung des zerebralen Perfusionsdruck führten zu einer höheren Rate an Überlebenden und sollten deshalb immer umgesetzt werden. Da die Umsetzung der Richtlinien eine Verkürzung des Spitalsaufenthalts zu Folge haben könnte ist die Implementierung eines entsprechenden Programms aus ökonomischer Sicht ebenfalls zu befürworten.

Martin Rusnak, Ivan Janciak, Marek Majdan, Ingrid Wilbacher, Walter Mauritz, Wiener klinische Wochenschrift

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