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Neurologie 10. November 2014

Wackelige Basis

Welchen Nutzen haben Epilepsie-Tagebücher? Auf der Neurowoche gab es dazu ein skeptisches Fazit.

Prof. Christian Elger von der Klinik für Epileptologie der Universität Bonn stellte klar, wie wackelig die empirische Basis ist, auf der manches Ergebnis epileptologischer Forschung und das Gros der Therapieentscheidungen stehen. Insbesondere auf die Anfallserfassung durch die Patienten sei kein Verlass.Das Patienten-Tagebuch ist in der Epileptologie nicht bloß ein Heft, mit dem man sich einen groben Überblick über den Krankheitsverlauf verschafft. Es ist vielmehr das zentrale Instrument der Therapiesteuerung. In der Forschung können Tagebucheinträge darüber entscheiden, ob ein neues Medikament als wirksam eingestuft wird.

Elger verweist auf eine eigene Untersuchung (Arch Neurol 2007; 64), der zufolge in einer mit Video-EEG-Monitoring überwachten Zeitspanne 55,5 Prozent der insgesamt 582 fokalen Anfälle von 91 erwachsenen Patienten im Tagebuch undokumentiert blieben. In einer australischen Studie aus dem vergangenen Jahr war kaum eine Korrelation von dokumentierten und objektivierten Anfällen festzustellen (Cook et al.: Lancet Neurol 2013; 12).Die Ursachen für die Fehlzahlen sind nicht in Schlamperei der Patienten zu sehen. Vielmehr führt etwa die postiktale Amnesie dazu, dass zu wenig Anfälle notiert werden. Auch das Verkennen von Anfällen spielt herein, und manchmal auch der Wunsch des Patienten, seine Anfallsfreiheit zu dokumentieren, um bspw. die Fahrtauglichkeit zu erhalten.

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