zur Navigation zum Inhalt
 
Neurologie 9. Februar 2015

Depression in die Wiege gelegt?

Werden die Weichen schon im Mutterleib gestellt?

Ein FWF-Projekt soll klären, ob Immunreaktionen während der Schwangerschaft das Depressionsrisiko eines Kindes beeinflussen können.

Können Immunreaktionen bei schwangeren Müttern dazu führen, dass Kinder später zu Depressionen neigen? Dieser Frage widmet sich ein neues Projekt des Wissenschaftsfonds FWF. Im Tiermodell sollen zelluläre und molekulare Prozesse analysiert werden, die zu einer solchen Veranlagung führen können, meldet der FWF.

Einflüsse, denen eine Mutter in der Schwangerschaft ausgesetzt ist, können sich auf die psychische Entwicklung des Kindes negativ auswirken. Es gelte als gesichert, dass Schizophrenie und Autismus bei Kindern durch Infektionskrankheiten schwangerer Mütter verursacht werden können. Ob dies auch für Depressionen gilt, untersucht nun Prof. PD Dr. Daniela Pollak-Monje Quiroga, von der Abteilung für Neurophysiologie und Neuropharmakologie der MedUni Wien, in einem dreijährigen Projekt des FWF.

Das erste Ziel ihrer Arbeit an Mäusen, die hier als Modellorganismus dienen, ist es festzustellen, ob depressionsartiges Verhalten im späteren Leben der Kinder tatsächlich durch Immunreaktionen während der Schwangerschaft hervorgerufen werden kann, heißt es in einer Mitteilung des FWF.

Ihre weiteren Ziele erläutert Pollak-Monje Quiroga so: „Uns interessiert auch, ob eine solche Immunantwort mit einer veränderten Hirnentwicklung zusammenhängt und ob das auf mangelnder Wirkung eines speziellen Wachstumsfaktors beruht. Zusätzlich analysieren wir strukturelle, anatomische, molekulare und funktionelle Veränderungen des Gehirns.“

Ihrer Arbeit liegt dabei die Annahme zugrunde, dass die Neurogenese im Hippocampus von Erwachsenen einen Einfluss auf die Entstehung von Depressionen hat. Tatsächlich folgt die Neubildung in diesem Alter dem exakten Muster während der embryonalen Entwicklung – was Pollak-Monje Quiroga zu der Überlegung führte, dass eventuell bereits während dieser embryonalen Neurogenese die Weichen für spätere Depressionen gestellt werden könnten.

Insgesamt sei dieses Projekt die erste umfassende Untersuchung zur Wirkung mütterlicher Infektionen während der Schwangerschaft auf die Entwicklung von Depressionen im späteren Leben. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse könnten sowohl für die neurowissenschaftliche Grundlagenforschung als auch für die Identifizierung neuer Behandlungsmöglichkeiten von Bedeutung sein.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben