zur Navigation zum Inhalt
 
Neurologie 9. Februar 2015

Neuer Ansatz bei Schlaganfall

Die Blockade eines Entzündungsproteins verringert die Folgeschäden nach einem Schlaganfall drastisch.

Beim Schlaganfall ist schnelles Handeln gefragt: Je eher die Blutgerinnsel aufgelöst werden, desto geringer fallen in der Regel die Folgeschäden aus. Häufig erreichen die Patienten die Klinik jedoch zu spät. Der Sauerstoffmangel im Gehirn ist auch nur ein Aspekt von vielen, die bei einem Schlaganfall auftreten. Eine gefürchtete Begleiterscheinung sind beispielsweise Entzündungsprozesse im Gehirn und Hirnödeme. Durch den Überdruck im Schädelinneren wird gesundes Hirngewebe ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Einem Team aus Würzburg ist es nun gelungen, ein spezielles Entzündungsprotein zu blockieren und somit die Folgen eines Schlaganfalls zu verringern.

Antikörper wirkt noch nach Stunden

Schon seit Längerem war bekannt, dass das Entzündungsprotein Plasmakallikrein das Nervengewebe nach einem Schlaganfall auf mehreren Wegen schädigt. So trägt es zum einen dazu bei, dass weitere Blutgerinnsel im Gehirn entstehen. Zum anderen fördert es die Entzündung und auch das Hirnödem.

Zuerst wurde mit Mäusen gearbeitet, denen das Gen für Plasmakallikrein fehlt. Die Tiere entwickelten drastisch kleinere Schlaganfälle und zeigten weniger neurologische Ausfallerscheinungen. „Diese Beobachtung war zwar vielversprechend, aber für den Einsatz am Patienten erstmal nicht relevant. Wir mussten daher einen Weg finden, um Plasmakallikrein auch pharmakologisch zu blockieren“ erklärt Erstautorin Dr. Eva Göb. Es wurde daher ein Antikörper verwendet, der die Wirkung von Plasmakallikrein im Blut der Mäuse aufhebt. Wie sich zeigte, führte auch dieser Weg dazu, dass die Folgen eines Schlaganfalls drastisch abgemildert wurden. Der Antikörper war selbst dann noch wirksam, wenn er mit einer zeitlichen Verzögerung von drei Stunden nach Schlaganfallbeginn injiziert wurde. Somit könnte der Antikörper vielleicht auch bei jenen Patienten eingesetzt werden, die die Klinik erst spät erreichen.

Göb E et al.: Blocking of plasma kallikrein ameliorates stroke by reducing thromboinflammation; Ann Neurol 2015; online 27. Jänner

JMU Würzburg, Ärzte Woche 7/2015

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben