zur Navigation zum Inhalt
 
Neurologie 1. Jänner 2007

Gleichzeitig auftretende tuberkulöse Meningoencephalitis bei zwei Geschwistern

Aufgrund der hohen Morbidität und Mortalität erfordert die tuberkulöse Meningoencephalitis (TBM) eine rasche Diagnose und einen sofortigen Beginn einer tuberkulostatischen Therapie. Durch die BCG-Impfung konnte die Inzidenz der disseminierten Verlaufsform der Tuberkulose (TB) im Kindesalter reduziert werden. Wir berichten hier über das gleichzeitige Auftreten einer TBM bei zwei Geschwistern (zweijähriger Junge und vierjähriges Mädchen aus einer Migrantenfamilie aus dem Kosovo, Albanien). Die Diagnosestellung einer TBM erfolgte nicht zeitgerecht, und initial wurde die Diagnose einer viralen Meningoencephalitis gestellt. Eine tuberkulostatische Therapie wurde trotz einer Hyponatriämie, eines beginnenden Liquoraufstaus und Zeichen eines entzündlichen intracerebralen Geschehens nicht initiiert. Nachdem die Diagnose einer TBM gestellt wurde verstarb der Junge an einem medikamentös-induzierten toxischen Leberversagen. Die Schwester überlebte mit schwersten neurologischen Defiziten. Eine Umfelduntersuchung zeigte, dass die TB durch einen Nachbarn übertragen wurde. Bei dieser Person wurde vor Erkrankung der Kinder eine pulmonale TB diagnostiziert. Der Patient entzog sich allerdings mehrfach einer tuberkulostatischen Therapie. Trotz der pulmonalen TB des Nachbarn erfolgte zunächst keine Umfelduntersuchung, insbesondere wurde keine Tuberkulin- Testung durchgeführt. SCHLUSSFOLGERUNG: Unsere Kasuistiken zeigen das ungewöhnliche, zeitgleiche Auftreten einer TBM bei zwei Geschwistern. Wir möchten auf die Bedeutung einer TBM als Ursache eines entzündlichen intracerebralen Prozesses bei Kindern hinweisen. Um neurologische Schäden zu verhindern, sollte die Differenzialdiagnose einer TBM bei Kindern mit klinischen Zeichen einer Meningoencephalitis zwingend in Betracht gezogen werden. Dies gilt insbesondere für Kinder aus TB-Hoch-Risiko-Ländern bzw. für Kinder mit einem Migrationshintergrund. Um eine Ausbreitung der TB effektiv zu erzielen, ist das rigide Umsetzen einer tuberkulostatischen Therapie betroffener Personen zwingend erforderlich und eine sofortige Umfelddiagnostik einzuleiten. Da die BCG-Impfung das Risiko einer disseminierten Verlaufsform einer TB reduziert, könnte sie insbesondere bei Kindern mit einem hohen Risiko einer TB-Infektion von Nutzen sein.

Sascha Meyer, Mohammed Ghiath Shamdeen, Jörg Wüllenweber, Mathias Hermann, Sven Gottschling, Tobias Struffert, Ludwig Gortner, Markus Klotz, Wiener Medizinische Wochenschrift

Volltext dieses Beitrags / entire article auf SpringerLink

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben