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Neurologie 13. Oktober 2014

Sport mit Kühlhose

Spezialkleidung schützt MS-Patienten vor Überhitzung.

Körperliche Aktivität wirkt sich bei Patienten mit Multipler Sklerose (MS) günstig auf die Symptomatik aus und verbessert die Lebensqualität. Kühlende Spezialkleidung kann Beschwerden lindern, die durch die Überwärmung beim Sport entstehen.

„Auch Patienten mit multipler Sklerose sollten Sport treiben“, sagte Prof. Dr. Jürg Kesselring, Kliniken Valens, Schweiz, beim Deutschen Sportärztekongress im September in Frankfurt/Main. Zur Begründung führte der Neurologe an, dass sich körperliche Aktivität günstig auf das Wohlbefinden der Betroffenen auswirkt, indem sie einerseits die vorhandenen körperlichen Funktionsstörungen ausgleicht und Folgekomplikationen verhindert, und indem sie andererseits das Selbstwertgefühl und die Lebensqualität der Betroffenen stärkt: „Aerobes Training reduziert die kardiovaskuläre Morbidität, die Mortalität, den Cholesterinspiegel, Blutdruck und Blutzucker, und es steigert die Stimmung und die mentalen Leistungen der Patienten – ohne einen negativen Einfluss auf die Schubrate auszuüben.“ Kesselring zufolge konnten Studien zeigen, dass aktives Training einen Lernprozess in Gang setzt, der die Neuroplastizität fördert und damit die Folgen der Erkrankung reduziert. „Erhöhte Konzentrationen von neurotrophen Faktoren, die durch ein Training entstehen, unterstützen die Regeneration von motorischen und kognitiven Funktionen“, so Kesselring. Positive Wirkungen habe ein Ausdauertraining bei Patienten mit MS auch auf die kardiorespiratorische Fitness (Bansi et al.: J Neurol 2013).

Allerdings kann Schwitzen beim Sport für MS-Patienten äußerst unangenehm sein. Die Überwärmung führt zu einer Verschlechterung der Leitfähigkeit der Nervenfasern, was eine Verstärkung von bestehenden neurologischen Symptomen nach sich zieht. „Abhilfe kann das Tragen von kühlender Spezialkleidung bringen. Versuche mit Kühlhosen sind in dieser Hinsicht sehr effektiv verlaufen“, berichtete Kesselring (Meyerheim et al.: Mult Scler 2007). Die Hosen könnten zwar keine medikamentöse Therapie ersetzen, böten den Patienten aber beim Sport oder bei der Physiotherapie wertvolle Unterstützung.

springermedizin.de, Ärzte Woche 42/2014

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